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Google späht Anwender der Corona-Warn-App aus

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Studie des Trinity College - Google späht Anwender der Corona-Warn-App aus

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Über Dienste von Google Play werden Anwender von Corona Tracing Apps regelrecht ausspioniert. Irische Forscher haben das genauer untersucht.

Corona-Warn-App (Symbolbild)
"Sonst verlieren die Menschen ihr Vertrauen": Google späht Daten von Corona-Warn-App-Nutzern aus.
Quelle: Arne Dedert/dpa

Douglas Leith und Stephen Farrell vom Trinity College in Dublin äußern sich in ihrer Studie über die Privatsphäre bei Contact Tracing Apps äußerst vorsichtig. Kein Wunder: Das Thema ist emotional hochgekocht.

Dennoch lassen die beiden Wissenschaftler an ihrer Schlussfolgerung keinen Zweifel: "Die öffentliche Kontrolle muss auf das gesamte System des Contact Tracing ausgeweitet werden." Die Forscher fürchten: "Sonst verlieren die Menschen ihr Vertrauen." Oder drastischer formuliert: Die Regierungen müssen Google stärker an die Kandare nehmen.

Wie Google Daten von Tracing-App-Nutzern abgreift

Denn Google greift alle 20 Minuten IP-Adressen, Telefonnummern und Geräte-IMEI, Mail-Adressen und Nutzungsdaten des Smartphones auch von den Anwendern der Tracing Apps ab. Insbesondere Nutzungsdaten der Apps sind besonders sensibel, weil damit persönliche Profile erstellt werden können.

Nach Einschätzungen der Regierung ist die deutsche Corona-Warn-App die beste weltweit. Trotzdem gibt es noch Probleme.

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Angeschaut haben sich die Forscher die Contact Tracing Apps aus Deutschland, Italien, Österreich, Dänemark, Polen, Lettland, Irland, Spanien und der Schweiz. Den Apps, die im Auftrag der nationalen Gesundheitsbehörden entwickelt wurden, bescheinigen die Forscher, weitestgehend datenschutzkonform zu sein.

Deutsche Corona-Warn-App schneidet gut ab

Viel Lob gibt es dabei für die Corona-Warn-App, die von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt wurde, also den sogenannten Client. Der Austausch der Kontakt-IDs und die Warnung nach einer Positiv-Testung erfolgen nach dem Urteil der Forscher datenschutzfreundlich.

Doch dann kommt der Riesentadel: Und der bezieht sich auf die Google Play Services. Das ist eine Sammlung von Schnittstellen und Hintergrunddiensten, unter anderem für den Datenaustausch. Diese Dienste von Google Play müssen bei der Corona-Warn-App laufen, weil darüber auf die Bluetooth-Schnittstellen zugegriffen wird.

Nur wenn diese Dienste laufen, kann die Corona-Warn-App Kontakt-IDs mit anderen Smartphones austauschen, auf denen die App auch läuft. Der App-Nutzer kann die Play Services also nicht einfach ausschalten. Dann wäre seine App blind.

Google Play fragt personenbezogene Daten ab

Nutzt der Anwender die Corona-Warn-App, sind auch die Google Play Services aktiv und fragen seine personenbezogenen Daten ab. Die Forscher des Trinity College fühlten sich deshalb in einem moralischen Zwiespalt.

Denn für eine effektive Unterbrechung der Infektionsketten beim Coronavirus sind die Tracing Apps sehr wertvoll. Die Veröffentlichung ihrer Untersuchungen, wie weitgehend Google auch die Anwender der Tracing Apps ausspäht, könnte Menschen davon abhalten, solche Apps anzuwenden. Denn sie wollen ihre Privatsphäre schützen.

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Regierungen müssen dringend handeln

Die Forscher weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die weitgehenden Ausspähaktionen von Google durch die Installation einer Firewall und entsprechender Schutzsoftware zumindest eingeschränkt werden können. Allerdings fühlen sich viele Smartphone-Besitzer davon überfordert.

Langfristig aber muss eine Kontrolle der öffentlichen Hand in den europäischen Staaten greifen, die eine Tracing App herausgebracht haben. Letztlich dürfen die Regierungen Google diese Ausspähaktionen in Zusammenhang mit einer von ihnen entwickelten Warn App nicht gestatten.

Ergänzung am 27.07.2020: Google hat sich zu der Berichterstattung geäußert. Das Statement von Sprecher Ralf Bremer:

"In Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen zum Datenschutz für die Exposure Notification API erhält Google aus der Corona-Warn-App keine Informationen über den Endnutzer, Standortdaten oder Informationen über andere Geräte, in deren Nähe sich der Nutzer befindet. Über den Gerätekonfigurationsdienst von Android dagegen werden Daten erhoben. Jegliche Geräte (nicht nur Android) benötigen diese Informationen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und Menschen und Systeme vor Angriffen schützen."

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