ZDFheute

Diese Falschmeldungen kursieren zum Impfstoff

Sie sind hier:

Coronavirus - Diese Falschmeldungen kursieren zum Impfstoff

Datum:

Wann es einen Corona-Impfstoff geben wird, ist unklar. Doch noch vor der Zulassung werden viele Falschmeldungen zu einem möglichen Serum verbreitet. Fünf Behauptungen im Check.

Je zügiger ein Impfstoff gefunden ist, desto schneller wird die Pandemie vorüber sein. Doch es drohen Verteilungskämpfe - und Produktionskapazitäten sind knapp.

Beitragslänge:
9 min
Datum:

In der vergangenen Woche ist in Deutschland die erste klinische Studie eines möglichen Corona-Impfstoffs angelaufen. Das machte das Ende der Krise greifbarer. Denn Politik und Wissenschaft haben unmissverständlich deutlich gemacht: Eine Rückkehr zur Normalität ist erst dann möglich, wenn ein Corona-Impfstoff gefunden ist.

Wie lange es noch dauert, bis tatsächlich gegen Sars-Cov-2 geimpft werden kann, ist unklar. Doch bereits jetzt wird im Netz gegen ein mögliches Serum mobil gemacht. Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, Trolle: Sie alle säen Zweifel an einem möglichen Medikament - und stellen Behauptungen auf, die wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Ein Computermodell des Coronavirus

Nachrichten | In eigener Sache -
Jetzt das ZDFheute Update abonnieren
 

Sie wollen morgens und abends ein praktisches Update zur aktuellen Lage? Dann abonnieren Sie unser ZDFheute Update.

Behauptung 1: Im Rahmen einer Corona-Impfstudie ist in Großbritannien bereits jemand gestorben.

Fakt: Diese Falschinformation wird unter anderem in Foren und Telegramm-Gruppen von Impfgegnern verbreitet und geteilt. Demzufolge soll eine Mikrobiologin gestorben sein, nachdem ihr in Großbritannien bei einem Test der Impfstoff injiziert wurde. Doch die mutmaßliche Tote, Elisa Granato, lebt. Auf Twitter meldet sie sich zu Wort und schrieb: "Mir geht es gut, bitte teilt den besagten Artikel nicht".

Behauptung 2: Mit der Impfdosis bekommt jeder einen Chip unter die Haut, der mit jedem Smartphone ausgelesen werden kann.

Fakt: Diese Verschwörungstheorie macht unter anderem auf Facebook und Twitter die Runde - und vermischt verschiedene Informationen zu einer kruden Geschichte. Auch wenn tatsächlich daran geforscht wird, wie Digitalisierung bei Impfungen eingesetzt werden kann, um etwa frühzeitig gewarnt zu werden, wann der Schutz ausläuft: Von Mikrochips oder anderen Objekten, die Menschen implantiert werden, ist keine Rede. Das erklärte etwa Kevin McHugh, der zur Digitalisierung von Impfungen forscht, der Nachrichtenagentur Reuters.

Gleichzeitig gibt es keine Pläne, eine mögliche Technologie zur Digitalisierung von Impfungen bei Corona einzusetzen.

Behauptung 3: Die Impfung macht keinen Sinn, weil das Coronavirus sich ständig verändert.

Klaus Cichutek, audgenommen am 17.04.2020
Klaus Cichutek ist Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, das für die Prüfung des Corona-Impfstoffs in Deutschland zuständig ist.
Quelle: epa

Fakt: Diese Theorie vertritt unter anderem Mediziner Sucharid Bhakdi, der bekannt dafür ist, die Gefahr durch das Coronavirus herunterzuspielen. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, erklärt im Interview mit ZDFheute: "Diese Darstellung ist nach dem bisherigen Wissensstand falsch." Die Befürchtungen, das neuartige Virus könnte stark mutieren, hat sich Cichutek zufolge bislang nicht bestätigt. "Nach allem was wir wissen, ist Sars-Cov-2 genetisch relativ stabil."

Und auch wenn das Virus mutieren sollte, bedeute es nicht, dass eine Impfung nicht mehr in der Breite wirkt.

Es ist so, dass Impfstoffe im Allgemeinen eine breitere Immunantwort haben als nur gegen exakt die Variante, gegen die sie benutzt werden.
Klaus Cichutek
Screenshot: Dr. Wolfgang Wodarg

Fehlinformationen zu Corona -
Wodarg, Bhakdi und Co. im Check
 

Mediziner wie Wolfgang Wodarg oder Sucharit Bhakdi halten die Corona-Krise für Panikmache. Im Netz erhalten sie viel Zuspruch. Was sind ihre Thesen? Und was sind die Fakten?

von K. Belousova, J. Schneider, N. Metzger

Behauptung 4: Zum Teil wissen nicht einmal Ärzte, wie der Impfstoff zusammengesetzt ist. Die Pharmaindustrien machen keine Angaben über die Inhaltsstoffe.

