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Das Sterben der Friedhöfe

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Update am Morgen - Das Sterben der Friedhöfe

Datum:
Wulf Schmiese

Guten Morgen,

heute ist in sechs von 16 Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: Fronleichnam, ein Hochfest der Katholiken. Das althochdeutsche "fron" steht für Herr und "lichnam" für Leib.

Ohne Corona gäbe es jetzt Prozessionen in vielen Städten - vorweg ein Priester, der in goldener Monstranz eine Hostie hochhält, die er feierlich "Leib Christi" nennt. Weihevoll das Ganze, aber eigentlich fröhlich. Denn anders als der Name des Feiertags vermuten lässt, wird nicht des toten, sondern des lebendigen Jesus gedacht.

Trotzdem gehen nach so einer Prozession viele dann doch noch auf den Friedhof, an die Gräber ihrer Lieben. Da gießen sie die Blumen, zünden eine Kerze an, beten - oder sprechen einfach ein paar Worte zum Grabstein. So wollen sie ihren Verstorbenen nahe sein - seit Jahrhunderten ist das üblich in Deutschland, ob man nun gläubig ist oder nicht.

Grabsteine auf einem Friedhof
Grabsteine auf einem Friedhof: "Kulturarchiv, Stück Heimat, grüne Lunge"
Quelle: dpa

Doch vielen Friedhöfen droht selbst der Tod. "Familiengräber drohen auszusterben. Und mit ihnen alte Rituale, Traditionen, Gräberkult“, berichtet unsere Münchner Korrespondentin Barbara Lueg, die zu diesem Thema recherchiert und gedreht hat. Wir werden den Friedhof im thüringischen Ronneburg zeigen, auf dem es fast keine Erdbestattungen mehr gibt. Riesige Leerflächen sind zu sehen - und damit eine Entwicklung auf Friedhöfen in ganz Deutschland. Es werde bereits von einer "Friedhofsflucht" gesprochen, sagt Barbara Lueg, "denn die Gesellschaft ändert sich drastisch".

Die Generationen leben viel weiter getrennt voneinander als früher. "Man distanziert sich von der Familie, vom Herkunftsort, vielleicht auch von prägenden kulturellen Elementen. Und das hat dann eben Effekte auf dem Totenacker", erklärt es der Soziologe Thorsten Benkel von der Uni Passau. "Da ist dann das Grab der Großmutter in Hamburg, die Tochter wohnt in Berlin, der Sohn in München. Das ist eine Konstellation, die wir ganz oft sehen."

Für katholische Christen ist Fronleichnam ein sehr wichtiger Feiertag. Aber was genau wird da eigentlich gefeiert?

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So geht der Trend immer mehr zu alternativen Bestattungsformen - und die Asche ins Meer oder in Ruhewälder. Friedhöfe gehen buchstäblich leer aus, und es ist eine Frage der Zeit, bis das Geld fehlen wird, sie noch zu betreiben. "Dabei waren und sind sie doch mehr als nur eine Totenstätte", sagt unsere Autorin Barbara Lueg. "Sie sind Kulturarchiv, ein Stück Heimat, grüne Lunge."

Fronleichnamsprozessionen endeten oft auf Friedhöfen. So halfen sie, die alten Rituale zu bewahren. Heute wird das nichts wegen Corona. Aber man kann auch ohne Prozession zum Grab gehen, übrigens auch ohne Maske. Oder heute Abend sich das alles im "heute journal" anschauen.

Einen schönen Tag und viel Spaß beim Weiterlesen wünscht Ihnen

Dr. Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des "heute-journal"

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Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.

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Bei Protesten im Sport könnte sich etwas grundlegend ändern: Das Nationale Olympische Komitee der USA will sich dafür einsetzen, die umstrittene Regel zu ändern, dass sich Teilnehmer der Olympischen Spiele nicht politisch äußern dürfen. "Wir werden uns auch global für eine Veränderung einsetzen".

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Quelle: ZDF
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