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Das Gute zum Wochenende - Mehr Nachhaltigkeit im Kapitalmarkt

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ZDFheute Good News

Guten Morgen,

auch da tut sich etwas und das ist gut so, könnte man dieser Tage ausrufen, wenn Produzenten veganer Burger oder von Hafermilch plötzlich zu "Shootingstars" am Aktienmarkt werden. Und, wenn an der deutschen Börse der Dax (Deutscher Aktienindex) einen "grünen" Bruder namens Dax ESG zur Seite gestellt bekommt, bei dem der Name "ESG" quasi Programm ist, denn "E" steht für Environment (Umwelt), "S" steht für Social (Soziales) und "G" steht für Governance (gute Unternehmensführung). Die gelisteten Unternehmen müssen sich zu bestimmten Vorgaben verpflichten, z. B. weniger CO2-Ausstoß, Verzicht auf Kraftwerkskohle oder Produkte wie Tabak, Kernenergie und Waffen.

Das sind erste positive Ansätze auf einem Markt, der sich bisher schwertat mit dem Thema Nachhaltigkeit. Und auch, wenn bei manchem Unternehmen "Greenwashing" sicherlich ein Thema ist: Spätestens seit der Covid-19-Krise wurde Wertpapieranbietern und Investoren vor Augen geführt, wie wichtig der Aspekt von Grün, Sozial und Nachhaltigkeit bei vielen Menschen geworden ist.

Jüngst prophezeite die Deutsche Börsenzeitung, "grünen" Anlagen ein riesiges Wachstumspotential. Viele Experten sind davon überzeugt, dass diese Aspekte auf der Agenda bleiben und damit auch künftig weiterhin das Emissionsgeschehen an den Märkten bestimmen werden. Jetzt muss die Devise in der Finanz- und Industriewelt vor allem sein: "Practice what you preach!" Wer sich als grün oder sozial verkauft, muss das als Institution auch vorleben, sonst kann man die Kunden auf Dauer nicht überzeugen. Erste Beispiele gibt es bereits.

Geht grenzenloses Wachstum auf Dauer? Einige Unternehmen glauben das nicht mehr und steuern deshalb um. Sie wirtschaften mit Bedacht und Weitsicht – im Sinne ihrer Mitarbeiter und der Umwelt.

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30 min
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Und das gilt auch für Anbieter von entsprechenden Kapitalmarktprodukten. (Hier eine Orientierung welche Anlagen nachhaltig sind: Ethisch-ökologische Fonds: www.test.de, Nachhaltige Geldanlage: www.verbraucherzentrale.de, Grüne Fonds: www.geld-bewegt.de)

Aber mal ganz ehrlich, ein nachhaltiger Dax und ein paar "grüne" Fonds machen noch keinen ökologischen Wandel. Es braucht auch neue Denkweisen, andere Gradmesser, wie und wie gut unsere Wirtschaft laufen soll. Denn was helfen Kursverläufe im Sekundentakt und allabendliche Dax- und Dow Jones-Rekordmeldungen, während unsere Erde beinahe wöchentlich immer schlechtere Werte vorweist.

Das sind Relikte aus vergangenen wachstumsseligen Zeiten, als der US-Ökonom und Nobelpreis-Träger Milton Friedmann noch das "Wunder des Marktes" propagierte und versprach: "die unsichtbare Hand des Marktes sorge auf geniale Weise überall für eine perfekte Balance zwischen Angebot und Nachfrage und die soziale Verantwortung von Unternehmen bestehe einzig und allein in der Steigerung der Gewinne."

So schlicht wird die soziale Verantwortung von Unternehmen heute nicht mehr überall definiert. Längst zweifeln Wirtschaftswissenschaftler die klassischen Theorien der letzten Jahrzehnte an. Aktuell richtet die Universität Flensburg eine Juniorprofessur für "Plurale Ökonomik" ein, um in Management-Studiengängen u. a. auch ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Und auch der Ruf nach neuen Bewertungskriterien für Unternehmenserfolg und Wachstum wird lauter, bei dem der Profit eben nicht mehr bedingungslos an erster Stelle steht.

Jeder Euro, den wir auf der Bank liegen haben, wird von den Geldhäusern investiert: Umweltschutz und Menschenrechte spielen dabei gewöhnlich kaum eine Rolle. Doch es geht auch anders.

