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Mobiler Infektionsschutz - 1,5 Millionen durch Corona-App alarmiert

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Im Juni 2020 ging die Warn-App an den Start, mit zunächst mäßiger Nutzung und viel Kritik. Das hat sich zum Teil geändert, sagen ihre Macher auf dem Chaos Communication Congress.

Die Corona-Warn-App mit einem Corona-Testergebnis auf einem Smartphone
Seit ihrem Start Mitte Juni wurde die Warn App 24 Millionen Mal heruntergeladen.
Quelle: dpa

Die Corona-Warn-App ist eines der sehr prominenten Themen auf dem virtuellen Chaos Communication Congress 2020. Denn die Hacker sind stolz auf ihre Leistungen rund um die Anwendung. Und die Zahlen können sich auch sehen lassen: Die App wurde bisher knapp 24 Millionen Mal heruntergeladen.

Laut Kanzleramtschef Helge Braun sind bereits 1,5 Millionen Menschen durch die Warn App alarmiert worden. Und:

Täglich warnen 2.600 Neuinfizierte per App ihre Mitmenschen.
Lars Roemheld, Experte für KI

Roemheld ist aktuell Experte für KI im Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums, in seinem Talk am ersten Kongresstag.

Verbesserungen durch Hacker-Community

Dass die Bundesregierung von ihrem ursprünglichen zentralen Ansatz bei der Speicherung der Daten für die Kontaktnachverfolgung per App abrückte und sich damit das dezentrale Speichermodell durchsetzen konnte, ist sicherlich den massiven Einwendungen der Experten und Nerds zu verdanken.

Kanzleramtschef Helge Braun bei einer Präsentation der Corona-Warn-App.

Kanzleramtschef -
Braun: Corona-App hilft uns sehr
 

Kanzleramtschef Braun lobt die Corona-Warn-App. Diese habe geholfen, 1,5 Millionen Menschen vor einer Infektion zu warnen. Auch funktioniere sie besser als asiatische Konkurrenten.

Auch dass die Entwicklung der Warn App dann in einem Open-Source-Prozess mündete, wäre ohne das Eingreifen der Hacker Community wohl nicht passiert. "Wir haben Apple, Google und die Regierung in einen konstruktiven Prozess gebracht", lobt Lars Roemheld.

Die Entscheidung für die Bluetooth-Schnittstelle von Apple und Google hat auch die Darmstädter IT-Sicherheitsforscherin Jiska Classen in ihrem Talk noch einmal ausdrücklich begrüßt. "Bluetooth ist die richtige Wahl, und es ist vor allen Dingen sicher", erklärt Classen.

Cluster-Funktion könnte zeitgleich Hunderte warnen

"Ein Projekt der Cyber-Bundesregierung", begeistert sich Lars Roemheld und wünscht sich noch mehr Apps von Regierungsseite. Die Corona-Warn-App kann da nach seinem Dafürhalten ein gutes Beispiel sein.

Noch auf keinen Chaos Communication Congress seit 1986 sind so viele Regierungsvertreter zu Wort gekommen wie bei diesem virtuellen Congress in Sachen Corona-Warn-App. Immerhin sind dabei auch die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten ein sehr ausführliches Thema.

So wünschen sich viele eine Cluster-Erkennung als zusätzliche Option, etwa bei einer Veranstaltung. Damit würden dann nicht nur die einzelnen Kontakt-Codes zwischen den Smartphones ausgetauscht, sondern auch eine Art Identifizierungscode der Veranstaltung abgespeichert. Über diesen Identifizierungscode und einen Alarmcode könnten dann die Besucher der Veranstaltung zeitgleich gewarnt werden, wenn es nach der Veranstaltung zu einem Infektionsgeschehen gekommen ist.

Die Länder setzen im Kampf gegen das Coronavirus auch auf eine Weiterentwicklung der staatlichen Warn-App. In den kommenden Wochen soll es weitere Updates geben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Disclaimer statt offener Diskussion

Auch über eine bessere Anbindung der Test-Laboratorien wurde auf dem virtuellen Kongress diskutiert und darüber, dass aktuelle Informationen zum Infektionsverlauf in die App eingearbeitet werden sollten.

Einige Kongressteilnehmer stellten ihren Diskussionsbeiträgen und Verbesserungsvorschlägen zur Corona-Warn-App eine Art Disclaimer voran. Es handele sich um bloße Vorschläge, nicht um Kritik an der App oder gar um Streit um die App.

Corona-Leugner haben Open-Source-Kultur beschädigt

Solche Vorbemerkungen waren vor der Pandemie bei Diskussionen über Software-Entwicklung im Open-Source-Prozess unüblich. Jetzt werden sie damit begründet, dass man sich vor einer Skandalisierung der eigenen konstruktiven Kritik an der App durch Medien und entschiedene App-Gegner sowie Corona-Leugner schützen müsse.

Corona-Warn-App

Datenschutzbeauftragter -
Kelber: Debatte um Corona-App zu aufgeladen
 

Bundesdatenschutzbeaufragter Kelber findet die Kritik an der Corona-App überzogen. Trotzdem, sagt er zu ZDFheute, müsse der Bund nachbessern. Etwa bei der Anbindung der Labore.

Aber man wolle damit auch vorbeugen, dass man wegen eines Verbesserungsvorschlags oder einer differenzierten Kritik gleich harsche Wort bis hin zu Beleidigungen aus dem "Lager der harten App-Fraktion" bekomme. Die Debattenkultur sei da nachhaltig beschädigt worden.

Sogar von einer gewissen "Engführung der Diskussion" in Sachen Corona-Warn-App ist die Rede. Neben viel offiziellem Lob für die Corona-Warn-App sind auf dem Kongress also auch einige skeptische Einstellungen zu vernehmen. Und bei den Skeptikern hofft man darauf, dass die Debatte um die Corona-Warn-App wieder entkrampfter und offener geführt werden könne.

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