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Die späten Folgen eines Datenschutz-Streits

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Zehn Jahre Google Street View - Die späten Folgen eines Datenschutz-Streits

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Nebenwirkung von Google Street View: Vor zehn Jahren diskutierte man, wie die Privatsphäre in der digitalen Welt gewahrt wird. Heute bereuen viele, dass wichtige Aufnahmen fehlen.

Ein Kameraauto des Internetdiensteanbieters Google fährt durch Berlin, aufgenommen am 09.042011
Ein Kameraauto von Google fährt für Street- View-Aufnahmen durch Berlin. (Archivfoto 2011)
Quelle: dpa

Die bunten Google-Autos mit den auffälligen Kamera-Aufbauten fahren mittlerweile in rund 90 Ländern der Erde herum. In Deutschland begann Google Street View am 18. November 2010 - vor genau zehn Jahren. Doch der Ausbau kam schnell ins Stocken.

Deutschland stellte sich quer

An dem Dienst hatte sich die schärfste Datenschutz-Debatte seit dem Streit um die Volkszählung Anfang der achtziger Jahre entsponnen. Die damalige Verbraucherschutzministerin malte mögliche Konsequenzen in düsteren Farben an die Wand:

Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat.
Ilse Aigner (CSU) ehem. Verbraucherschutzministerin

Kartendienst beschäftigte ganze Nation

Der Digitalverband Bitkom spricht rückblickend von "Aufregung und auch Hysterie", die damals geherrscht habe. Jahrzehntelang sei die Veröffentlichung von Bildern des öffentlichen Raums erlaubt und üblich gewesen.

Plötzlich "sollte dies speziell mit Blick auf Kartendienste verboten werden, ein eigenes Gesetz wurde angekündigt", erinnert sich Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Google machte gravierenden Fehler

Sie mussten erkennen, dass die Digitalisierung sie erfasst, völlig unabhängig davon, ob sie nun selbst einen Computer haben oder nicht.
Peter Schaar, ehem. Bundesdatenschutzbeauftragter

Der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte sieht heute den Start von Google Street View als einen Punkt, an dem sehr viele Menschen zum ersten Mal gemerkt hätten, dass sie sich nicht einfach vom Internet abkoppeln können.

Schaar erinnert daran, dass Google sich damals einen gravierenden Fehltritt leistete: Die Kamerawagen griffen damals auch Daten aus ungeschützten Wlan-Netzen auf. Google sprach von einem Fehler eines Entwicklers. Schaar hält das für eine Schutzbehauptung.

Verpixeln oder nicht?  

Gestartet war Street View im Mai 2007 zunächst in den USA. Google erkannte schnell, dass menschliche Gesichter und Auto-Kennzeichen automatisch unkenntlich gemacht werden sollten. Es wurde lange kontrovers diskutiert, ob auch Häuserfassaden verpixelt werden.

In Deutschland beantragten damals 244.000 Haushalte, ihre Wohnhäuser unkenntlich zu machen. Google betonte damals, knapp drei Prozent der Haushalte hätten eine Verpixelung beantragt. Der Aufwand dafür war aber offenbar so groß, dass Google auf weitere Kamerafahrten verzichtete.

Was lernen wir aus Google Street View?

Das Ergebnis: es fehlt aktuelles Bildmaterial. Der Druck von Datenschützern habe dafür gesorgt, dass bei Verpixelungen alle Bilder des entsprechenden Gebäudes von den Anbietern dauerhaft gelöscht werden mussten. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder bedauert dies, weil es etwa für Notfalleinsätze der Feuerwehr hilfreich gewesen wäre.

Digitalisierung und Datenschutz gehören zusammen und sollten eigentlich keine Gegner sein, meint Datenschützer Schaar. Rückblickend sieht er aber auch Positives: Google Street View sei ein Beispiel dafür, dass man Lösungen finden könne, Digitalisierung und Datenschutz miteinander zu verbinden.

Ob die gefundene Lösung, bestimmte Aufnahmen zu verpixeln, wirklich so weise war, darüber kann man natürlich nach wie vor streiten.
Peter Schaar, ehem. Bundesdatenschutzbeauftragter
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