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Breitband-Internet : Neustart für Deutschland gefordert

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Deutschland hängt beim Glasfaserausbau und im Breitband-Internet völlig hinterher. Auf der Konferenzmesse Angacom sorgen Vorschläge für eine neue Ausbaupolitik für Aufsehen.

Leerrohre für Glasfaserkabel
Mehr Breitband soll her für schnelles Internet.
Quelle: dpa

Schon die Keynote zur Eröffnung der Angacom am Dienstag hatte es in sich: Vodafone-Chef Dr. Hannes Ametsreiter hatte seinen Auftaktvortrag nämlich unter die Überschrift gestellt: "Reboot Germany - mehr Digitalisierung wagen".

Falsche Breitband-Politik beerdigen

Und diesen Slogan machten sich viele Konferenzredner zu eigen. Sie betonten, dass hierzulande ein Neustart der Breitband-Politik nötig sei.

In Deutschland nutzen nur fünf Prozent der Haushalte Glasfaser.
Johannes Pruchnow, Geschäftsführer der Gabo Systemtechnik GmbH

Das ist eine blamabel niedrige Quote. Und es kommt noch schlimmer: "Es ist mehr Glasfaser verlegt als angeschlossen", lautete eine weitere Diagnose des Breitband-Spezialisten Pruchnow.

Die Schuldfrage zu stellen, sei zwar müßig, so wurde immer wieder betont. Aber Theo Weirich, Geschäftsführer des norddeutschen Telekommunikationsanbieters Wilhelm-Net, griff dennoch zu drastischen Worten. "Wir City Carrier sind die Kinder eines unglaublichen Marktversagens." Als "City Carrier" bezeichnet man die Betreiber von Telefonnetzen, die auf eine bestimmte Stadtregion begrenzt sind.

Und dieses Versagen hat viele Väter, einige Mütter und sehr viele Gründe, die schnell beseitigt werden müssen, wenn der Standort Deutschland seine Konkurrenzfähigkeit nicht weiterhin einbüßen will. Ein Alarmsignal ging da vom Programm für europäisches Höchstleistungsrechnen aus.

Alarmsignal aus Brüssel

Das hat die EU-Kommission Anfang Mai vorgelegt. Das Budget beläuft sich auf acht Milliarden Euro. Dabei soll nicht nur die wissenschaftliche Rechenkapazität gestärkt werden und Europa als Supercomputerstandort so aufgebaut werden, dass es mit China und den USA mithalten kann.

Es geht auch darum, den mittelständischen Unternehmen Supercomputeranschluss zu verschaffen. Die ersten EU-Gelder gehen nach Finnland und Spanien, weil dort die Glasfaser-Infrastruktur stimmt. In Deutschland dagegen hapert es an allen Ecken und Enden. Und das hat Konsequenzen.

Heutzutage wird kein Produkt mehr marktreif, das nicht auf Höchstleistungsrechnern simuliert wurde. Medikamentenentwicklung zum Beispiel ist im Wesentlichen eine Rechenaufgabe. Proteine werden dabei in Aber-Millionen Differentialgleichungen designet.

Um Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz entwickeln zu können, brauchen die Entwickler etwa im Bereich neuronaler Netze für Mustererkennung Rechenkapazitäten für Trainingsdaten, bei denen der Inhalt von dreitausend Festplatten und mehr mit einem Schlag verarbeitet werden kann. Das Stichwort dafür aus Brüssel heißt: Supercomputerpower aus der Steckdose.

Ländlicher Raum hat Breitband-Nachholbedarf

Genau dafür braucht Deutschland mehr Breitband-Infrastruktur. Weil die großen Städte und Ballungsräume zudem überlaufen sind, soll der ländliche Raum auch durch dicke Datenleitungen attraktiver werden.

Hier geht es nicht nur um das Homeoffice auf dem Lande, sondern auch darum, dass der Supercomputer-Anschluss zum Mittelständler kommen muss, der seinen Sitz auf dem Land hat. Dafür fordern die Provider eine bessere Regulierung, insbesondere freien Zugang zu bereits verlegten Glasfasern.

Dadurch soll der sogenannte Überbau vermieden werden. Bei dem hat zum Beispiel ein lokaler Provider in einem Fördergebiet Glasfaser verlegt. Dafür hat er Steuergelder erhalten. Wenig später merkt ein großer Provider, dass hier die Nachfrage gestiegen ist und er in dem Gebiet gutes Geld verdienen kann. Dann verlegt der große Provider noch einmal Glasfaser.

Überbau verschlingt Millionen

Das soll geändert werden: Jeder Provider soll Zugang zur verlegten Infrastruktur bekommen. Aber im Gegenzug soll er sich verpflichten, ein bisher nicht versorgtes Gebiet anzuschließen. Provider sollen sich leichter zusammentun dürfen, um in einem bisher nicht versorgten Gebiet Glasfaser auszubauen.

Und die bereits verlegten Kabel der Kabelfernsehanbieter sollen sehr viel einfacher in die Glasfaserinfrastruktur eingebunden werden. "Wir müssen da jetzt in kurzer Zeit sehr deutliche Fortschritte machen", mahnt Wilhelm-Net-Geschäftsführer Theo Weirich.

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