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Cybersicherheits-Konferenz - Europa darf keine Digitalkolonie werden

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Freiheit und Wohlstand bleiben nur, wenn sich die EU digital freischwimmt. Wie schwierig das ist, wurde auf der Münchner Cybersicherheits-Konferenz beraten. Der Druck ist groß.

Mikrochip auf einer Leiterplatte
Eine der europäischen Abhängigkeiten: Die Chip-Herstellung.
Quelle: imago

Daimler hat mehrere tausend Betriebsangehörige in Kurzarbeit geschickt. Der Grund: Chipmangel. Die eigentliche Ursache: Fehlende digitale Souveränität.

Mehr Spionageangriffe

Sicherheitspolitiker fürchten, dass die chinesische Regierung in Krisenzeiten den Mobilfunk in Europa lahmlegen könnte. Der Grund: Im 5G-Mobilfunknetz soll Vermittlungstechnik von Huawei eingesetzt werden. Die eigentliche Ursache: Fehlende digitale Souveränität.

Der chinisische Konzern Huawei würde gern das Mobilfunknetz 5G in Deutschland bauen, aber in der Politik regt sich Widerstand. 5G führt zu Streit zwischen Deutschland und China.

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Die Zahl der Spionageangriffe auf führende Technologieunternehmen in Europa ist rasant gestiegen. Der Grund: Sicherheitslücken wie zum Beispiel die der Exchange-Server. Die eigentliche Ursache: Fehlende digitale Souveränität.

Einheitliche Digitalstrategie fehlt noch

Das sind nur drei Beispiele von vielen, die auf der Münchner Cybersecurity-Konferenz am vergangenen Donnerstag und Freitag von mehr als 1.000 Teilnehmern und knapp 60 Vortragenden und Panel-Diskutanten debattiert wurden. Die Konferenz fand pandemiebedingt digital und nach der eigentlichen Münchner Sicherheitskonferenz statt.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat heute den „Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2020“ vorgestellt.

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Die Stoßrichtung war klar: Europa muss seine digitale Souveränität zurückgewinnen. Wenn das nicht klappt, droht völlige Abhängigkeit von anderen Staaten, massiver Verlust an Arbeitsplätzen und Wegbrechen des Wohlstands, aber auch der Verlust der politischen Freiheit.

"Wir haben das Problem erkannt und gehen es an", sagte Margrethe Vestager, Vize-Präsidentin der EU-Kommission, in ihrer Keynote zur Eröffnung der Konferenz. So wird die EU-Kommission zum Beispiel erhebliche Mittel zum Aufbau einer europäischen Chipproduktion bereitstellen.

Damit soll die Abhängigkeit von amerikanischen und asiatischen Halbleiterherstellern gemildert werden.

Digitale Lieferketten sind für die europäischen Staaten extrem wichtig geworden.
Margrethe Vestager, Vize-Präsidentin der EU-Kommission

Es geht um die digitale Freiheit jedes Bürgers

Von ihnen hängen nicht nur große Automobilhersteller ab. "Es geht um die digitale Souveränität für den einzelnen Bürger", erklärt Werner Strasser, Chef des österreichischen IT-Unternehmens Fragmentix.

Denn der hatte früher Anwendungssoftware auf seinem PC direkt installiert. Das ist heute oftmals nicht mehr so. Installiert ist auf dem eigenen Rechner nur noch ein Zugang zur Software-Cloud.

Abhängig von der Cloud

Von Word über Excel bis Premiere, diese Programme werden immer öfter nicht mehr auf den Rechnern vor Ort installiert, sondern es gibt nur einen Zugang zur Hersteller-Cloud. Und wenn nun bestimmte Anwender oder gar ein ganzes Land oder eine Region von der Software-Cloud abgehängt werden, dann kann auch der einzelne Bürger mit dieser Software nicht mehr arbeiten.

Für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen hat das fatale Folgen. Dafür gibt es Beispiele: Die US-Regierung etwa hatte vor eineinhalb Jahren Adobe angewiesen, Nutzerkonten in Venezuela zu deaktivieren.

Das Land stand tagelang still. Deshalb betonten die Sicherheitsexperten auf der Konferenz: Digitale Souveränität heißt auch: Souveränität beim Softwareeinsatz.

Wie hält Europa es mit den USA?

"Wir müssen uns im Mobilfunk, bei den Halbleitern, bei Quantencomputern und im Cloudcomputing unabhängig machen", forderte deshalb Thomas Enders, der frühere Airbus-Chef und jetzige Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Die digitale Souveränität in diesen vier Bereichen ist nach Meinung vieler Experten ganz entscheidend für die weitere Entwicklung Europas. Strittig ist dabei, wie unabhängig sich Europa von den USA machen soll.

"Die europäische Souveranität muss transatlantisch koordiniert sein", warnte zum Beispiel Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. "Aber dabei dürfen wir China nicht einseitig auf die Anklagebank setzen", mahnte Sir Julian King, der frühere EU-Kommissar für die Sicherheitsunion.

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