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Update am Morgen - (K)eine Sache für Urgesteine

Datum:
Shakuntala Banerjee

Guten Morgen,

In Sachen lange Gipfelnächte macht Angela Merkel so schnell keiner was vor. Erbitterte Verhandlungen über griechische Rettungspakete, verblüffte Beratungen nach dem Brexit-Referendum, grundsätzliche Zerwürfnisse über Asyl- und Flüchtlingspolitik: Keines der großen Themen ging in den vergangenen Jahren ohne Drama durch den Rat der EU-Staats- und Regierungschefs. Sondergipfel und Nachtsitzungen, mit Einzeltreffen und Pendeldiplomatie auf Brüsseler Fluren wurden Normalfall. Und die Meisterin dieser Disziplin war in Brüssel unangefochten die deutsche Kanzlerin.

Legendär: ihr Durchhaltevermögen. Wenn Pressecorps und Amtskollegen müde über die Gänge schleichen, schlägt dem Vernehmen nach ihre Stunde. Dann geht noch eine Verhandlungsrunde unter vier oder mehr Augen, noch ein Anlauf für einen finalen Vorschlag - und irgendwie sitzt sie am Ende meist überraschend wach und vor allem mit Ergebnis vor Laptops, Mikrofonen und Kameras der Journalisten.

Natürlich ist Merkel nicht schlicht als Person da, sondern immer ausgestattet mit dem geballten Gewicht von Europas größter Wirtschaftsnation. Doch egal, wie weit die Position ihrer Amtskollegen von der deutschen entfernt ist: Als Urgestein des europäischen Verhandlungsparketts und als geschickte Vermittlerin auch in festgefahrenen Situationen genießt Merkel in Brüssel Respekt.

Angela Merkel beim Gipfel
Kanzlerin Angela Merkel
Quelle: -/EU/XinHua/dpa

Dass diese Fähigkeit ausgerechnet jetzt kaum hilft, muss bitter sein: Deutschland hält die Ratspräsidentschaft und trägt damit einen guten Teil der Verantwortung für den Ausgang des Gipfels.

Allerdings war schon im Vorfeld klar, dass es mehr braucht, als den ein oder anderen Kniff aus dem klassischen EU-Verhandlungsbaukasten. Die Pandemie hat das ohnehin schwer angeschlagene europäische Solidaritätsprinzip nicht wiederbelebt, sondern Differenzen und Misstrauen ans Licht gezerrt. Die aktuellen Vorschläge für den gemeinschaftlichen Weg aus der Krise rühren an Grundsätze, die manche Mitgliedstaaten auch in der Not nicht antasten wollen. Und in der Bugwelle des Krisenmanagements versinken Vorhaben wie die Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit mit finanziellen Druckmitteln.

Angela Merkel wird ihr Verhandlungsgeschick bis zum Jahresende noch öfter einsetzen müssen. Sie sitzt einer Runde vor, deren Auseinandersetzungen über die Zukunft der EU mit diesem Gipfel gerade mal Fahrt aufnehmen.

Einen schönen Tag und viel Spaß beim Weiterlesen wünscht Ihnen

Shakuntala Banerjee, stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin

Mehr zum EU-Gipfel

Tag vier in Brüssel: Der EU-Gipfel geht nochmal in die Verlängerung. Am Morgen wurde die Sitzung unterbrochen, ab 14 Uhr soll weiterverhandelt werden. Knackpunkt: Wie viel Geld aus dem Corona-Wiederaufbaufonds soll als Zuschuss gezahlt werden? Maximal 350 Milliarden Euro, fordern die Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland und Österreich. Vor allem Frankreich stemmt sich aber dagegen, unter 400 Milliarden Euro zu gehen.

