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Wer dominiert die Klimawandel-Debatte?

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Facebook im ZDFheute-Check - Wer dominiert die Klimawandel-Debatte?

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Rechte Influencer wirken in der Klima-Debatte besonders laut. Doch dominieren sie auch den Diskurs? ZDFheute hat die erfolgreichsten Facebook-Posts von 2019 ausgewertet.

Silhouetten von Personen, die mit gesenktem Kopf auf den Bildschirm ihrer Smartphones schauen vor einem Facebook-Logo
Das ZDFheuteCheck-Team hat die 100 erfolgreichsten Facebook-Posts zur Klimadebatte 2019 ausgewertet.
Quelle: Imago

Klimawissenschaftler? Sind alle "intellektuell abgewrackt" und haben "sich selbst längst aufgegeben". Fridays-for-Future-Demonstranten? Sind "Greta Thunbergs Schulschwänzer-Kombo". Das Klimapaket der Bundesregierung? Ist "grün-sozialistische Planwirtschaft". So klingt es, wenn rechte Influencer und Politiker auf Facebook über das Thema Klimawandel schreiben.

In Debatten rund ums Klima kommt der Eindruck auf, dass die AfD und ihre Politiker sowie rechte Meinungsmacher den Diskurs in sozialen Medien wie Facebook bestimmen. Doch entspricht dieser Eindruck der Realität?   

Wie die AfD zum Thema Klimaschutz steht, lesen Sie hier:

Alexander Gauland bei einem Wahlkampfauftritt. Archivbild

Drittes Hauptthema der Partei -
AfD setzt auf Anti-Klimaschutz
 

Klimaschutz ist zu einem Thema in allen Parteien geworden. Das gilt nun auch für die AfD, aber mit einer ganz anderen Stoßrichtung.

Kaum "Fridays for Future"-Unterstützer in den Facebook-Top-100

ZDFheuteCheck hat die 100 erfolgreichsten Facebook-Postings des Jahres 2019 zur Klimadebatte untersucht. Die Analyse zeigt: Die erfolgreichsten Postings gingen nicht auf das Konto von Rechtsaußen, sondern auf das der etablierten Medienmarken. Mehr als die Hälfte der Beiträge stammt von Tagesschau, Funk oder Welt sowie von Satire-Seiten wie dem "Postillon".

Gut 20 Prozent der Postings stammen von Politikern oder Parteien - davon deutlich mehr als die Hälfte von der AfD. CDU, SPD und die Grünen sind überhaupt nicht zu finden. Ebenfalls in den Top 100 so gut wie nicht vertreten: Beiträge von "Fridays for Future"-Anhängern oder von Unterstützern von Greta Thunberg.

Rechte Meinungsmacher gegen Greta Thunberg

Wenn auch die erfolgreichsten Posts überwiegend von etablierten Medien stammen - rechte Meinungsmacher haben eine laute Stimme, mit zugespitzten, teilweise diffamierenden Aussagen. Vor allem zwei Accounts fallen ins Auge: die Facebook-Seite "Politik und Zeitgeschehen" mit ihren häufig populistisch-polemischen Posts sowie der frühere BZÖ-Politiker Gerald Grosz aus Österreich.

Wie die Bundesregierung gegen Hass bei Facebook vorgehen will, lesen Sie hier:

Kabinett beschließt Gesetz -
Wie Facebook & Co Hass im Netz bekämpfen sollen
 

Was tun gegen Hass im Netz? Das Kabinett hat heute ein Gesetz beschlossen, das soziale Netzwerke verpflichtet, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen sowie Nazi-Propaganda zu melden.

von Dominik Rzepka, Berlin
Videolänge:
1 min

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete der rechtspopulistischen Partei sorgt mit sarkastischen Kommentaren in seinen Videos für viel Interaktion. Zusammen sind beide Accounts insgesamt elfmal in den Top-100-Posts von 2019 vertreten - von ihnen stammt beinahe die Hälfte aller Posts von Meinungsmachern.

Am liebsten schießt Grosz gegen Greta Thunberg - die er meist abfällig als "heilige Gretl" bezeichnet oder als "GRÖHAZ, die größte Klimahysterikerin aller Zeiten". Über 160.000 Facebook-Nutzer folgen seiner Seite, seine Videos erreichen regelmäßig sechsstellige Abrufzahlen.

Aufregung über die CO2-Steuer der Bundesregierung

Das größte Aufreger-Thema neben Greta Thunberg ist die 2019 beschlossene CO2-Steuer, die Teil des Klimapakets der Bundesregierung ist. "Benzinpreis von 2 Euro gefordert", postet etwa "Politik und Zeitgeschehen" Ende September 2019 in einem für sie typischen Sharepic, also einen Bildpost mit einem kurzen und prägnanten Erklärtext. "Wenn wir uns jetzt nicht wehren, könnte es zu spät sein!", heißt es darin weiter. Es ist der zweiterfolgreichste Post der Auswertung.

Und auch im erfolgreichsten Beitrag, einem Post von Funk, geht es indirekt um die Folgen der CO2-Bepreisung: Er zeigt eine Bundestagsrede von Sahra Wagenknecht vom 26. September 2019, bei dem sie Konzernen und Freihandelsabkommen eine Mitschuld an den weltweit steigenden CO2-Emissionen gibt.

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Rechte Influencer und Parteien äußern die Kritik an den Abgaben für Bürger direkter: "CO2-Steuer: Der Bürger wird nur ausgeplündert", sagt beispielsweise die AfD-Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga in einem Videopost.

Teilen als "Bürgerpflicht" in der rechten Szene

Datenjournalist Luca Hammer
Der Schweizer Social-Media-Analyst Luca Hammer untersucht Interaktionen auf Twitter und Facebook.
Quelle: Tony Gigov

Rechte Meinungen und das populistische Abarbeiten an Greta Thunberg und der CO2-Steuer bilden auf Facebook den Gegenpol zur Berichterstattung etablierter Medien. Für den Datenanalyst Luca Hammer keine Überraschung: Er beobachtet nach eigener Aussage im deutschsprachigen Raum einen Trend bei Accounts, die dem rechten bis rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind.

"Da wird dieselbe Information zehnmal hintereinander geteilt und alles fleißig gelikt. Teilen als Bürgerpflicht sozusagen. Weil sie glauben, dass sie dadurch ihre politische Agenda unterstützen", sagte er ZDFheute.

Hammer bezweifelt jedoch, dass diese Strategie aufgeht und tatsächlich beispielsweise der AfD zugutekommt.

Die sehen: "Mein Beitrag ist hundermal geteilt worden und der politische Gegner hat nur fünf Kommentare. Alle sind auf unserer Seite" - das ist natürlich auch eine gewisse Selbsttäuschung.
Luca Hammer, Datenanalyst

Fazit: Entscheidend bleibt die Filterblase der Facebook-User

Unter den 100 erfolgreichsten Facebook-Posts zum Thema Klimawandel stammt über die Hälfte von etablierten Medien. Sie dominieren in der Analyse die Debatte rund ums Klima. Erst dahinter folgt eine Reihe von rechten Meinungsbeiträgen, allen voran von der AfD, aber auch von rechtspopulistischen Influencern.  

Den meisten Facebook-Nutzern wird das aber nicht immer auffallen: Denn der Algorithmus sorgt dafür, dass User sich in einer sogenannten "Filterblase" bewegen – also überwiegend Inhalte angezeigt bekommen, die sowieso ihre eigene Meinung widerspiegeln.

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