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Was die IT-Greencard vor 20 Jahren brachte

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Fachkräftemangel - Was die IT-Greencard vor 20 Jahren brachte

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Sie sollte den Fachkräftemangel beheben helfen, wurde aber vier Jahre nach der Einführung schon wieder abgeschafft: die deutsche Greencard. War es eine Top-Idee oder ein Flop?

Der Jordanier Waleed Salem sitzt am 05.11.2001 im Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb- und automatisierung in Magdeburg vor seinem Computer.
Der Ingenieur Waleed Salem war der erste Computerspezialist, der in Sachsen-Anhalt eine IT-Greencard erhalten hat.
Quelle: dpa

Auf der Computermesse Cebit in Hannover stellte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Ende Februar 2000 voller Selbstbewusstsein die "Offensive für Informationskompetenz" seines Bundeskabinetts vor: Eine Greencard sollte ausländische IT-Fachkräfte leichter ins Land holen.

Gewerkschafter mochte die Greencard nicht

Zum 1. August 2000 wurde die Greencard dann offiziell eingeführt und sehr kontrovers diskutiert. Regierungsschätzungen zufolge fehlten damals fast 80.000 IT-Fachkräfte. Mit der Greencard sollten mindestens 20.000 Spezialisten ins Land geholt werden. Der damalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sprach von einem Schnellschuss zum Wohle der heimischen Industrie. Die Entwicklungsländer würden unter dem Aderlass an IT-Experten leiden.

Die Bundesanstalt für Arbeit zweifelte die regierungsamtlichen Zahlen in Sachen IT-Fachkräftemangel an und sprach von knapp 30.000 arbeitslosen deutschen Computerexperten. Das nahm der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zum Anlass, die Greencard als "Bankrotterklärung der Politik" zu bezeichnen. Die Bundesregierung möge dafür sorgen, erst einmal die Arbeitslosen zu qualifizieren, so dass diese dann die freien Stellen besetzen könnten.

IT-Industrie: "Überfällig", "befristet eine gute Lösung"

In der IT-Industrie wurde die Greencard überwiegend positiv aufgenommen. "Ein längst überfälliger Schritt", lobte Karl-Heinz Land, der damalige Europa-Chef von Microstrategy und heimlicher Branchensprecher.

Die stärker auf IT-Beratung ausgerichteten Unternehmen urteilten zurückhaltender. "Für einen befristeten Zeitraum ist so eine Greencard eine gute Lösung", sagte Rachel Tan vom IT-Berater Solution 42. Die Berater prognostizierten, dass der IT-Fachkräftemangel in den nächsten Jahren deutlich nachlassen würde.

Monika Schnitzer in der aktuellen Sendung von Maybrit Illner.

"maybrit illner" -
Schnitzer: Fachkräfte nach Deutschland holen
 

Chance für Deutschland? Hochqualifizierte, die keine US-Visa mehr erhielten, könnten den Fachkräftemangel lindern, sagt Wirtschaftsweise Schnitzer bei "maybrit illner".

von Florence-Anne Kälble

Greencard wurde nicht alt

Tatsächlich wurde die Greencard Ende 2004 wieder abgeschafft. Bis dahin waren 17.000 IT-Fachkräfte mit diesem Instrument ins Land geholt worden, wie der heutige Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom Achim Berg berichtet. Sein Fazit:

Mit der Greencard hat sich der Blick auf unser Land verändert.
Achim Berg, Bitkom-Präsident

Die Greencard habe die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes gesteigert.

Beginn eines politischen Wandels?

Die gesetzlichen Regelungen zur Zuwanderung, die Ende 2004 die Greencard ablösten, sowie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März 2020 in Kraft getreten ist, könnten Arbeitsmarktexperten zufolge auf einen politischen Wandel zurückgeführt werden, den die Greencard eingeläutet hat. Dennoch fehlen der Branche bis heute Mitarbeiter: "Weiterhin sind IT-Jobs unbesetzt, zum Ende des Jahres 2019 waren es 124.000", berichtet Bitkom-Präsident Berg.

In Deutschland fehlt es an Fachkräften. Für Abhilfe soll das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ sorgen. Es soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern.

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Infolge des Fachkräftemangels könnten mögliche Umsätze von jährlich bis zu einer Milliarde Euro nicht realisiert werden, so der Bitkom-Verband. Eine weitere Folge könnten vermehrte Stromausfälle und Störungen in der Wasserversorgung sein, meint Harry Sneed, Informatiker und Dozent für Wirtschaftsinformatik an diversen Universitäten.

In Deutschland fehlen bis zu 40.000 Softwaretester

Die dort eingesetzten IT-Systeme seien 20 bis 30 Jahre alt, so Harry Sneed. Der Altmeister der Softwaresanierung macht da eine einfache Rechnung auf: 16 Prozent eines Anwendungssystems ändern sich im Laufe eines Jahres. Bei 100.000 Programmzeilen müssen also pro Jahr 16.000 Programmzeilen angepasst werden. Jeder Anpassungstag zieht zwei Testtage nach sich. Wenn man das hochrechnet, fehlen in Deutschland bis zu 40.000 Softwaretester.

Dafür braucht Deutschland internationale Experten. "Für die müssen wir bürokratische Hürden senken, Verfahren vereinfachen und die Fachkräfte und ihre Familien willkommen heißen", meint Bitkom-Präsident Achim Berg. Eine wesentliche Voraussetzung dafür habe die Greencard aus dem Jahr 2000 geschaffen.

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