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"Ein solcher Anschlag kann wieder passieren"

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Prozessauftakt zu Halle-Attentat - "Ein solcher Anschlag kann wieder passieren"

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Der Attentäter von Halle radikalisierte sich auch im Netz. Extremismus-Expertin Julia Ebner warnt vor Nachahmern - ein solcher Terrorismus könne andere inspirieren.

Die Tür der Synagoge im Paulusviertel in Halle trägt noch immer die Spuren des versuchten Anschlags.
Die Tür der Synagoge im Paulusviertel in Halle trägt noch immer die Spuren des versuchten Anschlags.
Quelle: dpa / Jan Woitas

Könnte es in Deutschland erneut zu einem Attentat kommen, wie es Stephan Balliet am 9. Oktober in Halle verüben wollte? Ja, meint die Extremismus-Expertin Julia Ebner. Sie warnt vor einer hohen Gefahr durch Wiederholungstäter:

Das Risiko, dass ein solcher Anschlag wieder passiert, ist sehr hoch.
Julia Ebner, Extremismus-Expertin

Heute beginnt der Prozess gegen Balliet, der im Paulusviertel in Halle eine Synagoge stürmen wollte. Weil die schwere Eingangstür standhielt, wurde vermutlich ein Massenmord verhindert - in dem Gotteshaus befanden sich an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, laut Bundesanwaltschaft 52 Gläubige. Balliet erschoss daraufhin eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Balliet, der seine Tat live streamte, hat sich laut den Ermittlern auch in Internet-Foren radikalisiert.

"Gamifizierung von Terrorismus"

Balliet hatte ein Manifest hochgeladen, das mit Anspielungen auf die Gamer-Szene gespickt ist. Dort listete er weitere Ziele auf, zum Beispiel: eine Jüdin zu töten oder eine Moschee niederzubrennen. Ebner nennt das "Gamifizierung von Terrorismus". Jede weitere erfüllte Aufgabe bringe diesem Verständnis nach Punkte. Nach Balliets Tat hätten viele Online-Nutzer dazu aufgerufen, seinen makabren Score zu toppen, so Ebner.

Balliet schrieb und sprach auf Englisch, was für eine internationale Ausrichtung seiner Tat spricht. Ebner sieht darin ähnliche Muster wie beim Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch, bei dem der Attentäter Brenton Tarrant 51 Menschen ermordete und seine Verbrechen ebenfalls live streamte. Tarrant sei möglicherweise ein Vorbild für ihn gewesen:

Diese Art von Terrorismus, dieser inspirative Terrorismus oder Copycat-Terrorismus, kann auch für künftige Attentäter eine Inspiration sein.
Julia Ebner, Extremismus-Expertin
Journalisten und Besucher stehen vor dem Landgericht in einer Schlange am Einlass am 21.07.2020 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

Anschlag von Halle -
Terrorprozess beginnt
 

Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle im Oktober 2019, bei dem zwei Menschen getötet wurden, beginnt heute der Prozess.

von Felix Zimmermann

Teile der Waffen stammten aus 3D-Drucker

Balliet hatte - vor Aussetzung der Wehrpflicht - bei der Bundeswehr eine Grundausbildung gemacht und war laut Verteidigungsministerium auch an der Waffe ausgebildet worden. Bei seinem versuchten Amoklauf hatte er acht Schusswaffen dabei sowie Sprengsätze. Teile der Waffen stammten aus einem 3D-Drucker.

Immer wieder wurde Balliet als "Einsamer Wolf" betitelt - als sozial isolierter Mensch, der vordergründig allein handelt. Ebner warnt aber davor, ihn einen Einzeltäter zu nennen. "Es gibt immer eine Einbettung in ideologische Netzwerke. Wenn man jemanden als Einzeltäter abtut, birgt das die Gefahr, künftige Anschläge zu unterschätzen."

Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit

Wie sich der 28-Jährige radikalisiert hat, ob es Mitwisser gab oder gar Unterstützer, soll der Prozess klären. Die Anklage gegen ihn führt die Bundesanwaltschaft, die ihm unter anderem zweifachen Mord und versuchten Mord in 68 Fällen vorwirft.

Balliet habe den Anschlag aus "einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus" geplant. Für den Prozess sind 18 Verhandlungstage angesetzt, letzter Termin ist der 14. Oktober. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

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