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Internationale Studie : Wie Fakenews über Corona den Menschen schaden

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Kuh-Urin gegen Corona? Solche Falschinformationen kursieren im Netz, eine Studie hat sie gezählt und spricht von einer "Infodemie". Manche Ratschläge haben gar zum Tod geführt.

Computertaste mit der Aufschrift Fake News
Fake-News zum Corona-Virus verbreiten sich im Internet - doch einige Ratschläge können lebensgefährlich sein.
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Kamel-Urin, Methanol oder Sesamöl gegen das Coronavirus - im Netz blühen Falschinformationen zur Pandemie. Ein weltweites Team hat mehr als 2.300 Gerüchte, Verschwörungsmythen und stigmatisierende Inhalte zum Corona-Virus gesammelt und ausgewertet.

Die "Infodemie"-Studie ist am Montag im "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene" erschienen. Forschende aus Australien, Japan, Bangladesch und Thailand haben Daten aus 87 Ländern in 25 Sprachen zwischen Dezember 2019 und April 2020 zusammengetragen.

[Auch ZDFheuteCheck hat FakeNews über das Corona-Virus gesammelt und widerlegt. Diesen und weitere Faktenchecks finden Sie auf unserer Themenseite.]

Gerüchte:

Die meisten Aussagen waren mit 89 Prozent Gerüchte. Manche davon klingen zunächst harmlos, wie die Falschbehauptung, der Verzehr von Knoblauch schütze vor einer Ansteckung mit dem Virus. Andere lassen einen Scherz vermuten, wie das Detail, dass Kamel-Urin - mit einer Limette - die Krankheit heilen könne.

Doch wer daran glaubt und Schutzmaßnahmen deshalb nicht beachtet oder bei Symptomen keine Hilfe im Krankenhaus sucht, kann sich und andere in Gefahr bringen:

Falschinformationen (...) können potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gemeinschaft haben, wenn sie evidenzbasierten Richtlinien vorgezogen werden.
Forschende in der Studie, Seite 1

Wieder andere Gerüchte haben Menschen bereits das Leben gekostet. So sind rund 800 Menschen gestorben, nachdem sie Methanol getrunken haben. Eine Falschnachricht lautete, dass der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol den Körper von innen desinfiziere. 60 von ihnen sind laut Studie erblindet.

Verschwörungsmythen:

Verschwörungsmythen machten 7,8 Prozent der Aussagen aus. Darunter etwa die Falschbehauptung, das Virus sei eine Biowaffe und im Labor hergestellt - Wissenschaftler gehen dagegen von einem natürlichen Ursprung aus. Oder der Vorwurf, es sei ein Mittel, um die Bevölkerungsgröße zu kontrollieren. Hinter all dem steckt die Annahme, dass es bestimmte geheime Mächte gäbe, die die Pandemie steuerten.

Stigmatisierungen:

Diskriminierung und Stigmatisierung wurden in 3,5 Prozent der Aussagen gefunden. Besonders asiatisch gelesene Menschen waren davon betroffen, es gibt zahlreiche Berichte, wonach sie beschimpft, bedroht oder angegriffen wurden.

Auch medizinisches Personal war Opfer von Diskriminierung, online wie offline. Ein Arzt etwa berichtete, dass er aufgrund seiner Arbeit seine Wohnung verloren hat und zunächst im Krankenhaus unterkommen musste.

Infizierte oder Menschen, die glaubten, sie seien mit dem Coronavirus infiziert, waren ebenfalls von Diskriminierung betroffen. Ein Mann in Indien brachte sich gar um, weil er glaubte, infiziert zu sein, schreiben die Forschenden.

Klare Empfehlung: richtig und fundiert informieren

Die Forschenden empfehlen, dass Regierungen und Behörden richtige und wissenschaftlich fundierte Informationen liefern und somit gute Krisen-Kommunikation betreiben.

Die Weltgesundheitsorganisation etwa widerlegt auf einer eigenen Webseite solche Gerüchte und Falschnachrichten. Auch sie sprach früh von einer "Infodemie".

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Was in den Daten fehlt: die WhatsApp-Familiengruppen

Die "Infodemie"-Studie hat nur öffentliche Daten gesammelt. All die Gerüchte und Falschinformationen, die im Privaten oder in Messenger-Diensten ausgetauscht werden, bleiben außen vor. Allerdings ist aufgrund der Masse an Daten anzunehmen, dass auch einige Inhalte, die in Familiengruppen auf WhatsApp oder in Kanälen auf Telegram landen, in die Studie eingeflossen sind.

Die Forschenden schreiben, sie haben Twitter und Facebook, Online-Nachrichten und Webseiten von Fernsehsendern, aber auch Behörden- und Regierungs-Webseiten sowie FactChecking-Seiten benutzt, um an die Daten zu kommen. Nach welcher Systematik sie dabei vorgegangen sind, wird jedoch nicht ganz klar.

Ohnehin sind vermutlich noch viel mehr Mythen, Gerüchte und Falschnachrichten im Umlauf, als die Forschenden sammeln konnten. Die Studie zeigt aber, dass die "Infodemie" im Netz zum Teil gefährliche Auswirkungen auf Menschen haben kann.

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