Update am Morgen: Grüne Abbruchkanten

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    Update am Morgen:Grüne Abbruchkanten

    von Ilka Brecht
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    Ilka Brecht

    Guten Morgen,

    Lützerath gilt als geräumt, die Kontroverse um Polizeigewalt aber geht weiter. Und nicht nur die. Bei den Grünen könnte der Kampf um das Kohledorf tiefe Risse hinterlassen. Anders ausgedrückt: Seit die eigene Grüne Jugend die Blockade gegen den Tagebau unterstützte, steht die Partei noch an einer ganz anderen Abbruchkante - einer Kluft zwischen Parteispitze und Parteibasis.
    Annähernd 3.000 Mitglieder haben inzwischen einen Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und seine NRW-Kollegin Mona Neubaur unterschrieben. Den "lieben Robert" und die "liebe Mona" mahnen sie, grüne Grundwerte nicht zu verraten. In Teilen der Klimabewegung, die in Lützerath vor Ort war, klingt Kritik inzwischen radikal: "Ich will bei den Grünen ganz klar unterscheiden zwischen der Basis und der Spitze. Und die Spitze muss abgesägt werden!", sagt ein vermummter Klimaaktivist im Interview mit frontal (heute Abend um 21 Uhr im ZDF).
    Nach der Großdemonstration in Lützerath gibt es viele Verletzte. Die Räumung des Geländes ist abgeschlossen. 16.01.2023 | 2:01 min
    Fest steht: Lützerath teilt die Grünen in zwei Lager. Die einen - meist an der Spitze der Partei und in der Regierung - betonen gern das Machbare und das Erreichte. Sie verweisen auf den Rechtsanspruch des Energiekonzerns RWE fürs Abbaggern und auf den politisch ausgehandelten Kompromiss, der einen um acht Jahre vorgezogenen Kohleausstieg im Rheinland vorsehe. Die anderen - meist an der Basis - finden den Kompromiss mehr als faul und sagen, es gehe um die grüne DNA, glaubwürdige Klimaschutzpartei zu sein. Die Ikone der Klimabewegung, Greta Thunberg, wirft den Grünen bereits "Heuchelei" vor.
    In einer Partei, in der sogenannte Fundis und Realos sich früher öffentlich zerlegten, könnte man die grünen Abbruchkanten rundum Lützerath auch als interne Streiterei abtun. Wolfgang Lucht, der für den Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung die deutschen CO2-Budgets berechnet, tut das nicht - im Gegenteil.
    Falls Gesellschaft und Politik es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz, so der Klimawissenschaftler gegenüber frontal, sollte man neu auf den Tisch bringen, ob man die Kohle unter Lützerath nicht doch im Boden lassen könnte. Sein Fazit: "Die am leichtesten vermiedenen Emissionen sind die, die man gar nicht erst verursacht."
    Einen guten Tag wünscht Ihnen
    Ilka Brecht, Moderatorin und Leiterin des ZDF-Magazins frontal

    Was im Ukraine-Krieg passiert ist

    Baerbock will Sondertribunal gegen Kreml: Die Außenministerin will die russische Führungsriege mit einem internationalen Sondertribunal für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zur Rechenschaft ziehen.
    USA verspricht "unerschütterliche" Unterstützung: Die stellvertretende US-Verteidigungsministerin Wendy Sherman ist nach Kiew gereist und habt sowohl den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als auch Verteidigungsminister Oleksij Resnikow getroffen, so das Außenministerium.
    Selenskyj fordert schnellere Waffenlieferungen: In seiner abendlichen Videoansprache hatte Selenskyj die Partner der Ukraine dazu aufgerufen, die Entscheidungsfindung über Waffenlieferungen zu beschleunigen. Der ukrainische Präsident verwies auf Großbritanniens Hilfszusage, der andere Länder folgen sollten.
    Putin erhebt Vorwürfe gegen Ukraine Der Kremlchef Wladimir Putin telefonierte mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und machte dabei Kiew für die jüngste Verschärfung der Kämpfe verantwortlich. Sie setze "mithilfe der westlichen Sponsoren" auf eine Intensivierung der Kämpfe. Es fehle an Verhandlungswillen.
    Unbekannte legen in Moskau Blumen für Opfer von Dnipro nieder Nach dem verheerenden Raketeneinschlag sind in der russischen Hauptstadt Blumen an einem Denkmal niedergelegt worden. Das Denkmal im Zentrum erinnert an die ukrainische Dichterin Lessja Ukrajinka. Dort war auch ein gerahmtes Foto des zerstörten Wohnhauses in Dnipro zu sehen.
    Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine.

    Was heute noch wichtig ist

    Wer folgt auf Christine Lambrecht? Eva Högl, Siemtje Möller, Wolfgang Schmidt - die Hauptstadt spekuliert, wer für die zurückgetretene Lambrecht ins SPD-geführte Verteidigungsministerium einzieht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will sich rasch entscheiden. Gut möglich, dass die Nachfolge bereits heute verkündet wird.
    Weltwirtschaftsforum in Davos beginnt: Fast 2.700 Menschen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutieren in den kommenden vier Tagen über die "Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt". Zum Auftakt sprechen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (11:15 Uhr) und der chinesische Vizepremier Liu He (11:45 Uhr). Am Nachmittag sind auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zu Gast.
    Wie teuer war 2022 wirklich? Das Statistische Bundesamt gibt heute die Inflationsrate für Dezember und das Gesamtjahr heraus.
    Aktuelle Corona-Zahlen und -Grafiken zur Situation in Ihrem Landkreis und zur allgemeinen Lage in Deutschland.

    Aufnahme des Tages

    Zum Jahreswechsel verzeichneten Hunderte Wetterstationen in ganz Europa die höchsten Tagestemperaturen aller Zeiten für die Monate Dezember beziehungsweise Januar. Das lässt sich sogar aus dem All beobachten - wie dieser Vergleich aus den Schweizer Alpen zeigt:

    Zahl des Tages

    Vorausgesetzt, Sie fahren Auto: Würden Sie die Führerschein-Prüfung heute noch einmal bestehen? Das gelingt in Deutschland immer weniger Fahrschüler*innen: 30 Prozent fallen mittlerweile durch die praktische Prüfung. Woran liegt das? Unser Kollege Oliver Klein hat nachgefragt - und ist auf mehr Regeln, mehr Verkehr und höhere Anforderungen bei der Führerschein-Prüfung gestoßen.

    Weitere Schlagzeilen

    Die Nachrichten im Video

    Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden27.02.2024 | 1:50 min
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    So wird das Wetter heute

    Am Dienstag gibt es wenige Schnee- und Regenschauer, oft ist es trocken und zeitweise sonnig. Zum späten Abend kommt neuer Schnee im Südwesten auf. Die Temperaturen erreichen maximal minus 1 bis 6 Grad.
    ZDFheuteWetter
    Quelle: ZDF

    Zusammengestellt von Kevin Schubert
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