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Abgemagert auf 30 Kilogramm : Wie Lara durch Instagram magersüchtig wurde

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Erst sind es nur Diättips, dann wird es Magersucht: Die perfekten Körper auf Instagram haben die 15-jährige Lara krank gemacht. Kritiker wollen die Plattformen stärker regulieren.

Logo von Instagram
Das Logo von Instagram: Wie schädlich ist das soziale Netzwerk für die Psyche von Jugendlichen?
Quelle: reuters

Lara ist 1,59 Meter groß. Ende vergangenen Jahres wiegt sie noch etwas über 30 Kilogramm. Über Monate hat sich das heute 15-jährige Mädchen runtergehungert. An manchen Tagen isst sie eine Orange, an anderen gar nichts. "Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, ich hatte Hass auf Menschen, ich habe mich in meinem Zimmer abgekapselt", sagt sie.

Lara, die eigentlich anders heißt, ist magersüchtig. Und Instagram spielt dabei eine zentrale Rolle. Am Anfang schaut sie sich Accounts von jungen Mädchen an, die Diättipps geben und zu Fotoshoots gehen. "Du kriegst mehr Freunde, wenn du fit bist", heißt es zwischen den Zeilen in ihren Posts. Lara beginnt, Kalorien zu zählen. Ihre Grenze: 1.200 am Tag. Getrieben von einem Wunsch:

Ich wünschte, ich würde auch so aussehen. Wenn die so schön sind, kann ich auch so schön sein.
Lara (15) über Instagram-Vorbilder

Psychische Erkrankungen haben stark zugenommen

Im Dezember 2021 kommt Lara in die Klinik. Dort wird sie fast fünf Monate bleiben. "Jede Behandlung beinhaltet, dass ich etwas tue, was ich eigentlich nicht möchte, nämlich an Gewicht zunehmen", sagt Jugendpsychiater Jakob Florack, der Lara behandelt. Er diagnostiziert auch eine sogenannte Körperschemastörung: "Ich habe eine normale Figur, denke aber, ich wäre übergewichtig."

Emely, Marie und Julia haben im Lockdown soziale Ängste entwickelt. Magersucht, Depression und Schulangst prägen ihren Alltag - eine Therapie hilft ihnen.

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Seit Corona treten derartige Diagnosen vermehrt auf. Vor dem Lockdown habe er etwa zwei bis drei Patientinnen behandelt. Inzwischen sind es zwölf bis 13. Laut einer DAK-Studie von 2021 ist die Zahl junger Patienten mit starkem Untergewicht um mehr als ein Drittel gestiegen. Für Florack spielt auch Instagram dabei eine Rolle:

Die wenigsten Beiträge bei Instagram zeigen Scheitern. Hochgeladen werden immer die Erfolge. Damit vergleichen sich Jugendliche und denken: Mist, die sind ja alle viel schöner als ich.
Jugendpsychiater Dr. Jakob Florack (Vivantes Klinikum) über Instagram-Druck

"Instagram sucht nach Deiner Verletzlichkeit"

Genau so ist Instagram programmiert, sagt die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin und Whistleblowerin Frances Haugen: "Bei Instagram geht es darum, Lebensstile und Körper zu vergleichen." Instagram suche nach den Schwächen der Nutzer und versuche, sie immer weiter in die Tiefen des Netzwerks zu locken. Die Facebook-Tochter Instagram wisse sehr genau, wie schädlich sie für die psychische Gesundheit junger Nutzer sei.

Whistleblowerin Frances Haugen erhebt schwere Vorwürfe gegen Facebook-Tochter Instagram. Der Algorithmus suche gezielt nach den wunden Punkten von Nutzern, sagt sie im ZDF (engl.).

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Facebook-Chef Mark Zuckerburg hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Studien, die Haugen öffentlich machte und auf die sie sich berufe, seien aus dem Kontext gerissen worden. Allerdings hatten Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" mit Hilfe selbst angelegter Fake-Accounts ergeben, dass Instagram Jugendliche nicht effektiv genug vor Darstellungen von Magersucht schütze.

Regulierung von Netzwerken gefordert

Eine Erfahrung, die auch Lara gemacht hat. Obwohl sie vielen Accounts mit Diättipps längst entfolgt sei, schlage ihr Instagram immer noch Beiträge mit unnatürlich dünnen Mädchen vor. Markus Beckedahl, Mitgründer der Digitalkonferenz re:publica, die gerade in Berlin stattfindet, fordert deswegen eine gesetzliche Regulierung sozialer Netzwerke. Unter anderem müssten Wissenschaftler Datenzugang bekommen, um die Mechaniken der Plattformen untersuchen zu können.

Lara hat inzwischen wieder zugenommen - elf, zwölf Kilo. Noch geht sie tagsüber in die Klinik, zur Therapie. Manchmal hat sie auch noch einen Rückfall. Dann sage der Kopf: "Nimm zu". Doch die Essstörung rufe: "Nimm ab." Es ist ein Kampf, den sie gewinnen will. Helfen würde ihr, wenn Instagram und TikTok Magersucht-Inhalte verbieten würden. Sie fragt sich: "Wieso darf ich bei Instagram Leute sehen, die wie Skelette aussehen"?

Auch Influencer spüren psychischen Druck:

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