Guten Morgen,
Deutschland freut sich auf den Friseur-Termin. Als einzige konkrete Lockerung haben Bund und Länder gestern beschlossen, dass Friseursalons zum 1. März wieder öffnen dürfen. Bis dahin sind es immer noch fast drei Wochen, was mehr und mehr zu einer ästhetischen Zumutung wird, die wir hierzulande bestehen müssen.
Geschenkt. Schwer wiegt die menschliche Zumutung, die uns die politischen Entscheider nun weiter abverlangen: Verlust an Freiheiten, an Kontakten, an Reisen, an Freunden und Freude.
Fast vier Wochen weiterer Shutdown heißt auch: Verlust von vielen beruflichen Existenzen - im Einzelhandel, im Kulturbereich. Hier bleibt die Öffnungsperspektive unbestimmt: Die Inzidenz von 35, ab der nun Geschäfte oder Galerien wieder öffnen dürfen sollen, bleibt vage, unklar, wann der Wert erreicht wird. Und für die Gastronomie ist noch gar kein Land in Sicht: Hier wird an einer Perspektive weitergearbeitet, steht im Beschlusspapier.
"Ausbalanciert" nennt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Beschlüsse. Inhaltlich stimmt das nicht: Die Beschlüsse geben der Vorsicht den klaren Vorzug vor der Perspektive. "Ausbalanciert" beschreibt das Dilemma der Politik, den Gesundheitsschutz der Bürger*innen zu gewährleisten, dabei aber nicht deren Zumutungstoleranz zu überschreiten. Ist das alles noch nötig - bei stetig sinkenden Infektionszahlen?
Das ist die Frage, die die Bundeskanzlerin heute Morgen beantworten muss in ihrer Regierungserklärung im Bundestag (ab 9 Uhr im ZDF-Programm und im Livestream bei ZDFheute). Es wird schwerer für sie. Dass sie gestern erst gar nicht mehr den Versuch unternahm, den Ministerpräsident*innen möglichst späte Schulöffnungen abzuringen, beweist das.
Und sie wird Feuer bekommen: Dass sie den Menschen Perspektiven vorenthält, dass sie beim europäische Impfdebakel keinerlei Selbstkritik zeigt, dass sie den Bundestag bei Beschlüssen übergeht. Letzten Sommer nannte Merkel das Virus eine "demokratische Zumutung". Sie hat es selbst in der Hand, die zu mildern.
Herzliche Grüße
Bettina Schausten, stellvertretende ZDF-Chefredakteurin
Die Ergebnisse des Corona-Gipfels
Das haben Bund und Länder beschlossen: Der Shutdown geht weiter. Die aktuell geltenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden grundsätzlich bis zum 7. März verlängert. Eine Ausnahme wurde für Friseurbetriebe vereinbart. Hoffnung gibt es auch für Kitas und Schulen. Hauptstadt-Korrespondentin Nicole Diekmann ordnet die Ergebnisse ein. Sehen Sie hier auch die Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel in voller Länge.
So wollen die Länder Schulen und Kitas öffnen: Über den Termin darf jedes Bundesland selbst entscheiden - ein Überblick.
Warum der Shutdown verlängert wurde: Die Inzidenz sinkt, doch die Corona-Beschränkungen werden trotzdem verlängert: Das sind die Gründe.
Corona-Beschränkungen im Amateursport: In den am Mittwochabend bekanntgegebenen Beschlüssen taucht der Sport in den ersten beiden Öffnungsschritten nicht auf.
Markus Söder nach dem Corona-Gipfel: Bayerns Ministerpräsident sieht in den Beschlüssen "wichtige Schritte". Dennoch ist er besorgt: "Die Lage ist besser, die Stimmung schwieriger", bilanziert Söder im ZDF.
Trotz sinkender Infektionszahlen fahren Bund und Länder weiter einen vorsichtigen Kurs in der Corona-Pandemie. Der Shutdown wird verlängert, doch im Bereich Schulen und Kitas gibt es Perspektiven.
Der Lockdown wird verlängert - aber es gibt Perspektiven.
Was heute noch wichtig ist
Extreme Kälte in Deutschland: Im gesamten Bundesgebiet liegen die Temperaturen derzeit im Minusbereich. Das heißt aber nicht, dass Bewegung an der frischen Luft unmöglich ist. Tipps, worauf man achten sollte.
Neue Konjunkturprognose der EU-Kommission: Mitten in der Corona-Krise stellt die EU-Kommission ihre jüngste Konjunkturprognose vor. Wegen der Pandemie war die Wirtschaftsleistung 2020 nach ersten Schätzungen in der Eurozone um 6,8 Prozent gesunken, in der Europäischen Union insgesamt um 6,4 Prozent. Es war der größte Einbruch in der Geschichte der EU.
Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland
In Deutschland gibt es 2.311.496 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 8.390 dazu. Insgesamt sind 63.988 Menschen gestorben. (Quelle: Risklayer)
Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.
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Zahl des Tages
58: Seit so vielen Tagen befindet sich Deutschland bereits im Shutdown. Das ist doppelt so lange, wie der erste Shutdown im Frühjahr 2020. Dieser dauerte vom 22. März bis zum 19. April 2020 (29 Tage). Der aktuelle begann am 16. Dezember.
Gesagt
Weitere Schlagzeilen
- Biden und Xi telefonieren: USA kritisieren Chinas Politik
- Impeachment-Ankläger: Trump war Oberanstifter
- Weniger Bierkonsum in Deutschland: Auch Brauereien werden vom zweiten Corona-Shutdown hart getroffen.
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So wird das Wetter heute
Am Donnerstag kann es von der Ostsee bis zum Erzgebirge zeitweise schneien. Der Schneefall am Alpenrand klingt ab. Sonst ist es teils heiter, teils wechselnd bewölkt. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus 9 und minus 1 Grad.
Zusammengestellt von Lukasz Galkowski
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