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Corona-App: Ein Drama in vier Akten

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App-Geschichte - Corona-App: Ein Drama in vier Akten

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Die deutsche Corona-App ist nun online. Doch Fehlplanungen, unklare Vorstellungen über die App-Funktionen und unglückliche Kommunikation ließen den Weg dahin schwierig werden.

So soll die Corona-Warn-App auf dem Handy aussehen.
Die neue Corona-Warn-App auf dem Handy.
Quelle: dpa

Der erste Akt: Moderne Apps für moderne Bundesminister

Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 11. März 2020 soeben die Covid-19-Krankheit zur Pandemie erklärt, da forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Einsatz moderner digitaler Mittel und Methoden. Man brauche "technische Mittel", mit denen "Kontaktpersonen von erkrankten Personen" ermittelt werden können.

Mittlerweile ist es acht Wochen her, dass Gesundheitsminister Spahn eine Tracing App im Kampf gegen die Corona-Pandemie versprochen hat. Bis Ostern sollte sie kommen. Eigentlich.

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Datenschützer und Journalisten wurden auf das Thema aufmerksam. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Lothar Wieler, schätzt am 17. März 2020 die Auswertung von Bewegungsdaten bei der Kontaktnachverfolgung als sinnvoll ein. Die in Südkoreas eingesetzten Überwachungstechniken wurden diskutiert.

Und am Wochenende des 21. und 22. März hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium: Man wolle Standortdaten von Smartphones auswerten, um Kontaktpersonen von Infizierten und deren Bewegungen zu ermitteln. Die Aufregung war groß. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, bezeichnet derartige Pläne als problematisch.

Der zweite Akt: Die ultimative Lösung

Nachdem in der letzten März-Woche Pläne für Corona-Apps wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, soll es jetzt praktisch werden. Eine Plattform von mehr als 130 Mitgliedern aus Wissenschaft und Unternehmen, die sich etwas umständlich Pan European Privacy Preserving Proximity Tracing nennt, abgekürzt PEPP-PT, stellt Anfang April ein Konzept zur Nachverfolgung von Kontakten von infizierten Menschen vor. Die Bundeswehr beteiligt sich an entsprechenden Feldtest. Das PEPP-PT-Konzept wird schnell zum Standardmodell erklärt.

Ab heute sollen Nutzer freiwillig die Corona-App herunterladen können. Besteht ein Infektions-Risiko, gibt sie Alarm. ZDFheute erklärt, wie die App funktioniert.

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Der dritte Akt: Streit unter Entwicklern

Am 20. April warnen 300 Wissenschaftler aus dem IT-Bereich in einem offenen Brief davor, dass die zentrale Tracing-App von PEPP-PT die Privatsphäre der Bürger verletze. Ein Streit unter Entwicklern eskaliert. An den Technischen Hochschulen Lausanne und Zürich arbeiten Wissenschaftler an einer dezentralen Lösung.

Smartphones tauschen Kontaktmeldungen untereinander aus. Im Falle einer Positiv-Testung wird die Liste mit den Handy-Codes des positiv Getesteten auf diesen Server hochgeladen. Und alle Smartphones vergleichen diese Handy-Codes mit ihren Kontakt-Codes, die sie auf dem Smartphone gespeichert haben. Die Bundesregierung zeigt sich mehrheitlich offen für die Lösung, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will bei der zentralen PEPP-PT-Lösung bleiben.

Der vierte Akt: Dezentralität

Sieben Tage später gibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem Druck nach. Die Bundesregierung entscheidet sich für den dezentralen Ansatz bei der Corona-Warn-App. Die Deutsche Telekom und die SAP AG werden mit der App-Entwicklung beauftragt. Die bereits bestehende dezentral arbeitende App des Österreichischen Roten Kreuzes wird von der Bundesregierung ignoriert. Für die Entwicklungskosten werden 20 Millionen Euro bereitgestellt. Am Pfingstwochenende wird der Programmcode veröffentlicht. IT-Experten finden noch Fehler. Einige werden beseitigt. Die App wird am 16. Juni vorgestellt.

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