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Programmcode der Corona-App - Ein Quellcode ohne "Überraschungen"

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Es gibt viele Sicherheitsbedenken zur geplanten Corona-App. SAP und Telekom haben jetzt den Programmcode veröffentlicht. Der Informatiker Henning Tillmann hat ihn sich angeschaut.

Ein Mann mit Smartphone
Millionen Menschen sollen die Corona-App einmal nutzen. Wie steht es um die Sicherheit?
Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

ZDFheute: Der eigentlich Quellcode ist auf der Plattform Github hinterlegt. Sie haben sich nicht nur den Quellcode angeschaut, sondern die Tracing-App auf Ihrem iPhone installiert. Läuft die denn schon richtig?

Henning Tillmann: Ich habe einen vorläufigen Eindruck bekommen, was den Quellcode angeht. Die App selbst ist noch nicht lauffähig. Das liegt daran, dass die App ja auf die Bluetooth-Schnittstelle zugreift. Und da geben Apple und Google nur bestimmten autorisierten Entwicklern der Tracing-App, die das im Regierungsauftrag machen, überhaupt die Erlaubnis, diese Schnittstellen anzusteuern.

Ich habe die App zwar kompiliert, aber ohne Zugriff auf die Bluetooth-Schnittstellen. Die entsprechenden Teile musste ich vorher rausnehmen. Aber so läuft eben die Benutzeroberfläche auf meinem iPhone. Und da konnte ich mir einen ersten Eindruck verschaffen, wie sich das für den Anwender der Tracing-App darstellt und anfühlt.

ZDFheute: Und wie ist so der erste Eindruck?

Tillmann: Ohne Überraschungen. Eine ganz gelungene Benutzeroberfläche, die sogar ganz ansprechend aussieht. Aber auf meinem iPhone läuft eben nur die Benutzeroberfläche, nicht die ganze Tracing-App. Die kann nur von SAP und der Telekom kompiliert, also lauffähig gemacht werden.

ZDFheute: Welche Daten die App dann erhebt, wie sie die verarbeitet und wohin sie die schickt, das lässt sich ja nach einem Blick auf die Benutzeroberfläche nicht sagen.

Tillmann: Das verrät die Benutzeroberfläche natürlich nicht. Aber da hilft ein Blick auf den veröffentlichten Quellcode weiter. Und da habe ich beim ersten Sichten keine Tracker gefunden.

Und auch die verwendeten Programmbibliotheken verraten nichts Ungewöhnliches. Die Progammierschnittstellen für Bluetooth haben Apple und Google ja bereits veröffentlicht. Die sind normal eingebunden. Da hat der Quellcode keine Überraschungen an den Tag gebracht.

ZDFheute: Die App sollte ja bereits im April fertig sein. Das hat sich ja alles hingezogen. Lag das nur an der Datenschutz-Debatte?

Tillmann: Die Fertigstellung der App hat sich verzögert, eindeutig. Und das lag auch an der Diskussion über ein transparentes Modell für diese App. Da ging es ja um die Frage, an welcher Stelle und wie ein zentraler Server ins Spiel kommt. Das führte dann zu der Diskussion nach einer zentralen oder dezentralen Lösung. Bei dieser Diskussion ging es auch um Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Hier wirft ein Einsatz eines zentralen Servers immer einige Frage auf.

Es war aber auch eine Frage der Praktikabilität. Apple und Google haben bei ihrer Schnittstelle nun mal auf Dezentralität gesetzt. Dann noch an einer zentralen Lösung festzuhalten, wäre nicht effektiv gewesen. Zu dieser Erkenntnis hätten die Verantwortlichen allerdings schon so zwei bis drei Wochen eher kommen können, als sie es getan haben.

Das Interview führte Peter Welchering.

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