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Onlinebetrug - Das Geschäft mit der geklauten Identität

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Ein Student findet einen Nebenjob als Produkttester. Er soll prüfen, wie die Technik beim Eröffnen eines Online-Bankkontos funktioniert. Doch das ist eine Falle.

Identitätsdiebstahl
Identitätsdiebstahl ist eine der beliebtesten Betrugsmaschen im Internet.
Quelle: dpa

Studieren in München - eine teure Angelegenheit. Ein Job muss her, dachte sich der angehende Sportökonom Nikolas. Auf Facebook sah er das verlockende Angebot: Gegen Bezahlung Online-Banken testen. Bequem von daheim prüfen, wie der digitale Service rund um eine Kontoeröffnung ist. Im Rahmen des Tests sollte Nikolas auch seine Ausweisdaten in die Firmen-App laden.

Gefälschte App

Sein Pech: Er ging einem Kriminellen auf den Leim. Der gab sich als Mitarbeiter eines seriösen Münchner Unternehmens aus. Doch die App war gefälscht. Und die Kontoeröffnung kein Test, sondern real. Mit den sensiblen Daten und dem Konto hatte der Dieb nun freie Bahn.

Nikolas wurde Opfer eines Onlinebetrugs mit Identitätsdiebstahl.
Nikolas wurde Opfer eines Onlinebetrugs mit Identitätsdiebstahl.
Quelle: Alexander Klein

Die Masche ist kein Einzelfall. Identitätsklau ist Ausgangspunkt einer Vielzahl krimineller Geschäftsmodelle, warnt das Bundeskriminalamt. Michael Terhaag aus Düsseldorf ist Fachanwalt für IT-Recht. Gegenüber WISO meint er, als er von dieser Masche erfuhr, habe er als erstes gedacht: "Die lassen sich immer was Neues einfallen."

Bankdaten nicht leichtfertig angeben

Aber grundsätzlich gilt, so Terhaag: "Bei so etwas müsste man hellhörig werden. Denn wenn Bankdaten als erstes abgefragt werden, fragt man sich: Ich habe doch noch gar nichts gemacht, da muss man aufmerksamer sein. Auch im Internet wird nichts verschenkt." Auf schriftlich gestellte Fragen zum geplanten Studentenjob war der Kriminelle vorbereitet.

Persönliche Daten vor Missbrauch schützen

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Die Masche nennen Strafermittler Social Engineering: Dabei versuchen Kriminelle, ihre Opfer persönlich zu beeinflussen. Der Täter eröffnete anschließend bei Ebay ein Konto unter Nikolas' Namen und bot dort Waren gegen Vorkasse an.

Wer vorab eine Sicherheit wollte, dem sendete der Kriminelle die erbeuteten Ausweisdaten zu. Das Geld strich er ein und tauchte ab, die Ware wurde nie versendet. Die geneppten Ebay-Kunden stellten Strafanzeige - gegen Nikolas. Eine böse Überraschung für den jungen Mann.

Immer Beweise sichern

Frage an Rechtsanwalt Terhaag: Was sollte ich tun, wenn ich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden bin? "Ganz wichtig: Beweise sichern. Wenn man etwas auf dem Computer sieht: ausdrucken oder Screenshots machen, damit man das nachher zeigen kann." Ansonsten gelte: Bank informieren, wenn es eine Kreditkarte ist, das Kreditkartenunternehmen. Denn da komme es auf Minuten an. Die Bank könne jede Art von Zahlungsmittel sperren. Und man kriegt heutzutage sehr zügig neue Karten zugestellt mit neuen Zugangsdaten.

Schließlich sollte man die Polizei informieren und Strafanzeige stellen, rät Terhaag. "Überwiesenes Geld ist oft weg. Manchmal funktioniert da noch etwas, ich habe es erlebt, dass Geld eingefroren worden ist. Man muss aber Glück haben." Bei Kreditkarten sei das anders, die sind über alle Nutzer versichert.

Vierstelliger Schaden

Nikolas holte sich bei einem Anwalt Hilfe. Der erreichte, dass das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wurde. Doch auf einem vierstelligen Schaden blieb er sitzen. Und seine Daten sind weiterhin im Netz. Der Täter wurde bisher nicht ermittelt. Wie kann ich verhindern, dass ich Opfer eines Identitätsklaus werde? Michael Terhaag rät:

Grundsätzlich gilt: immer überlegen, wann gebe ich wo wem welche Daten? Und wofür braucht der die überhaupt?

Wenn man beispielsweise etwas bei Ebay kaufe, leuchte es ein, dass man demjenigen, der einem etwas liefern will, die Anschrift gebe. "Aber wenn ich was bei dem kaufe, warum soll ich dem meine Bankverbindung geben? Denn ich brauche ja nur dessen Bankverbindung", erklärt Terhaag.

Auch bei Mails gelte: immer auf den Absender achten, keine dubiosen Anhänge öffnen. Und auch immer die eigenen Finanzen checken. "Ich muss mein eigenes Konto im Griff haben. Ich muss regelmäßig kurzfristig gucken, was auf meinem Bankkonto passiert", rät Terhaag. Auch bei Missbrauch von Kreditkartendaten. Man müsse schnell tätig werden können. Ganz davor schützen könne man sich leider nicht.

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