Sie sind hier:

Digitale Gesundheitsanwendungen - Apps auf Rezept: Umstritten - und unsicher?

Datum:

Seit zwei Monaten gibt es Gesundheits-Apps auf Rezept. Über ihren Nutzen und die Risiken wird besonders seit einer Antwort der Bundesregierung debattiert.

Seit Oktober gibt es medizinische Apps auf Rezept vom Arzt.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Sechs Gesundheits-Apps sind derzeit zugelassen. Wenn es im Ohr pfeift, soll eine App genauso helfen wie beim zwickenden Knie oder bei Schlafstörungen. Sie können von Ärzten auf Rezept verordnet werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann die Kosten. Unter anderem daran hat sich Streit entzündet.

Kritik an der Preisgestaltung von App-Anbietern

"Der Hersteller kann im ersten Jahr den Preis frei festlegen", kritisiert Tobias Zimmermann von der AOK Baden-Württemberg. Erst nach zwölf Monaten werde der Preis zwischen Krankenkassen und Anbietern verhandelt.

Die Kassen wünschen sich, dass dieser Preis dann rückwirkend gilt. "Damit könnten Mondpreise von hunderten oder gar tausenden Euro im ersten Jahr verhindert werden", meint Zimmermann.

Prüfverfahren nicht so streng wie bei Arzneien

Natürlich wollen Anwender solcher Gesundheits-Apps gerne auch wissen, ob und wie die App wirkt. Das wollen Patientinnen und Patienten ja auch bei Arzneimitteln. Für die gilt ein Zulassungsverfahren mit strengen Prüfungen.

Bei den Apps sind die Prüfverfahren nicht so streng. "Leider teilweise nicht ganz auf dem Niveau, was man aus dem Arzneimittel-Bereich gewohnt ist", moniert AOK-Experte Zimmermann.

Lifestyle oder medizinischer Nutzen der Apps?

Zweifel am Nutzen der Apps hat Stefanie Stoff-Ahnis vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen bereits zum Start der Apps geäußert. Sie warnte vor zwei Monaten ausdrücklich vor "verkappten Lifestyle-Apps".

Auch die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben deutliche Kritik an den unzureichenden Prüfverfahren schon in ihrer Stellungnahme zur Digitale Gesundheitsanwendungen-Verordnung kundgetan. Durchsetzen konnten sie sich gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium nicht.

Google und Apple bekommen Patientendaten

Erheblich zu kurz gekommen sind Kritikern zufolge Datenschutz und Datensicherheit bei den Apps. Daten, die Gesundheits-Apps erzeugen, sagen viel über die Patienten aus, und zwar gefährlich viel.

So musste die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion einräumen, dass Apple und Google umfassende Patientendaten über die Apps erhalten.

"Dazu gehören neben technischen Verbindungsdaten wie IP-Adresse, Absturzberichte, Systemaktivitäten, Zugriffs-Datum und -Uhrzeit und der Verweis-URL der Anfrage auch geräte- bzw. personenbezogene Daten wie eindeutige Kennungen, Typ und Einstellungen von Browser und Gerät, Betriebssystem, Informationen zum Mobilfunknetz wie der Name des Mobilfunkanbieters und die Telefonnummer."

Apps als Datenschutz-Debakel

Kurzum: Der Nutzer einer Gesundheits-App wird nicht nur gegenüber dem Anbieter der App, sondern auch gegenüber Apple und Google zum gläsernen Patienten. Und es wird noch gefährlicher. Die sensiblen Patientendaten der Apps können auch von Online-Kriminellen leicht ausgespäht werden.

Digitale Gesundheitsanwendungen gehören einfach nichts aufs Smartphone.
Hartmut Pohl, Informatik-Professor

Peter Bauer, Chef des IT-Sicherheitsunternehmens McAfee in Deutschland, hat eindringlich aufgezeigt, wie stark der Handel mit Patientendaten schon heute floriert. "Es gab in der Vergangenheit einen Erpressungsfall mit Medikationsdaten", berichtet Bauer.

Mit der zunehmenden Nutzung von Gesundheits-Apps könnten solche Erpressungsfälle häufiger vorkommen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.