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Bewertungen bei Google-Maps - Rufmord: Wie Google Straftaten ignoriert

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Ob Restaurants, Geschäfte, Reisen - wer sucht, der googelt. Dabei liefert die Suchmaschine auch die Bewertungen dazu. Gegen üble Nachrede unternimmt Google jedoch zu wenig.

Mies bewertet, Existenz vernichtet

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  • "Er wirkte am Telefon stark alkoholisiert, und das schon am frühen Nachmittag, daher keine Buchung."
  • "Er erzählte mir bei einer Tour, dass er seine Frau betrogen und sich dabei Filzläuse eingefangen hat."

Es waren unter anderem solche Bemerkungen, die Unbekannte bei Google Maps auf dem Profil von Jürgen Armbruster gepostet haben. Der 55-Jährige betreibt seit vergangenem Jahr eine Reiseagentur für Wander- und Radtouren durch die Schwäbische Alb. Die Buchungen liefen von Anfang an gut, für den passionierten Wanderer war das wie ein Senkrecht-Start in seinen Traumberuf.

Doch als plötzlich 47 negative Kommentare auftauchten, fürchtete er um seine berufliche Existenz. Sollten die rufschädigenden Bewertungen stehen bleiben, würde zum nächsten Saisonstart niemand mehr bei ihm buchen.

Rufmord durch Wettbewerber

Jürgen Armbruster ist überzeugt, dass die negativen Bewertungen nicht von seinen Kunden stammen, zumal diese zu einer Zeit gepostet wurden, in der er Corona- und wetterbedingt gar keine Touren anbot. Er vermutet, dass ein Wettbewerber ihn so ausschalten will.

Verleumdungen sind - rein juristisch - Straftaten. Sie widersprechen außerdem den Regularien der Suchmaschine. In einer E-Mail machte Jürgen Armbruster Google darauf aufmerksam und bat darum, die Bewertungen zu löschen:

Es kam dann eine Standard-E-Mail mit dem Hinweis, wir kümmern uns darum, passiert ist dann aber über viele Wochen nichts.
Jürgen Armbruster

Auf Nachfrage will Google sich dazu nicht äußern, erklärt aber gegenüber dem ZDF-Magazin frontal schriftlich: "Wir überprüfen Beiträge genauestens auf betrügerische Bewertungen. Dafür setzen wir auf eine Kombination aus Menschen und Technologie."

Löschungen durchzusetzen, ist extrem langwierig

Nach etwa vier Wochen wandte sich Jürgen Armbruster an einen Anwalt. Colin Simbach vertritt viele Unternehmer*innen, die Opfer von negativen Kampagnen bei Google Maps geworden sind. Rund 120 Mal ist er bereits gegen den Tech-Giganten vor Gericht gezogen. Seine Mandanten müssen aber vor allem eins mitbringen: Geduld.

Im Fall von Jürgen Armbuster entschied das Landgericht Köln zwar per Eilverfahren, Google müsse die Bewertungen löschen, da "unwahre Tatsachenbehauptungen" vorlägen. Das Problem nur: Google beharrte wie immer auf eine rechtsförmliche Zustellung der Beschlüsse in Irland, der europäischen Konzernzentrale. Und das ist mühsam und langwierig, beklagt Anwalt Colin Simbach:

Entsprechend frustrierend ist das natürlich, wenn man dem Mandanten sagt, wir haben in wenigen Tagen eine einstweilige Verfügung für Sie erwirken können, aber die Zustellung ist immer noch nicht erfolgt.

Gesetz gegen Fake-Bewertungen

Vor wenigen Wochen hat der Bundestag eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Das "Gesetz zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Wettbewerbs- und Gewerberecht" soll gefälschten Bewertungen Einhalt gebieten. Unter anderem müssen Unternehmen wie Google künftig darüber informieren, ob sie Bewertungen auf Echtheit prüfen. Das sei zu wenig, um Opfer vor Verleumdungen und übler Nachrede zu schützen, kritisiert die Digital-Expertin Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Linken.

Vielmehr müsse die Politik Google dazu verpflichten, eine Zustell-Adresse in Deutschland einzurichten: "Also ich bin mir ganz sicher, wenn dann solche Unternehmen wiederholt einfach nicht reagieren, dann würde auch die Politik anders reagieren, weil dann findet das alles bei uns statt."

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Bundesregierung sieht die Zuständigkeit in Brüssel

Dass dies auch unabhängig von einer europaweiten Regelung möglich ist, hat die Bundesregierung mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz gezeigt. Facebook musste daraufhin eine GmbH in Deutschland gründen und kann sich nun dem deutschen Recht nicht mehr so einfach entziehen. Allerdings gilt das Gesetz nur für Soziale Netzwerke. Bei Google verweisen Politiker der Regierungskoalition auf Brüssel: "Eine Zustelladresse dürfte mit den bisherigen Vorgaben des europäischen Rechts nicht einfach verlangt werden", sagt Sebastian Steineke, Beauftragter für Verbraucherschutz der Unionsfraktion. Er sieht allerdings die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme.

Für Betroffene wie Jürgen Armbruster ist das höchst unbefriedigend. Ganze elf Wochen standen die verleumderischen Bewertungen auf seinem Profil, bis Google sie löschte. Für ihn ist das Problem noch nicht gelöst:

Man lebt ständig mit dem Gedanken, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann.
Jürgen Armbruster, Unternehmer
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