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Ein Vorschlag: nicht allein auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP), sondern zum Beispiel auf einen "Nationalen Wohlfahrtsindex" (NWI) zu schauen. Während das BIP die reine Wertschöpfung berücksichtigt, spielen beim NWI auch ökologische und soziale Komponenten eine Rolle, wie z. B. erneuerbare Ressourcen oder die Verteilung der Einkommen einer Gesellschaft. Was gerade diskutiert wird, hat schon 1968 Robert Kennedy gefordert:

The Gross National Product […] measures everything, in short, except that which makes life worthwhile
Robert Kennedy

Kurz gesagt: "Das Bruttosozialprodukts misst alles […], außer diejenigen Dinge, die das Leben lebenswert machen."

Es muss ja nicht das "Bruttonationalglück" sein, das der Himalaya-Staat Bhutan schon 1972 anstelle des Bruttoinlandsprodukts als neue Messgröße ausrief.  Ganz aktuell weisen einige Länder bereits neue Wege: Island, Neuseeland, Schottland, Wales und Finnland haben sich der "Wellbeing Economy Alliance" angeschlossen. Das ist die größte Bewegung von Organisationen und Regierungen, die sich für alternative Wirtschaftssysteme wie die Gemeinwohlökonomie einsetzen und nachhaltige Veränderungen planen. Und das sind mehr als nur zarte erste Ansätze.

Der niederländische Historiker Rutger Bregman, einer der jungen europäischen Denker, schrieb erst kürzlich:

Alles was Menschen geschaffen haben, kann auch durch Menschen verändert werden.

Vielen Dank für Ihre zahlreichen persönlichen guten Nachrichten in dieser Woche. Wie immer haben wir einige davon in unserem Good-News-Blog gesammelt. Schauen Sie auch dort gerne vorbei. Dort finden Sie neue Lösungsansätze, positive Entwicklungen und Meldungen über weitreichende Veränderungen in unserer Gesellschaft. Sie erreichen uns auch weiterhin unter der Mailadresse: zdfheute-feedback@zdf.de

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und und bleiben Sie gesund.  

Ihr Christian Dezer, Redaktionsleiter plan b  

Was noch gut war diese Woche

Ozeanien mit weniger Plastik: Mehr als 60 Unternehmen aus Australien, Neuseeland und den pazifischen Inseln haben sich darauf geeinigt, in den nächsten 4 Jahren drastisch Kunststoff einzusparen. An diesem Vorhaben beteiligen sich Umweltorganisationen, Supermarktketten und auch einige internationale Unternehmen wie Woolworths, Nestlé und Coca-Cola. Der ehrgeizige Plan sieht u. a. vor: sämtliche unnötigen Plastikverpackungen und -bestandteile zu eliminieren und neue Plastikverpackungen wiederzuverwerten oder kompostierbar zu machen. Das Abkommen ist das zweite seiner Art neben dem EU-Plastikpakt von 2020. 

Archiv: Angeschwemmter Plastikmüll verunreinigt den Strand, Weihnachstinsel, Australien
Angeschwemmter Plastikmüll verunreinigt auch Strände in der Region. (Archivbild)
Quelle: imago

Der Teufel ist zurück: Es ist eine Sensationsmeldung aus dem Tierreich: Der Tasmanische Teufel ist zurück. Zum ersten Mal seit ihrer Ausrottung vor 3.000 Jahren sind auf dem australischen Festland wieder Tasmanische Teufel in Freiheit geboren worden. Vor allem Dingos, australische Wildhunde, hatten dem kleinen Beuteltier mit dem dunklen Fell und kräftigen Kiefer das Leben schwer gemacht. Nur auf der vorgelagerten Insel Tasmanien, wo es keine Dingos gibt, überlebten die Tiere. Wie die Artenschutzorganisation Aussie Ark stolz berichtet, sind erstmals Jungtiere im Schutzgebiet Barrington Tops nördlich von Sydney geboren worden. Ranger fanden in den Beuteln der Weibchen insgesamt sieben junge Tasmanische Teufel – alle bei bester Gesundheit.

Zwei Tasmanische Teufel im Sonnenlicht sehen besonders niedlich aus
Zwei Tasmanische Teufel (Archivbild)
Quelle: fred adler

Pandemien vorbeugen: Städte in verschiedenen Ländern der Welt haben eine eigene, ziemlich charakteristische Zusammensetzung von Bakterien, Viren und anderen Mikroben. Ein internationales Forscherteam hat mikrobiellen Signaturen von 60 Städten weltweit untersucht. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Die Menschen kommen dort mit anderen Mikroben in Berührung als in ländlichen Gegenden. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Mikroben beeinflusse auch die Gesundheit, Bakteriengemeinschaften können dabei Hinweise zu Krankheitsausbrüchen liefern.