Was heute noch wichtig ist

  • Gedenken an die Widerstandskämpfer: Am 20. Juli 1944 verübte eine Gruppe Offiziere unter der Führung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Hitler - und scheiterte. Mehr als 200 Menschen wurden danach hingerichtet. Heute erinnert die Bundesregierung an die Ermordeten des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Stauffenbergs Enkel Philipp von Schulthess hält eine Rede. Unsere Hauptstadt-Korrespondentin Kristina Hofmann hat mit ihm gesprochen.
  • Hart, härter, Brexit - diesmal wirklich! Nach dem britischen EU-Austritt hat sich kaum was geändert. Noch gilt die Übergangsphase. Am 1. Januar 2021 aber kommt der Bruch. Wie der genau aussieht, wird ab heute weiter verhandelt. Doch es wird wohl ein sehr harter Abschied, schreibt unser London-Korrespondent Andreas Stamm.
  • Nach den Krawallen in Frankfurt treffen sich am Vormittag Vertreter von Stadt und Polizei zu einer Sicherheitskonferenz. Polizeipräsident Gerhard Bereswill hält nach eigenen Worten eine mögliche Sperrung des Opernplatzes nicht für sinnvoll, die Probleme würden sich dann nur auf andere öffentliche Plätze verlagern.
  • Wirecard-Skandal: Die Obleute der Bundestagsfraktionen im Finanzausschuss beraten über eine mögliche Sondersitzung zum Skandal um den Dax-Konzern. Von der Opposition hieß es vorab, man sei sehr zuversichtlich, dass es zu einer Sondersitzung kommen werde. Es geht unter anderem darum, ob es Fehler bei der Finanzaufsicht gab, ob Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Verantwortung trägt und ob die Bundesregierung - das Kanzleramt eingeschlossen - womöglich Wirecard unterstützte, obwohl der Verdacht von Unregelmäßigkeiten bereits im Raum stand. Die Linke fordert bereits einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu Verhandlungen beim EU-Sondergipfel und zum Wirecard-Skandal

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7 min
Datum:

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Johns-Hopkins-Universität 202.735 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 390 dazu. Insgesamt sind 9.092 Menschen gestorben. (Stand: 20.7.2020 5:35 Uhr, Quelle: Johns-Hopkins-Universität)

Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.

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Zahl des Tages

12 - so viele Astronauten waren bisher auf dem Mond. Die ersten landeten heute vor 51 Jahren dort. Der bislang letzte betrat 1972 den Erdtrabanten.

Ein Lichtblick

Pakistan will berühmten Elefanten Kaavan in Schutzgebiet bringen

Wegen seiner schlechten Haltungsbedingungen in einem Zoo der pakistanischen Hauptstadt Islamabad erlangte ein Elefant namens Kaavan vor Jahren internationale Aufmerksamkeit. Jetzt soll der über 30 Jahre alte Elefant in ein Schutzgebiet in Kambodscha gebracht werden. Kaavan lebte mehr als drei Jahrzehnte lang unter schlechten Bedingungen, oft in Ketten, in einem kleinen Gehege im Marghazar-Zoo in Islamabad. 2015 wurde dies öffentlich bekannt. Seine Freiheit verdankt Kaavan auch einer vierjährigen Kampagne der US-amerikanischen Pop-Ikone Cher. Sie hatte für die Freilassung gekämpft, nachdem sie Bilder gesehen hatte, die das Tier allein und elendig in Ketten zeigten.

Gesagt

Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.
Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg

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Ausblick in die Woche

Was diese Woche ansteht

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Die Nachrichten im Video

Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

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So wird das Wetter heute

Am Montag ist es im Süden und im Nordseeumfeld sonniger und trocken. Sonst ist es wolkiger. Vom Sauerland bis zur Ostsee gibt es im Tagesverlauf immer wieder Schauer. Am Nachmittag entstehen im Osten Gewitter, die mit Sturmböen und Starkregen begleitet sein können. Die Höchstwerte liegen im Norden bei 18 bis 24 Grad, im Süden bei 24 bis 32 Grad.

Am Montag ist es im Süden und im Nordseeumfeld sonniger und trocken. Sonst ist es wolkiger. Vom Sauerland bis zur Ostsee gibt es im Tagesverlauf immer wieder Schauer. Am Nachmittag entstehen im Osten Gewitter, die mit Sturmböen und Starkregen begeleitet sein können. Die Höchstwerte liegen im Norden bei 18 bis 24 Grad, im Süden bei 24 bis 32 Grad.
Quelle: ZDF
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