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Update am Morgen - Schwieriges Erwartungsmanagement

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Peter Frey

Guten Morgen,

endlich langfristige Strategien in der Corona-Krise, das fordern viele von den politisch Verantwortlichen: Eltern wollen wissen, wann Schulen und Kitas wieder öffnen, Gastronomen, wann sie wieder Personal anheuern können. Für die Opposition ist Kritik an fehlenden Strategien und Perspektiven oft ein Synonym, dass ihnen die ganze Richtung nicht passt.

Doch wie strategiefähig kann Politik in einer Situation mit so vielen Unbekannten sein? Was bedeutet es gerade in einem Superwahljahr, wenn Regierende mit großer Geste ausgerufene Strategien angesichts veränderter Faktenlage korrigieren oder gar widerrufen müssen? Klar ist: Wer sich festlegt, riskiert Glaubwürdigkeitsverlust. Deshalb entscheiden sich Entscheidungsträger in der Krise oft dafür, unbestimmt zu bleiben.

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Es geht um ein Schlüsselwort politischer Kommunikation: Erwartungsmanagement. Ob einmal geweckte Erwartungen erfüllt oder enttäuscht werden, ist für das Urteil von Wählerinnen und Wählern meist entscheidender als die Frage, ob alle Spiegelstriche eines politischen Plans tatsächlich umgesetzt werden oder nicht.

Wie schwierig Erwartungsmanagement ist, zeigt die Corona-Krise beispielhaft. Fernsehbilder aus schnell aufgebauten Impfzentren vor Weihnachten, mit der Ankündigung, dort Tausende Menschen pro Tag immunisieren zu können, haben unrealistische Erwartungen geschaffen. Das Ziel der Politik war klar: Gegen die Corona-Müdigkeit sollte endlich Licht am Ende des Tunnels aufscheinen. Als sich dann nach den Feiertagen aber herausstellte, dass viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung stand, folgte tiefer Frust.

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So wurde aus der Corona-Politik von Bund und Ländern ein Kommunikationsdesaster. Die Bilder haben mehr versprochen als gehalten werden konnte. Nie war ein Impfstoff schneller produziert worden - und doch wurde die Situation als "Impf-Chaos" wahrgenommen. Dass Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten in dieser Woche den Inzidenzwert für Öffnungsperspektiven in Richtung 35 schoben und damit die Zahl 50, die seit Dezember für Lockerungen in Aussicht gestellt wurde, vom Tisch genommen haben, birgt die gleiche Gefahr. Wenn fahrlässig erzeugte Erwartungen enttäuscht werden, führt das zu Unverständnis oder gar Wut.

Seien wir realistisch: Angesichts immer wieder neuer Entwicklungen, zuletzt der Gefahr durch Mutationen, gleicht Pandemie-Politik einem Stochern im Nebel. Wer "auf Sicht" fährt, kann sich schwer auf Strategien und Zeitpläne festlegen. Wenig versprechen, unbestimmt bleiben, Erwartungen senken - ist, aus Sicht der Verantwortlichen, Voraussetzung für gelungenes Erwartungsmanagement. Auch wenn Bürgerinnen und Bürger zu Recht mehr Klarheit erwarten.

Einen guten Tag wünscht Ihnen

Peter Frey, ZDF-Chefredakteur

Was heute noch wichtig ist

Testpflicht bei Ausreise aus Tirol tritt in Kraft: Für das österreichische Bundesland Tirol gelten von heute an strenge Ausreisebeschränkungen. Ein Verlassen des Bundeslands in Richtung Deutschland oder in angrenzende österreichische Bundesländer ist in den nächsten zehn Tagen nur mit einem negativen Corona-Test möglich, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Maßnahme soll helfen, eine Verbreitung der in Tirol gehäuft aufgetretenen südafrikanischen Corona-Variante zu verhindern.

Die Bundesregierung hat indes entschieden, ab kommenden Sonntag neben den bestehenden Binnengrenzkontrollen zu Österreich auch an den Grenzen zu Tschechien vorübergehende Grenzkontrollen einzuführen:

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Weiterer Prozess gegen Nawalny wird fortgesetzt: Der erst kürzlich zu mehreren Jahren Straflager verurteilte Kremlkritiker Alexej Nawalny muss sich heute in Russland bereits zum zweiten Mal in einem anderen Fall vor Gericht verantworten. Weil er einen Weltkriegsveteranen beleidigt haben soll, drohen ihm eine Geldstrafe oder Zwangsarbeit.

Nawalny hatte im vergangenen Sommer ein in den Staatsmedien ausgestrahltes Video kritisiert, in dem mehrere Bürger sich für eine Verfassungsänderung aussprachen. "Schaut sie euch an: Sie sind die Schande des Landes", schrieb Nawalny Anfang Juni auf Twitter über die Menschen in dem Clip und beschimpfte sie als "Verräter". Weil einer von ihnen - ein 94-Jähriger, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte - sich davon schwer beleidigt gefühlt haben soll, ist Nawalny nun wegen Veteranen-Verleumdung angeklagt.

Russischer Oppositionsführer Alexej Nawalny.
Quelle: Uncredited/Babuskinsky District Court/AP/dpa

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es 2.321.379 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 7.970 dazu. Insgesamt sind 64.516 Menschen gestorben. (Quelle: Risklayer)

Bisher wurden in Deutschland 2.490.423 Menschen einfach gegen das Coronavirus geimpft, 1.178.725 Menschen erhielten die Zweitimpfung. Hier erfahren Sie, wie es in Ihrem Bundesland aussieht. (Quelle: RKI)

Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.

Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise lesen Sie jederzeit in unserem Liveblog.

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Zahl des Tages

1.000: Der Bundesrat kommt heute in Berlin zu seiner 1.000 Sitzung zusammen. Zu diesem besonderen Anlass wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Ansprache vor der Länderkammer halten. Auf dem Programm stehen mehr als 80 Tagesordnungspunkte. Zur konstituierenden Sitzung des Bundesrats kamen die Vertreter der Länder am 7. September 1949 in Bonn zusammen.

Ein Schriftzug "Bundesrat" ist auf eine Glasscheibe zusehen, aufgenommen am 18.11.2020
Quelle: dpa

Gesagt

Das vollkommenste Kunstwerk ist der Bau der politischen Freiheit.
Alterspräsident Johannes Büll (SPD) aus Hamburg leitete am 7. September 1949 die erste Sitzung des Bundesrats mit den Worten Friedrich Schillers ein

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So wird das Wetter heute

Am Freitag halten sich in der Mitte und im Osten einige dichte Wolkenfelder und örtlich kann es etwas schneien. Sonst gibt es viel Sonne. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus 8 und minus 1 Grad.

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Quelle: ZDF

Zusammengestellt von Lukasz Galkowski

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