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Neues Nachrichtenangebot - Wer profitiert von Facebook News?

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In einem neuen Bereich will Facebook journalistische Inhalte ausspielen. Dafür hat der Tech-Riese Verträge mit vielen deutschen Verlagen geschlossen. Wer profitiert von den Deals?

Facebook-Logo. Symbolbild.
Facebook-Logo. Symbolbild.
Quelle: Richard Drew/AP/dpa

Es ist eine der großen Schlachten der Digitalisierung: große Presseverleger gegen Big-Tech-Plattformen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Krach in Australien.

Seit einiger Zeit deutet sich ein Waffenstillstand an. Friedensstifter in diesem Fall: millionenschwere Deals. Aktuellstes Beispiel: der Start von Facebook News in Deutschland.

Stephan Mündges, ZDF-Experte für Digitalthemen, glaubt, dass Facebook durch das Sperren der Medien in Australien „den Preis drücken will“. Facebook oder Google sollen gezwungen werden, Verträge mit Verlagen abzuschließen und Geld für Inhalte zu bezahlen.

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Facebook News ist ein Bereich innerhalb von Facebook, in dem ausschließlich Nachrichtenartikel und Inhalte journalistischer Medien zu finden sind. Das gibt es bereits in den USA und Großbritannien, nun startet der neue News-Dienst auch in Deutschland. Das von Hate Speech und Desinformationskampagnen geplagte Netzwerk schafft so einen Ort für verlässliche Informationen.

Mehr als 100 deutsche Medienmarken bei Facebook News

Über 100 deutsche Medienmarken werden dort vertreten sein, darunter bekannte Namen wie Zeit, Spiegel und - überraschenderweise - Axel Springer.

Mit allen beteiligten Verlagen hat Facebook Verträge abgeschlossen. Das soziale Netzwerk bezahlt dafür, die Inhalte nutzen zu dürfen. Ein Novum. Zwar sind viele Medien auf Facebook vertreten, posten auch Inhalte und Links auf der Plattform. Bislang galt aber der Deal: Inhalte gegen Reichweite. Bei Facebook News gilt nun: Inhalte gegen Reichweite UND Geld.

Ähnlich hatte das Google gelöst. Der Suchmaschinenriese führte ein neues Feature mit dem Namen "Showcase" ein. Es funktioniert ähnlich wie Facebook News, auch hier haben die einzelnen Verlage mit Google Deals abgeschlossen.

Ist das ein guter Facebook-Deal für die Verlage?

Ob der Deal gut ist für die Verlage, ist kaum zu beantworten, konkrete Summen nennen die Beteiligten nicht. Im Gespräch mit dem ZDF erklärt Jesper Doub, der für Facebook die Partnerschaften mit Nachrichtenmedien in Europa managt:

Es ist auf jeden Fall ein deutlich zweistelliges Millionen-Investment, das wir im deutschen Markt vornehmen.
Jesper Doub, Facebook-Manager

"Und wir nehmen das nicht nur als einmaliges Investment vor, sondern über einen mehrjährigen Zeitraum."

Dass Facebook überhaupt auf die Verlage zugegangen ist, hat wohl auch mit politischem Druck zu tun. Der Dienst startet kurz vor der Verabschiedung des neuen Urheberrechts. Darin enthalten: ein sogenanntes Leistungsschutzrecht. Das soll dafür sorgen, dass Presseverlage von großen digitalen Plattformen wie Google und Facebook für die Nutzung journalistischer Inhalte bezahlt werden.

Umgeht Facebook die Ansprüche aus dem Leistungsschutzrecht?

Facebook kommt dem nun zuvor. Zwar will es niemand konkret bestätigen, aber es steht die Vermutung im Raum, dass Forderungen, die sich aus einem Leistungsschutzrecht ergeben könnten, durch die neuen Deals abgegolten sein könnten.

Größter Verfechter des Leistungsschutzrechts ist Deutschlands größter Verlag: Axel Springer. Auch deshalb stand Springer den Facebook-Deals wohl skeptisch gegenüber. Im März kritisierte der Verlag, ohne Facebook direkt zu nennen, die "unangemessen niedrigen Vergütungen". Nun aber die Überraschung: Springer ist doch an Bord.

Wie Digitalkonzerne in Europa Einfluss nehmen

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Die Einigung von Springer und Facebook ist Teil einer globalen Kooperation. Man arbeitet nicht nur bei Facebook News zusammen. Auch Videoinhalte von Springer-Marken sollen bald verstärkt geteilt werden. Von dem Deal aber ausdrücklich ausgenommen: mögliche Ansprüche aus dem Leistungsschutzrecht.

Auf ZDF-Nachfrage, was denn mit Springers Ansprüchen aus dem Leistungsschutzrecht gegenüber Facebook passieren wird, erklärt ein Unternehmenssprecher: "Wenn das Gesetz in Deutschland in Kraft getreten ist, wird Axel Springer die betreffenden Wahrnehmungsrechte an die Verwertungsgesellschaft Corint Media übertragen." Corint Media ist so etwas wie die GEMA für Medienunternehmen, Axel Springer ist einer der Gesellschafter. Heißt wohl: Springer wird auch über das Leistungsschutzrecht an Facebook verdienen.

Stephan Mündges ist Redakteur im ZDF heute journal und berichtet seit mehreren Jahren über Facebook. Dem Autoren auf Twitter folgen: @muendges

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