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Digitale Selbstverteidigung - Verschlüsselungs-Revolution bei Thunderbird

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E-Mail-Verschlüsselung klingt nach Geheimdiensten und Hackern. Doch das Mail-Programm Thunderbird macht das Verschlüsseln ab jetzt unkomplizierter.

Mozilla Thunderbird Logo
Das E-Mail-Programm Mozilla Thunderbird.
Quelle: ZDF

Haben Sie schon einmal eine E-Mail verschlüsselt? Vermutlich lautet die Antwort: Nein. Das Verschlüsseln von Mails war lange Zeit ein Nischenphänomen.

Das könnte sich jetzt ändern. Das wichtigste nicht-kommerzielle Mailprogramm Thunderbird hat den Zugang zu dieser Technologie radikal vereinfacht.

Thunderbird zur Mail-Verschlüsselung

Thunderbird ist ein kleines Wunder-Werkzeug: Sie teilen dem E-Mail-Programm einmal Ihre Mailadresse und Ihr Passwort mit. Ab dann können Sie E-Mails bequem auf dem eigenen Rechner lesen und versenden.

Bei Ihrem E-Mail-Anbieter fallen deutlich weniger Nutzungsdaten über Sie an. Das Programm ist ein Kern-Element im Werkzeugkasten der digitalen Selbstverteidigung.

Eingebaute Verschlüsselung

Schon lange konnte man mithilfe von Thunderbird auch Mails verschlüsseln. Bei dieser Technologie verwandelt das Programm eine E-Mail auf Ihrem Rechner in einen unverständlichen Zeichensalat. Erst das Ziel-Gerät, also der Rechner Ihres Gegenübers, kann die Mail wieder lesbar machen.

Lange Zeit musste man umständlich ein externes Programm installieren: eine Thunderbird-Programmerweiterung namens Enigmail. Das ist mittlerweile anders. In der vor Kurzem freigeschalteten Softwareversion 78.2 hat Thunderbird die Verschlüsselung als Kernfunktion eingebaut.

Seitdem lässt sich die Mailverschlüsselung in weniger als einer Minute direkt im Mailprogramm einrichten. Das Verschlüsseln und Entschlüsseln von Mails erledigt Thunderbird dann nahtlos im Hintergrund.

Orientierung an Firefox

Entwickelt hat die neue Funktion ein Team um den Frankfurter Software-Entwickler Kai Engert, ein Angestellter des Thunderbird-Teams. Thunderbird gehört organisatorisch zur US-amerikanischen Mozilla-Stiftung, die auch den populären Internetbrowser Firefox betreibt.

Angestoßen wurde die Veränderung durch Entwicklungen bei Firefox, erklärt Engert im Gespräch mit ZDFheute: "Thunderbird basiert in großen Teilen auf dem Quellcode von Firefox. Firefox hat vor einigen Jahren den Umgang mit Programmerweiterungen verändert. Deswegen war klar, dass auch einige Erweiterungen des Mailprogramms Thunderbird nicht mehr wie bisher funktionieren werden und umgeschrieben werden müssen."

Bisher hatte der Züricher Entwickler Patrick Brunschwig die Enigmail-Erweiterung in ehrenamtlicher Arbeit betreut. Er hatte jedoch signalisiert, dass er keine Ressourcen hat, die Enigmail-Software aufwendig umzuschreiben. "Deswegen haben wir beschlossen, die Verschlüsselungsfunktion zusammen mit Brunschwig einfach direkt als Kernfunktion in Thunderbird einzubauen", so Engert.

Von der Nischen- zur Massentechnologie?

Aktuell findet Mail-Verschlüsselung nur in Nischen Anwendung. Ein Grund für die niedrige Verbreitung sei bisher schlicht das komplizierte Prozedere beim Einrichten gewesen, so Engert: "Es waren mehrere aktive Schritte nötig, um überhaupt loszulegen."

Unabhängig davon sei das Verschlüsseln von Mails aber generell mit einem gewissen Aufwand verbunden. So sei es beispielsweise nicht möglich, auf verschlüsselte Mails einfach so von verschiedenen Computern aus zuzugreifen.

Neue Software-Version macht Thunderbird leichter verfügbar

Und dann falle natürlich auch ins Gewicht, dass es bisher schlicht zu wenige potenzielle Kommunikationspartner gibt, die ebenfalls Mails verschlüsseln.

Laut einer Statistik hatte die Enigmail-Erweiterung, über die die Thunderbird-Verschlüsselung lange Zeit lief, nur etwa 100.000 tägliche Nutzerinnen und Nutzer, der größte Teil davon übrigens aus dem deutschsprachigen Raum.

Nicht alle Probleme ließen sich lösen, so Engert. Allerdings entfalle zumindest eine wichtige Hürde. Mit der neuen Software-Version werde E-Mail-Verschlüsselung für alle Nutzerinnen und Nutzer von Thunderbird deutlich leichter verfügbar. Von der Funktion sei man ab jetzt nur noch "wenige Klicks entfernt".

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