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Update am Morgen - China - Wegschauen geht nicht mehr

Datum:
Peter Frey

Guten Morgen,

während Trumps USA immer mehr im Corona-Chaos versinken, steigt der Stern Chinas. Peking bietet, was Washington nicht mehr leistet: Wege aus der Pandemie, wirtschaftliche Stabilität, eine Wachstumsperspektive. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Vereinigten Staaten als letzte Weltmacht gesehen. Jetzt macht China der Führungsmacht des Westens die globale Rolle streitig.

Peking agiert nicht als Soft Power, sondern spielt Hard Ball - nach außen mit dem Projekt Seidenstraße oder dem militärischen Führungsanspruch in ostchinesischen Seegebieten, innenpolitisch durch seine allgegenwärtige digitale Überwachungsmaschinerie oder in diesen Tagen den kalten Putsch in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong.

Ich war dabei, als 1997 die royale Jacht "Britannia" mit Prinz Charles als Vertreter der Queen zum letzten Mal in der britischen Kronkolonie Hongkong festmachte. Bei der feierlichen Übergabezeremonie hatten die Chinesen versprochen, die politische Eigenständigkeit Hongkongs 50 Jahre zu respektieren. Doch die Formel "ein Land, zwei Systeme" ist zwei Jahrzehnte später allenfalls ein gebrochenes Versprechen.

Archiv: Rückgabe von Hongkong an China, Zeremonie.
1997 gaben die Briten Hongkong an China zurück.
Quelle: Reuters

Europa kommt jetzt nicht mehr um die Frage herum: weiter mit China Handel treiben, die chinesische Werkbank nutzen, den Zugang zum weltweit größten Konsumentenmarkt ausbauen - oder auf Distanz zur ersten digitalen Diktatur mit globalem Führungsanspruch gehen? Das hätte seinen Preis, brauchen deutsche Unternehmen doch, um ein noch tieferes Abgleiten in die Arbeitslosigkeit abzuwenden, Zugang zu dem Markt, wo die Wirtschaftsparameter wieder nach oben zeigen.

Und so steht die EU, steht Angela Merkel als amtierende Ratspräsidentin vor einem Dilemma. Europa kann jetzt Druck auf Peking ausüben und wie Boris Johnson Hongkong-Chinesen anbieten, europäische Staatsbürger zu werden. Auch direkte Sanktionen sind denkbar. Oder es bleibt beim bisherigen Kurs: im Hinterzimmer Bürgerrechte einfordern und weiter gute Geschäfte etwa in der Automobilindustrie machen.

Die Abhängigkeit wächst, je mehr Corona unserer Wirtschaft zusetzt. Mit dem sogenannten Sicherheitsgesetz zeigt das Regime in Peking sein hässliches Gesicht. Wegschauen und zugleich Geschäftemachen geht jetzt nicht mehr.

Einen schönen Tag und viel Spaß beim Weiterlesen wünscht Ihnen

Peter Frey, Chefredakteur des ZDF

Was heute noch wichtig ist

  • So viele Frauen wie Männer auf den Landeslisten? Die rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass Parteien ihre Kandidaten für die Landtagswahlen paritätisch aufstellen müssen. Dagegen klagt die AfD - heute Vormittag verkündet der Verfassungsgerichtshof sein Urteil. Das dürfte Signalwirkung auf Brandenburg haben, wo die Paritätsregel ebenfalls Juristen beschäftigt.
  • Hilfe für die angeschlagene Stahlindustrie: Das Kabinett will heute ein Konzept beschließen, mit dem Stahl in Deutschland künftig international konkurrenzfähig und zugleich umweltfreundlicher produziert werden kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei grüner Wasserstoff. Welche Chancen er bietet und wo die Probleme liegen, zeigt das Beispiel Salzgitter AG:


  • Will Markus Söder Kanzler werden? Aktuelle Umfragen sehen Bayerns Ministerpräsidenten in der Gunst der Bürger längst vorne. Sein Treffen mit Angela Merkel in Herrenchiemsee hat zudem die passenden Bilder produziert: Söder Seite an Seite mit der Kanzlerin, bei herrlichem Wetter in königlichem Ambiente. "Ein Geschenk", sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Shakuntala Banerjee. Im Interview mit dem heute journal betont Söder trotzdem erst einmal: "Mein Platz ist in Bayern."
  • Die Bedeutung von Antikörpern für Impfstoffe: Neue Studien zeigen, dass der Antikörperspiegel bei Covid-19-Patienten erstaunlich schnell sinkt. ZDFheuteCheck-Redakteur Jan Schneider geht der Frage nach, was das für Impfstoffe bedeutet.
  • Warum wir uns an ein Leben mit Pandemien gewöhnen müssen: In unserer interaktiven Story erklären Experten, woher Ausbrüche von Corona und Co. kommen und warum die Wahrscheinlichkeit dafür sogar steigt.

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Johns-Hopkins-Universität 200.456 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 300 dazu. Insgesamt sind 9.078 Menschen gestorben. (Stand: 15.7.2020 5:41 Uhr, Quelle: Johns-Hopkins-Universität)

Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.

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Ausführlich informiert

"Der unsichtbare Feind - Leben und Sterben mit dem Coronavirus": Die Frontal-21-Doku blickt auf die akute Phase der Pandemie zurück und wirft die Frage auf, was uns im Winter erwartet:

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43 min
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Knapp 600 Millionen Tonnen Methan sind Hochrechnungen der Universität Stanford zufolge 2017 in die Erdatmosphäre gelangt - ein neuer Höchststand. "Methan ist jetzt für 23 Prozent der globalen Erwärmung aufgrund von Treibhausgasen verantwortlich", erklären Experten.

Ein Lichtblick

Chor = Corona-Risiko. Diese Formel galt nach dem Corona-Ausbruch, das Land Berlin etwa verhängte kurzfristig ein Singverbot in geschlossenen Räumen. Seit einigen Wochen proben Chöre wieder - mit Abstandsgebot, Hygieneregeln und Vorab-Tests. So wagen sich auch die berühmten Leipziger Thomaner wieder vor Publikum. Derzeit sind die Chorknaben auf einer kleinen Konzertreise durch Ostdeutschland unterwegs:

Weitere Schlagzeilen

  • Trump unterzeichnet Sanktionsgesetz gegen China: Damit solle das Land für "repressive Aktionen" gegen die Menschen in Hongkong zur Rechenschaft gezogen werden, sagt der US-Präsident. China kündigt Vergeltungsmaßnahmen an.
  • Nord- und Ostsee werden immer wärmer: Hier steigen die Temperaturen etwa doppelt so schnell wie im globalen Mittel. Die Grünen fordern mehr Klimaschutz.
  • ZDF in Rüdesheim: Normalerweise drängen im Sommer täglich Tausende Touristen durch die Drosselgasse, doch wegen Corona bleiben die ausländischen Gäste weg.

Die Nachrichten im Video

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So wird das Wetter heute

Am Mittwoch bleibt es im Nordwesten und Westen mit etwas Sonne meist trocken. Sonst überwiegen die Wolken und es regnet häufig. Gewitter können auch dabei sein. Die Temperatur steigt auf Werte von 17 bis 25 Grad.

Karte: Wetter am Mittwoch 14.07.2020
Quelle: ZDF
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