Der Studie zufolge können regelmäßige Untersuchungen der Bakteriengemeinschaften in Städten dabei helfen, Krankheitsausbrüche zu erkennen, problematische Arten zu überwachen und Risiken abzuschätzen. Dies wiederum ermögliche datengesteuerte, politische und medizinische Entscheidungen in Städten auf der ganzen Welt. Künftige Untersuchungen sollten aus diesem Grund nicht nur DNA-, sondern auch RNA-Viren einbeziehen, zu denen etwas Sars-CoV-2 gehört.

Ihre Portion Konstruktives am Wochenende

Für die Ohren: Bei "pitch", dem plan b Podcast, geht es in der neusten Folge um das Thema Blockchain. Wo kommt mein Kaffee her? Steckt in diesen Hackbällchen wirklich Rindfleisch? Wer hat unter welchen Bedingungen meine Jeans genäht? Und welchen CO2-Fußabdruck hat mein neues Smartphone? Unser Wunsch nach Transparenz und einem Konsum ohne Gewissensbisse ist groß. Doch mit der Globalisierung werden unsere Produkte immer komplexer, die Lieferketten sind selbst für Hersteller*innen oft schwer nachvollziehbar. Wie praktisch wäre da eine Technologie die Informationen fälschungssicher und nachvollziehbar speichert?

Für Antoni Hauptmann sind Blockchains die Lösung. Der Informatiker hat ein Unternehmen gegründet, das mit dieser Technologie Informationen über Lieferketten transparent und sicher macht. Pitch-Moderatorin Salwa Houmsi spricht mit ihm über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Blockchains. Denn das Potenzial reicht weit über Lieferketten hinaus.

Für die Doku-Fans: "Künstliche Intelligenz - wie kann sie unser Leben besser machen?" Das fragt die Doku-Reihe plan b in der aktuellen Folge und gibt Antworten. Dabei geht nicht darum, Emotionen, Zwischenmenschliches, Kunst und Kultur durch KI zu ersetzen, sondern sie mithilfe von Algorithmen womöglich sogar zu retten. Visionär*innen tüfteln schon lange an sinnvollen KI-Anwendungen: überschüssige Lebensmittel an Bedürftige verteilen, zerstörte Monumente wiederaufbauen, sicherer fahren oder versteckten Müll aufspüren. KI ist keine Science-Fiction, sondern lange Realität. KI kann heute schon das Leben verbessern, damit Mensch und Technik auch in Zukunft sinnvoll zusammenwirken können.

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Was diese Woche die Nachrichten sonst bestimmte

Wann können Jugendliche Corona-Impfungen erhalten?: Diese Frage beschäftigte am Donnerstag den Impfgipfel. Was haben Bund und Länder beschlossen? Die Ergebnisse des Impfgipfels haben wir in einem Überblick zusammengefasst. Am Freitag hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren freigegeben.

Shell muss nach Gerichtsurteil CO2-Emissionen verringern: Ein Gericht in Den Haag hat den Öl- und Erdgaskonzern Shell verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis 2030 deutlich zu senken. Das Urteil könnte zum Präzedenzfall werden und gilt als ein Erfolg für Klimaschützer.

Vonovia will die Deutsche Wohnen übernehmen: Aus der Megafusion würde ein "Wohnungsriese" hervorgehen. Viele Mieter fürchten nun höhere Preise bei ohnehin knappen Wohnraum. Ist die Sorge begründet? Dieser Frage geht Sina Mainitz nach.

Mega-Übernahme in der Filmbranche: Für 8,45 Milliarden Dollar kauft Amazon das traditionsreiche Hollywood-Studio MGM und stärkt sein Streaming-Portfolio. Sebastian Ehm aus dem ZDF-Studio in Washington erklärt, welcher langfristige Plan, der Hollywood von Grund auf verändern könnte, dahintersteckt.

Wenn Sie sich aktuell informieren möchten:

  • Alle Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus finden Sie unter diesem Link.
  • Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise lesen Sie jederzeit in unserem Liveblog.

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Zusammengestellt von Christian Dezer und Martin Krauß.

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