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Esoterik-Kongress zur Corona-Krise

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"Meditation mit Lungenkraut" - Esoterik-Kongress zur Corona-Krise

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Bei einem Online-Kongress sprechen prominente Esoteriker zu Corona, darunter Impfkritiker und Schamanen. Sie versprechen "Wege aus der Krise", doch einige verbreiten Fake News.

Das Coronavirus unter dem Mikroskop
Das Coronavirus unter einem Miskroskop - manche zweifeln dessen Existenz an.
Quelle: reuters

Hans Tolzin hat eine teure Wette am Laufen. Auf seiner Webseite behauptet er: "Es gibt keinen Beweis für ein krankheitsverursachendes Coronavirus". Wer ihm das Gegenteil beweise, wiederholt Tolzin auf dem "Coronavirus Onlinekongress", wer ihm "echte wissenschaftliche Beweise" liefere, der bekomme von ihm 100.000 Euro. Tolzin ist einer von fast 40 Sprechern auf der Online-Tagung. Sein Video trägt den Titel "Es gibt keine Viren".

Fast eine Stunde lang breitet Tolzin darin seine Thesen zu Impfungen und Viren aus. Er ist ein bekannter Impfgegner aus Baden-Württemberg und betreibt eine Webseite, auf der er Faltblätter gegen den "Corona-Wahnsinn" verkauft und die Masern-Impfpflicht kritisiert. Auf eine ZDFheute-Anfrage reagiert er nicht. Interviewt wird Tolzin von den beiden Veranstaltern des Kongresses - die eine ist selbst ernannte Mayapriesterin, der andere Unternehmer.

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Videolänge:
2 min

"Krisenangebot" für 79 Euro

Die beiden versprechen auf ihrer Webseite zum Kongress "unzensierte Informationen über das Coronavirus und die Krise". Für ihre Online-Tagung haben sie Video-Interviews mit Heilpraktikern, selbst ernannten Schamanen, Astrologen und "echten Experten" geführt, die sie im März und April veröffentlichten.

Wer sich ein Konto angelegt hat, kann ein Video nach Erscheinen 24 Stunden lang kostenlos ansehen. Wer es später anschauen, herunterladen oder an einem der Seminare teilnehmen will, muss zahlen. Das Gesamtpaket kostet, als "Krisenangebot", statt knapp 2.000 Euro nur 79 Euro. Einen überteuerten Preis anzugeben, um den tatsächlichen wie ein Schnäppchen aussehen zu lassen, ist eine typische Verkaufstaktik.

Die Mär vom "Tiefen Staat"

Neben dem Impfgegner Tolzin kommt auch Jan Walter zu Wort, der als Investigativjournalist vorgestellt wird. Er spricht davon, dass "das offizielle Narrativ" zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht stimme. Das Coronavirus sei eine "Scheinpandemie", "höchstens eine harmlose Grippe" und vom "Tiefen Staat getriggert" worden, um eine "totalitäre Weltordnung" herzustellen.

Die Mär vom Tiefen Staat ist ein Klassiker unter den Verschwörungsheorien, wonach dunkle und böse Mächte heimlich die Welt regierten. Auch Walter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auf seiner Webseite bewirbt er ein Buch, in dem die Heilung - mindestens aber die sichere Vorbeugung - von Krebs versprochen wird. Außerdem ist er Autor von Artikeln mit zweifelhaften Aussagen wie "Atemschutzmasken sind toxische Glyphosat-Bomben!!!".

In ihrem Gespräch widersprechen die Veranstalter Jan Walter nicht. Lediglich ein Kongress-Teilnehmer kommentiert unter dem Video: "Eine Stunde lang werden Behauptungen aufgestellt, welche vielleicht richtig sind oder auch nicht, da keine zuverlässigen Belege, Quellenangaben, gebracht werden."

"Reale Welt zur Illusion erklärt"

"Bei dem Kongress kommt das Who-is-Who der esoterischen Szene zusammen", sagt der Buchautor und Esoterik-Experte Johannes Fischler. Er kennt viele Sprecher von seinen Recherchen. Es wundert ihn nicht, dass beim Coronavirus das Geraune von angeblich geheimen Mächten einsetzt. "Esoterik bietet in Krisen-Situationen Lösungen an", sagt Fischler. "Das hat mit Irrationalität zu tun. Die reale Welt wird zur Illusion erklärt. Nur Eingeweihten und Insidern wird eine höhere Wirklichkeit angeboten."

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Beitragslänge:
5 min
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"Wirklich seltsame Experten"

Nicht alle Sprecher auf dem Kongress sind so schrill unterwegs. Die studierte Biologin Heidi Brunner bietet eine "Meditation mit dem Lungenkraut" an. Die Pflanze soll die "Lunge unterstützen, wenn sie an Husten erkrankt" oder entzündet ist, sagt sie mit ruhiger Stimme. Sogar "bereits geschädigtes Lungengewebe" könne wieder regeneriert werden. Angesichts der Lungenerkrankung, die das Coronavirus hervorruft, könnte Brunners "Pflanzenheilreise" jedoch an ein Mittel gegen Covid-19 denken lassen. Das, betont die WHO, gibt es derzeit noch nicht.

Hiermit konfrontiert, fühlt sich Brunner missverstanden: "Mit Meditationen oder pflanzenschamanischer Arbeit kann man durchaus auch etwas bewirken - selbstverständlich darf der Begriff Heilung damit aber nicht in Zusammenhang gebracht werden." Sie bereue, an dem Kongress teilgenommen zu haben. Da seien "wirklich seltsame Experten dabei" gewesen.

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Mit Esoterik wird in Deutschland sehr viel Geld verdient. 15 bis 20 Millionen Euro pro Jahr, so schätzt Fischler, werden etwa mit Seminaren, Ernährungs- und Sportangeboten oder Büchern umgesetzt. "Esoterik ist auch gleich Marketing", sagt Fischler.

Das scheinen auch die Tagungs-Sprecher zu beherrschen. Unter ihren Interviews sind ihre Webseiten verlinkt, auf denen sie Seminare anbieten oder Produkte bewerben. Tolzin, der Mann mit der teuren Wette, verkauft DVDs, Bücher und Plakate. Seine Behauptung scheint ihm aber doch nicht ganz geheuer zu sein. Unter der Wette bittet er um finanzielle Unterstützung - denn 100.000 Euro, die könne er kurzfristig gar nicht aufbringen.

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