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Faltbare Smartphones: Noch teuer und mit Macken

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Neue Handys - Faltbare Smartphones: Noch teuer und mit Macken

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Auf dem Handymarkt sind zwei Trends absehbar: schnelleres Internet und faltbare Geräte. Auf die "Foldables" dürfte man noch warten müssen - noch sind sie nicht richtig marktreif.

Sie sind wieder da: Handys zum Aufklappen. Noch recht kostspielig halten sie den alltäglichen Belastungen stand, das legen aktuelle Tests nahe.

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Der "Mobile World Congress" ist die weltweit größte Messe für Mobilfunkprodukte. Dieses Jahr allerdings ist sie abgesagt worden, wegen Bedenken rund um das Coronavirus.

Trotzdem haben die Hersteller zahlreiche Neuheiten im Köcher. Dazu zählen Smartphones, die den neuen schnellen 5G-Standard beherrschen, sowie faltbare Smartphones. Die so genannten "Foldables" mit flexiblem Bildschirm gibt es nun schon im zweiten Jahr und mehrere Hersteller stellen neue Modelle vor. 

Das "Galaxy Fold" hatte zu viele Kinderkrankheiten

Marktführer Samsung hatte im letzten Jahr bereits ein erstes Modell auf dem Markt, das sich aber mehr schlecht als recht verkaufte. Das "Galaxy Fold" litt zum Start unter Kinderkrankheiten, an Problemen mit dem Display und der Verschlusstechnik, vor allem aber war es mit über 2.000 Euro zu teuer für den Massenmarkt.

Dong-Jin Koh, Chef von Samsungs Mobilfunksparte
Dong-Jin Koh, Chef von Samsungs Mobilfunksparte, präsentierte schon vor etwa einem Jahr das erste faltbare Smartphone. Doch das Gerät hatte zu viele Macken und war zu teuer.
Quelle: dpa

Und doch faszinierte die Idee, je nach Anwendung ein verhältnismäßig kleines Smartphone oder bei aufgeklapptem Bildschirm ein Gerät mit der Bilddiagonale fast eines Tablet-PCs zu benutzen.

Die Koreaner halten weiter an der Idee des faltbaren Smartphones fest, gehen aber mit dem neuen "Z Flip" einen anderen Weg: Es ist aufgeklappt so groß wie ein heute normales Smartphone und passt zusammengeklappt in jede Hemdtasche.

Ist Samsung mit seinem Foldable zu teuer?

Handyexperte Patrick Bellmer von "heise online" sieht hier die zwei grundlegenden Designs aller Foldables:

Klein und handlich in der Tasche und eine normale Smartphonegröße aufgeklappt oder gleich ein Tablet-Ersatz - hier wird sich zeigen, was sich durchsetzt.
Patrick Bellmer, Handyexperte

Ein Problem bleibt: Auch das neue Modell von Samsung ist eher was für Technikfans mit dicker Geldbörse, denn mehr als 1.500 Euro wird das Gerät kosten.

"Das ist das obere Ende dessen, was absolute Spitzenmodelle kosten", so Bellmer: "Vergleicht man rein die technischen Leistungen, so kann man bisher mit einem Aufpreis von 600 bis 700 Euro für die faltbaren Smartphones gegenüber ähnlich leistungsfähigen Smartphones ohne Klappmechanismus rechnen."

Drei nebeneinander aufgestellte Samsung Galaxy Z Flip
Drei nebeneinander aufgestellte Samsung Galaxy Z Flip
Quelle: Reuters

Der Preis für die faltbaren Smartphones hat eindeutige Gründe

Das ist viel Geld, aber es erforderte jahrelange Entwicklung, um flexible Bildschirme zu entwickeln sowie Mechaniken, die auch nach jahrelanger Benutzung im Alltag funktionieren. Die Technik ist kompliziert und die Serien sind bislang eher klein verglichen mit den Millionen Smartphones mit geradem, durchgehendem Bildschirm.

Auch die Nummer zwei auf dem Weltmarkt, Huawei, hatte 2019 zeitgleich mit Samsung ein faltbares Smartphone vorgestellt, aber bis heute haben die Chinesen das "Mate X" nicht auf den Markt gebracht.

Das geknickte Huawei Mate Xs wird präsentiert
Das "Mate XS" von Huawei soll im Gegensatz zum Vorgänger "Mate X" tatsächlich in die Läden kommen - für 2.500 Euro.
Quelle: Reuters

Nun folgt schon Generation zwei der faltbaren Smartphones, und der Konzern - krisengeschüttelt durch Spionagevorwürfe aus den USA - hat fest vor, sein neues faltbares Smartphone endlich auch in die Läden zu bringen. Ein Schnäppchen ist es wahrlich nicht: 2.500 Euro - ein stolzer Preis für das "Mate XS".

Bald 1.000 Euro oder weniger?

Der Preis dürfte bald fallen, erwartet Lisa Brack vom Technikmagazin "Chip":

Wir gehen davon aus, dass viele weitere Hersteller einsteigen und innerhalb der nächsten zwei Jahre der Preis für faltbare Smartphones unter 1.000 Euro fallen wird.
Lisa Brack

Vorerst aber bleiben die Preise auch bei den Mitbewerbern hoch. Umso wichtiger ist das Marketing.

Motorola setzt bei seinem ersten Falt-Smartphone auf Nostalgie: Vor fast 20 Jahren stellte der Konzern das "Razr" vor, ein klappbares Handy mit Metallbody und zwei farbigen Bildschirmen - ein kleiner außen und ein großer innen mit einer glänzenden flachen Tastatur. Das "Razr" verkaufte sich millionenfach in Deutschland.

Tastatur eines Motorola V3 Razr black
Tastatur eines Motorola V3 "Razr" black aus dem Jahr 2006: Der Hersteller setzt bei einem aktuellen Smartphone auf Nostalgie zu dem Modell.
Quelle: imago

Das Smartphone von Motorola dürfte 1.500 Euro kosten

Diese Verkaufszahlen wird das neue "Razr" des Jahres 2020 zwar nicht erreichen, aber vieles soll an den prominenten Vorgänger erinnern. Es gehört zur Riege der faltbaren Smartphones, die aufgeklappt die normale Smartphonegröße erreichen und ansonsten handlich in jede Tasche passen.

Viele gute Ideen stecken drin, aber das hat seinen Preis: 1.500 Euro wird auch Motorola für sein Foldable verlangen. Immerhin "liegen wir jetzt schon mal über 500 Euro unter dem Verkaufspreis der ersten faltbaren Smartphones", so "Chip"-Expertin Brack. "Das wird so weitergehen."

Mängel und Nutzen sind noch Hürden für hohe Verkaufszahlen

Zwei Hürden gibt es:

  • Die Haltbarkeit: Von nahezu allen neuen faltbaren Modellen gibt es aktuell Berichte über Mängel in diesen ersten Serien.
  • Der Nutzen: "Die Hersteller müssen dem Kunden erklären, wieso er für ein anderes Design einen so hohen Aufpreis zahlen soll", gibt sich "heise"-Experte Bellmer skeptisch.

Seine "Chip"-Kollegin Lisa Brack aber sieht eine echte Chance für die faltbaren Smartphones:

Die Kinderkrankheiten haben sie hinter sich gelassen. Wenn der Preis weiter fällt und die Geräte über Jahre zuverlässig sind, wird diese Designform ihre Käufer finden.
Lisa Brack

Ob das allerdings in diesem Jahr schon ist, da sind beide Experten skeptisch.

Sven-Hendrik Hahn ist Redakteur beim ZDF-Magazin WISO.

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