Fakt: Diese Mutmaßung wird unter anderem in einer Petition geäußert, die "gesetzliche Zwangsimpfungen" gegen das Coronavirus verhindern will. Sie stimmt jedoch nicht. Bei Entwicklungen von Impfstoffen sei ersichtlich, was die Inhalte sind, erklärt Cichutek, zum Beispiel in Packungsbeilagen.

Die Angaben finden sich dann auch in der Fach- und Gebrauchsinformation, wo man sich orientieren kann.
Klaus Cichutek

Zudem würden wissenschaftliche Prüfstellen wie das Paul-Ehrlich-Institut die Impfstoffe sowohl während der Entwicklung als auch nach der Zulassung dahingehend prüfen.

Die Tests würden trotz hohen Zeitdrucks mit "derselben Sorgfalt wie auch bei allen anderen Impfstoffen" durchgeführt, so Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Behauptung 5: Eine "erleichterte Zulassung" sorgt dafür, dass "verheerende" Nebenwirkungen zu spät zum Vorschein kommen.

Fakt: So etwas wie eine erleichterte Zulassung gebe es nicht, sagt Cichutek, nur eine beschleunigte Zulassung. Denn der Impfstoff müsse immer noch alle Kriterien für eine Zulassung erfüllen.

Bei den Impfstoffen muss der Nutzen weit überwiegen relativ zu den Risiken. Das heißt: Wir akzeptieren grundsätzlich vorübergehende kleine Beeinträchtigungen, die durch das Anspringen des Immunsystems gegeben sind, aber keine Schäden, die durch einen Impfstoff gesetzt würden.
Klaus Cichutek

Dass ein Impfstoff schneller verfügbar ist als sonst, könnte etwa dadurch bewirkt werden, dass es mehr Personal für die Bewertung des Impfstoffs gibt und Antragsprozesse organisatorisch schneller ablaufen - die inhaltliche Bewertung aber dieselbe bleibt.

Das Feindbild Bill Gates

Oft ist bei diesen Theorien auch vom Strippenzieher und Profiteur Bill Gates die Rede, der sich an einem Impfstoff bereichern will - oder höchstpersönlich dafür verantwortlich ist, dass Menschen Chips implantiert werden. Hier können Sie lesen, warum solche Anschuldigungen nicht haltbar sind:

Coronavirus und Gates-Stiftung -
Warum Bill Gates kein Corona-Verschwörer ist
 

Bill Gates verdient in der Corona-Krise keine Milliarden mit Impfstoffen. ZDFheuteCheck erklärt, wie seine Stiftung tatsächlich arbeitet.

von Nils Metzger
Videolänge:
1 min

Fazit

Für all diese Behauptungen gibt es keinerlei Belege. Es handelt sich um eine Mischung aus Falschmeldungen, Verdrehungen von Tatsachen und unsachlichen Argumenten, die von Impfgegnern immer wieder hervorgebracht werden und wurden - zum Teil bereits vor der Corona-Krise.

Sie interessieren sich für weitere Faktenchecks zur Corona-Krise? Auf unserer Themenseite finden Sie unsere aktuellsten Berichte.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Reisende mit ihrem Gepäck am Flughafen Nürnberg am 01.08.2020

Reisende aus Risikogebieten -
Wie soll die Testpflicht funktionieren?
 

Ab Samstag herrscht in Deutschland eine Testpflicht für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten. Doch wo kann ich mich testen lassen - und wer zahlt? Alles Wichtige im …

Ein Lufthansa-Jet in der Luft

Zahlen für zweites Quartal -
Lufthansa und der Flug ins Ungewisse
 

Die mittlerweile staatlich gestützte Lufthansa hat auch das zweite Quartal mit einem Milliardenverlust …

von Stephanie Barrett
Videolänge:
4 min
Lufthansa streicht Stellen in der Verwaltung. Archivbild

Nachrichten | heute -
Milliarden-Verluste für Lufthansa
 

Die neuen Quartalszahlen der Lufthansa sind verheerend: Das Coronavirus hat der Fluggesellschaft Verluste in …

von Dominik Lessmeister
Videolänge:
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.