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Interview

Telefonica- und Vodafonechefs - 5G: "Der Klebstoff, der alles zusammenhält"

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Die Erwartungen an den Mobilfunkstandard 5G sind riesig. Vom "Klebstoff, der alles zusammenhält", spricht O2-Chef Haas. Vodafone-Chef Ametsreiter sieht keine Gesundheitsrisiken.

Netzstruktur für 5G Ausbau
5G soll Produktion und Mobilität in Deutschland verändern.
Quelle: ZDF

Der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, und der Vorstandsvorsitzende der Telefónica Deutschland (O2), Markus Haas, äußern sich zum neuen Mobilfunkstandard 5G. Beide setzen große Erwartungen in die Technologie.

Markus Haas sieht 5G als Trägertechnologie für neue Formen der Produktion und Mobilität. Auch Hannes Ametsreiter hält große Stücke auf 5G. Bedenken wegen möglicher Gesundheitschäden hat er nicht.

Welche Vorteile hat der Mobilfunkstandard 5G und wie genau steht es um den Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland?

Beitragslänge:
2 min
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Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas zu 5G:

ZDFheute: Welches sind Anwendungen, die 5G zum Durchbruch verhelfen können?

Markus Haas: Also wir stehen am Anfang der 5G-Technologie. Wir haben ja derzeit Europameisterschaften, und wenn zum Beispiel ein Fußballstadion voll wäre und alle hätten 5G-Geräte, könnten alle gleichzeitig Fotos, Videos oder sonst was versenden.

Markus Haas
Der Vorstandsvorsitzende von Telefónica Deutschland, Markus Haas.
Quelle: ZDF

ZDFheute: Warum brauche ich als Privatnutzer 5G?

Haas: Heute verdoppeln sich ja die Datenverkehre in Mobilfunknetzen circa alle zwei Jahre. Das heißt, ich brauche eine effizientere Technologie. Auch um die Klimaziele zu erreichen, brauche ich eine Technik, die deutlich energieeffizienter ist als 3G oder 4G.

ZDFheute: Heute ist 5G nicht flächendeckend verfügbar. Wie schnell wird sich das ändern?

Haas: Wir werden 5G doppelt so schnell ausbauen wie LTE, also den Vorgängerstandard 4G. Das heißt, wir haben heute schon 60 Städte am Start. Wir werden zum Jahresende alle großen Städte in Deutschland mit 5G versorgen und werden bis 2025 5G flächendeckend verfügbar haben.

ZDFheute: Wie wird sich die Industrie, die Wirtschaft durch 5G wandeln?

Haas: Also wir gehen davon aus, dass sich zukünftig immer mehr Industrien auf unsere Technik verlassen werden. Das heißt selbstfahrende Busse auf Flughäfen, selbstfahrende Gepäcktrolleys in Campus-Netzwerken oder im produzierenden Gewerbe.

Das heißt 5G wird aus unserer Sicht irgendwann die Trägertechnologie sein, der Klebstoff, der alles zusammenhält, um Produktion und auch Mobilität in Deutschland zu ermöglichen.

Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter zu 5G:

ZDFheute: Bisher ist die Nutzung von 5G bei Privatleuten bescheiden. Wie ändert sich das?

Hannes Ametsreiter: Wir sehen jetzt schon eine große Dynamik. Der Privatkunde wird etwas davon haben, natürlich vor allem im Gaming-Bereich und in anderen Bereichen. Wir haben, wenn wir vergleichen mit dem letzten Jahr, eine Verfünfzigfachung des Datenvolumens auf 5G schon gesehen. Und das wird mit immer mehr Geräten und Anwendungen so weitergehen.

ZDFheute: Wo kann denn 5G ganz konkreten Mehrwert bieten?

Ametsreiter: Wir alle kennen diese Situationen, dass diese großen Übertragungswagen vor den Fußballstadien stehen. Wir haben jetzt eine Lösung geschaffen, dass wir das Ganze in einen Rucksack verpackt haben. Das Bild wird dann direkt von der Kamera in einen Schnittraum übertragen und das revolutioniert die Technik.

Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Archivbild
Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter.
Quelle: Federico Gambarini/dpa/Archivbild

ZDFheute: Welchen Nutzen kann man sich mit 5G auf dem Land vorstellen?

Ametsreiter: Ich glaube, dass viele Dinge sich erst entwickeln werden von Präzisions-Agrikultur mit funkgesteuerten Landmaschinen. Oder auch das autonome Fahren. Da spielt Latenzzeit, Reaktionsschnelligkeit des Netzes eine wesentliche Rolle. Und dann natürlich auch die ganzen Logistikprozesse, die ich viel besser vernetzen kann im 5G-Standard - ich kann eine Million Menschen oder Dinge pro Quadratkilometer vernetzen.

ZDFheute: Stichwort Medizin. Was ist da vorstellbar?

Ametsreiter: Ich glaube, hier stehen wir am Beginn dieser ganzen Entwicklung. Also die Möglichkeit, Telemedizin zu betreiben, heißt, dass ich nicht unbedingt den Arzt besuchen muss, sondern ich mache ein Foto oder ein Video, schicke das zu. Das ist eine Möglichkeit.

Eine zweite sind natürlich auch Teleoperationen. Das heißt, der Operateur ist Hunderte Kilometer entfernt und wir schaffen damit technisch neue Möglichkeiten.

Mit dem Rollout von 5G in Deutschland kommt eine neue Strahlungsquelle hinzu. Wie gefährlich ist sie?

Beitragslänge:
14 min
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ZDFheute: Stichwort Strahlung und Gesundheitsgefahren. Was sagen Sie zu den Bedenken gegenüber der neuen Technik?

Ametsreiter: Wir verwenden bestehende Mobilfunkantennen auch für 5G-Technologie, das heißt in vielen Bereichen gibt es hier keine zusätzlichen Antennen. Das kommt erst dann, wenn mehr Kapazität dort gebraucht wird. Wir funken auf einer Frequenz wie auch Auto, Assistenzsysteme oder anderes.

Das habe ich heute schon um mich. Und das wird auch in Zukunft da sein im Mobilfunk. Die Frequenz, das sind ähnliche Frequenzen wie zum Beispiel 700 Megahertz für 4G auch für 5G, das heißt, es ist nicht viel neu. Es gibt weltweit keine Studien, die seriös erstellt worden sind, die sagen würden, dass es einen negativen Impact hätte. Also das sehen wir nicht, und sind aber hier immer sehr offen, transparent und teilen alle Daten, die wir haben.

Die Interviews führte Sven-Hendrik Hahn.

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von Peter Welchering
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