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Datensammelwut der Tech-Konzerne - Apple, Google - Datenschutz?

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Alle viereinhalb Minuten sendet unser Smartphone Daten an Apple und Google, sagt eine Studie. Unklar ist, wozu. Google steht wegen eines Tracking-Codes gar eine Klage ins Haus.

Ein junger Mann sitzt in einer S-Bahn und benutzt dabei sein Smartphone.
Studie: Über Smartphones werden unbemerkt Daten verschickt
Quelle: dpa

Der Österreicher Max Schrems ist Datenschützern bekannt, seit er vor einigen Jahren gegen die Datensammelei von Facebook klagte. Nun zerrt seine Organisation den Tech-Giganten Google vor die französische Datenschutzbehörde CNIL. Google soll auf Smartphones mit seinem Betriebssystem Android den Tracking-Code AAID installiert haben – geheim, ohne Zustimmung der Nutzer.

Damit verknüpft Google Informationen aus Apps mit dem Google-Profil der Nutzer, um gezielter Werbung platzieren zu können. Vor dieser Gefahr warnt auch eine aktuelle Studie des Trinity College in Dublin. Die Forscher fanden außerdem heraus: Google- und Apple-Apps senden sogar Daten, wenn sie noch nie geöffnet wurden. 

Studie soll zeigen, was bei der Handy-Nutzung im Hintergrund passiert

Douglas Leith, Professor für Computerwissenschaft, leitete die Studie. Er konnte messen,

  • dass die Smartphones die Telefonnummer beim ersten Einlegen der SIM-Card an die Betreiber senden
  • und dann alle 4,5 Minuten weiter technische Messdaten senden.
  • Google sendet dabei laut der Studie täglich ein rund zwanzig Mal größeres Datenpaket als Apple.

Leith glaubt, dass die Studie dabei hilft, herauszufinden, was in Smartphones wirklich alles passiert.

Es gibt so viel Tracking, das wir gar nicht bemerken.
Computer-Wissenschaftsprofessor Douglas Leith

Er sagt: "Ich finde, wir sollten alle besser verstehen, wofür diese Daten gesammelt werden."

Google rechtfertigt Datensammeln

Google erklärte auf Nachfrage von ZDFheute, die Daten seien für eine optimale Funktion der Handys wichtig. Eigenen Messungen zufolge sei der Unterschied beim Umfang der gesendeten Daten im Vergleich zu Apple kleiner als in der Studie angegeben. Google-Geräte seien unterschiedlicher als iPhones, daher müssten mehr Daten gesendet werden.

Außerdem sagt Google, das Senden der Telefonnummer an den Konzern sei für die Wiederherstellung des Google-Accounts und für besondere Apps notwendig. Man könne das Smartphone aber auch ohne einen Google-Account verwenden, betont der Tech-Konzern. Apple antwortete auf unsere Anfrage nicht.

Kontroverse um MAC-Adressen

Neben dem Datensammeln wirft die Studie des Trinity Colleges zudem die lange Diskussion um eindeutige Gerätenummern wieder auf - die sogenannten MAC-Adressen. Diese entstünden beim Erkennen eines WLAN-Netzwerkes, sagt Hendrik vom Lehn von der Stiftung Datenschutz. Das Problem daran: Anhand dieser Nummern könnte man erkennen, wer sich wann wo aufhält, so die Studie.

Die Apps von Google, Apple, Facebook und Amazon auf einem Smartphone
Welche Daten sammeln Handys?
Quelle: Imago

Apple schreibt in der Datenschutzerklärung, dass ein iPhone die Gerätenummern von allen Handys, Computern und WLAN-Hotspots um sich herum sammelt - aber nur, wenn die Ortungsdienste eingeschaltet sind. Wenn das Netz mal schwach sei, etwa in einem großen Einkaufszentrum, könne der Konzern das Handy so über die WLAN-Netze in der Umgebung orten.

Die Studie des Trinity Colleges zeigt jedoch: iPhones sammeln alle Geräteadressen im Umkreis. Auch, wenn die Ortungsfunktion ausgeschaltet ist. Ob Google Smartphones diese genauso weitergeben, konnte die Studie zumindest nicht ausschließen.

Studienautor mahnt Apple und Google

"Die wirkliche Verbesserung der Situation kann nur von Apple und Google selbst kommen, so dass man klar bestimmten Datentransfers widersprechen kann", meint Studienautor Leith. "Ich möchte die Kontrolle darüber haben, was mein Handy im Hintergrund kommuniziert."

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