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Wie Kriminelle Corona-Soforthilfen ergaunern

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"Digitaler Bankraub des Jahres“" - Wie Kriminelle Corona-Soforthilfen ergaunern

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Über ein mehrstufiges Verfahren haben Kriminelle Corona-Soforthilfen erbeutet. Sie verabredeten sich im Deep Web und etablierten eine arbeitsteilige Untergrundökonomie.

Kriminelle kassieren Corona-Hilfen

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Der Betrug bei Corona-Soforthilfen in Nordrhein-Westfalen, bei denen Fake-Webseiten benutzt wurden, hat seinen Ursprung auf Untergrund-Marktplätzen im Deep Web. Das zeigen Recherchen von Frontal21.

In geschützten Chaträumen diskutieren Cyberkriminelle ihre Betrugsmaschen und verabreden sich, um gemeinsam möglichst viel Geld aus Mitteln der Corona-Soforthilfe auf ihre Konten umzuleiten.

Wie der Betrug mit den Corona-Soforthilfen abläuft

Ein User war bereit mit Frontal21 über das Vorgehen zu sprechen, anonym in einem verschlüsselten Chat, aber mit Belegen, die zu der Masche passen. Der User nennt sich Fillingtempel und schreibt über sich: "Ich arbeite gewissermaßen hauptberuflich als Betrüger und das seit Jahren."

Im Chat erklärt User Fillingtempel, wie der Betrug mit den Corona-Soforthilfen ablief: "Also, die Daten für die Soforthilfen werden über eine Fake-Seite abgefasst, quasi eine Seite, die aussieht als ob man da Soforthilfe beantragt. Dort werden empfindliche Privat- und Firmendaten abgefangen, dann wird mit denselben Daten aber eben einer anderen IBAN der Antrag bei der richtigen Behörde gestellt."

Mehrstufiges Geldwäsche-System etabliert

Er spricht von "dem digitalen Bankraub des Jahres" und stellt ein Chatprotokoll zwischen ihm und dem angeblichen Betreiber der Fake-Webseite zur Verfügung. Dort schreibt ein unbekannter User, mutmaßlich der Betreiber der Fake-Seite am 2. April 2020 – sieben Tage bevor die Betrugsmasche auffiel: "Überweisungen ab 8.000 Euro, Name des Empfängers egal, 1,4 Mio. Payments da." Und weiter:

Ich kipp dich mit Geld zu, das glaubst du nicht.
Mutmaßlicher Betreiber der Fake-Seite

Fillingtempel selber habe als Geldwäscher agiert: "Ich bin nur ein Mittelsmann. Ich kaufe ein Bankkonto, was jemand anders über jemanden anderen eröffnet hat, dahin gehen die Corona-Hilfen. Ich selbst wasche diese über drei bis vier andere Konten, wechsle sie in Bitcoin." Diese Bitcoins landen nach weiteren Transfers als Guthaben auf einer anonymen Sim-Karte bei ihm.

Arbeitsteilige Untergrundökonomie festgestellt

Die Fake-Seite, über die Daten abgefischt wurden, ist mittlerweile von der Polizei gesperrt. Da die Ermittlungen noch laufen, könne man keine Auskunft zum Verfahren geben.

Der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW), Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, bestätigt im Gespräch mit Frontal21, dass es oft eine arbeitsteilige Untergrundökonomie gebe:

"Bestimmte Fachrichtungen spezialisieren sich auf das Entwickeln von Schadsoftware, die nächsten auf das Anbieten von Bankkonten, über die Zahlungen geschleust werden. Die dritten haben besondere Fachkenntnisse der Webseiten-Programmierung und über Marktplätze im Internet, finden dann diese unterschiedlichen Spezialisierungen zusammen und ermöglichen damit vielfach auch erst eine professionelle Tatbeteiligung."

"Gewöhnliche Kriminelle" gewinnen ungeahnte Möglichkeiten

Diese Arbeitsteilung erschwere die Ermittlungen: "Das sind, um es etwas überspitzt zu sagen, gewöhnliche Kriminelle, die sich nun dieser Untergrundökonomie bedienen und damit Möglichkeiten gewinnen, die sie selber gar nicht hätten."

Wie viele Geschädigte es bei den Corona-Soforthilfen tatsächlich sind, werden die Ermittlungen der nächsten Wochen zeigen. Bis zu 4.000 Anträge seien betroffen.

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