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Interview

Soziale Netzwerke - "Facebook steht unter enormem Druck"

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Die Vorwürfe gegen Facebook reißen nicht ab. Die Plattform könnte auch Corona-Falschinformationen zugelassen haben. Ist der Druck groß genug für Konsequenzen?

Das Logo von Facebook schimmert durch eine Brille auf einer Computer-Tastatur
Facebook steht in der Kritik
Quelle: picture alliance / NurPhoto

ZDFheute: Generalstaatsanwälte aus 14 US-Bundesstaaten wollen von Facebook wissen, ob die Hauptverbreiter von Impf-Desinformationen von einer Sonderbehandlung profitiert haben. Sie haben einen Brief an Konzernchef Mark Zuckerberg geschickt. Glauben sie, er wird antworten?

Darrell West: Ich denke, die Generalstaatsanwälte werden eine Antwort bekommen.

Facebook steht gerade unter enormem politischen Druck.
Darrell West, Vizepräsident Brookings Institute

Die Leute beschuldigen sie, Desinformation über den Impfstoff verbreitet zu haben, und die Leute erwarten, dass das Unternehmen viel bessere Arbeit leistet als im Laufe des letzten Jahres.

ZDFheute: Manche sprechen nach den Enthüllungen von Whistleblowerin Frances Haugen bereits von dem "großen Tabak-Moment" für Facebook. Sie glauben, Facebook muss sich jetzt seiner Verantwortung stellen und stärkere Regulierung zulassen - wie vor vielen Jahren die Tabakindustrie. Ist da was dran?

West: Es ist alleine deshalb schon ein wichtiger Moment für Facebook, weil die Öffentlichkeit aufmerksam geworden und nicht zufrieden ist, mit dem, was sie sieht. Den Gesetzgebern gefällt nicht, wie Facebook damit umgegangen ist, und die Aufsichtsbehörden beginnen auch, das Unternehmen zu untersuchen. Sie stehen also wirklich an vielen verschiedenen Fronten unter Druck.

Sechs Stunden ging für Milliarden Kunden lang nichts bei Facebook, WhatsApp und Instagram. Und: Im Senat wirft eine Whistleblowerin dem Konzern die Spaltung der Gesellschaft vor.

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1 min
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ZDFheute: Wird das zu echten Konsequenzen führen?

West: Das Unternehmen muss viel aggressiver werden, wenn es darum geht, Informationen zu entfernen, die in Bezug auf Covid-19 eindeutig falsch sind.

Facebook hat großen Influencern erlaubt, falsche Informationen zu verbreiten.
Darrell West, Vizepräsident Brookings Institute

Das hatte erhebliche Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit, da immer noch ein Drittel der US-Amerikaner den Impfstoff ablehnen. Das wiederum hat dazu geführt, dass die Corona-Pandemie weiterging. Also, Facebooks mangelnde Bereitschaft, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, hat schwerwiegende Folgen für die öffentliche Gesundheit gehabt.

ZDFheute: Sie würden sagen, dass Facebook mit dafür verantwortlich ist, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist?

West: Ja, ich meine, die Plattform wurde eindeutig verwendet, um falsche Informationen über den Impfstoff zu verbreiten. Es hatte tatsächliche Konsequenzen in dem Sinne, dass die Leute diese Informationen glauben und sich dann weigern, sich impfen zu lassen.

Der US-Konzern Facebook riskiere die Sicherheit der User und gefährde die Demokratie - diesen Vorwurf machen die Journalistinnen Cecilia Kang und Sheera Frenkel im Buch „Inside Facebook“. Die Autorinnen sprachen mit rund 400 Mitarbeiterinnen.

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3 min
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ZDFheute: Im März sagte Mark Zuckerberg noch, Facebook wolle seine Ressourcen nutzen, um seine User*innen zum Impfen zu animieren. Wie passt das zusammen, wenn die Plattform gleichzeitig zulässt, dass Desinformationen auf Facebook verbreitet werden?

West: Es ist großartig, dass das Unternehmen die Menschen ermutigt, sich impfen zu lassen. Aber wenn gleichzeitig die Plattform verwendet wird, um Desinformation über Impfstoffe zu verbreiten, dann negiert das die guten Dinge, die das Unternehmen zu tun versucht.

Es muss also an beiden Fronten viel aggressiver werden, um die Menschen zu ermutigen, sich impfen zu lassen und keine falschen Informationen über den Impfstoff zu verbreiten.
Darrell West, Vizepräsident Brookings Institute

ZDFheute: Wieso geht Facebook bislang nicht konsequenter gegen User*innen vor, die Falschinformationen verbreiten? Geht es da - so der Vorwurf von Whistleblowerin Haugen - nur um Geld?

West: Es geht definitiv um Geld. Je mehr Leute auf Facebook sind und je engagierter sie sind, desto besser ist die Werbeplattform.

Das Interview führte Nina Niebergall.

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