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Was hinter der Boogaloo-Bewegung steckt

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Facebook löscht Accounts - Was hinter der Boogaloo-Bewegung steckt

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Facebook sperrt Hunderte Accounts der sogenannten Boogaloo-Bewegung. Dahinter steckt eine im Kern rechtsextreme Szene, die aber zum Teil mit Black Lives Matter marschiert. Warum?

Archiv, USA, Oklahoma, Tulsa: Mitglieder der Boogaloo beobachten eine Demonstration.
Wie hier in Tulsa, Oklahoma, nehmen Boogaloo-Anhänger vermehrt an US-Demonstrationen teil.
Quelle: ap

Sie tragen Hawaiihemden, hissen Fahnen mit Iglus - und wären die Mitglieder der sogenannten Boogaloo-Bewegung dabei nicht auch noch schwer bewaffnet, würde man sie auf den ersten Blick für Hippies halten. Vor allem während der US-Demos gegen die Corona-Beschränkungen und durch ihre Präsenz bei den Black-Lives-Matter-Protesten trat die Gruppierung zuletzt häufiger in Erscheinung - jetzt hat Facebook Hunderte Accounts, Gruppen und Seiten dieser Boogaloo-Bewegung aus den USA sperren lassen.

Nach Angaben des Unternehmens wurden 220 Facebook-Konten geschlossen sowie 95 Konten bei Instagram, das ebenfalls zum Konzern gehört. Auch seien 106 Onlinegruppen entfernt worden. Facebook begründete den Schritt in einem Blog-Eintrag unter anderem damit, dass die Gruppe "aktiv Gewalt gegen Zivilisten, Strafverfolgungs- und Regierungsbeamte und staatliche Institutionen" forciere und online Mitglieder rekrutiere.

Bereits Anfang Juni hatte die Plattform erste Maßnahmen gegen die Gruppierung getroffen und es erschwert, Boogaloo über die Suchfunktion zu finden.

Sie wollen dort erstmal keine Werbung mehr machen.

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Ursprung in der rechtsextremen Internet-Szene

Ihren Ursprung hat die Bewegung in der rechtsextremen Internet-Szene der USA. Als "Boogaloo" wurde zunächst in den Foren von 4chan ein zweiter Bürgerkrieg bezeichnet, auf den die Anhänger hinarbeiten. Sie machen Stimmung gegen den Staat, verbreiten mal gewaltverherrlichende mal rassistische Memes und sind vor allem extreme Waffen-Befürworter.

Unter Anhängern ist die Bewegung auch unter den scherzhaften Namen "big igloo" oder "big luau" bekannt, also "großes Iglu" oder "großes hawaiianisches Fest" - daher auch das Iglu-Symbol auf den Fahnen und die Hawaii-Hemden.

Zuletzt wurden vermehrt Gewalttaten mutmaßlicher Boogaloo-Anhänger bekannt. Einer von ihnen soll einen Sicherheitsbeamten in Oakland erschossen haben, drei andere sollen in Las Vegas versucht haben, Aktivisten bei Black Lives Matter bewusst zu Gewalt anzustacheln und die Demos zu unterwandern.

Der Fall George Floyd hat in den USA viele Proteste ausgelöst – so auch die "Concerned Citizens"-Bewegung, die ein neues Amerika fordert.

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Boogaloo breit aufgestellt, die Vorliebe für Waffen verbindet

Die Proteste der vergangenen Monate, sei es gegen die Corona-Maßnahmen oder gegen Rassismus, nahmen viele Boogaloo-Anhänger zunm Anlass, um Stimmung gegen staatliche Kräfte zu machen. "Dabei zeigt sich nur ein sehr kleiner Teil tatsächlich solidarisch mit Black Lives Matter", erklärt Extremismus-Experte Miro Dittrich von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Bewegung an sich sei mittlerweile sehr breit und heterogen. Was sie verbinde, sei ihre Vorliebe für Waffen.

Archiv, USA, Michigan, Detroit: Bewaffnete Männer von denen einer ein Schild mit der Aufschrift "The boogaloo stands with george floyd" protestieren in Detroit.
Szenen aus Detroit: Nur wenige aus der Boogaloo-Szene solidarisieren sich tatsächlich mit den Opfern rassistischer Gewalt. Ihnen geht es eher um Protest gegen Staatsorgane.
Quelle: Reuters

Vor allem im Zuge der Proteste der vergangenen Woche hätten sich die Memes der Bewegung aus der extrem rechten Blase herausbewegt und immer mehr libertäre Waffenfans in den USA angesprochen, beobachtet Dittrich. Aus einem Internetphänomen ist eine Bewegung auf der Straße geworden.

Weil die Boogaloo-Posts oft etwas Humoristisches haben, haben sie sich schnell verbreitet.
Miro Dittrich

Satire soll rechtsextremen Ursprung verschleiern

Diese humoristische Note wird von der Bewegung gezielt genutzt, nicht nur um so die Botschaften besser zu streuen - sondern auch um den rechtsextremen Ursprung der Bewegung zu kaschieren. Außerdem ist vielen Seiten-Betreibern etwa auf Facebook bewusst, dass Inhalte, die offen gewaltverherrlichend sind, eher gelöscht werden als solche, die sich selbst als "Satire" bezeichnen.

So ließen sich im Laufe des Mittwochs noch immer englischsprachige Boogaloo-Seiten finden, die zwar keinen Hehl daraus machen, wie sie zu Gewalt und Waffen stehen, sich selbst aber als "Satire"-Account bezeichnen. Auf einer der Seiten hieß es als Reaktion auf Facebooks Durchgreifen: "Heute gab es erneut eine Säuberung, trotzdem bin ich noch da. Ich erwarte es jeden Tag, aber vielleicht bin ich einfach zu klein, denn es sind weniger als 800 von euch." Letzteres bezog sich auf die Follower-Zahl des Kanals.

Mittlerweile können diese Seiten mit Namen wie "Boogaloo Ranch" oder "Boogaloo/k/ommand" nicht mehr aufgerufen werden.

Noch keine große Verbreitung in Deutschland

Manch einer fragt sich nun, ob die Bewegung mittlerweile auch nach Deutschland überschwappt. Miro Dittrich sieht hierzulande noch keine große Verbreitung.

Das liegt vor allem daran, dass wir eine andere Waffenkultur haben als die USA.
Miro Dittrich

Extremisten, die durch Gewalt eine neue Weltordnung und einen Bürgerkrieg anstreben, gebe es aber auch in Deutschland. Das habe man zuletzt am Auffliegen von Gruppierungen wie der "Gruppe S." oder "Revolution Chemnitz" gesehen.

Die Polizei konnte die mutmaßliche rechte Terrorgruppe rechtzeitig stoppen, weil ein Polizeiinformant aus dem Inneren der Gruppe über die Anschlagspläne berichtete.

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