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Anfällig für Fakenews? Auch Charaktersache

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Studie der Universität Ulm - Anfällig für Fakenews? Auch Charaktersache

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Infos zum Coronavirus sind fruchtbarer Boden für Fake News und Filterblasen. Ob man ihnen glaubt, hängt laut einer Studie der Uni Ulm auch mit bestimmten Charakterzügen zusammen.

Verschiedene Social-Media-Apps auf einem Handy. Archivbild
Ob man anfällig ist für Fake News und Filterblasen hängt auch von Charakterzügen ab. Archivbild
Quelle: Yui Mok/PA Wire/dpa

Der beste Schutz vor falschen Informationen aus dem Netz ist: viele Quellen lesen, am besten on- und offline. Klingt erstmal einfach. Ob wir das wirklich tun, ist auch in unserer Persönlichkeit verankert.

Professor Christian Montag, Leiter der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, hat in mehreren Studien die Eigenschaften von Social-Media-Nutzern untersucht. Im Interview mit ZDFheute sagt er:

Es gibt Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit und dem Konsumieren der Anzahl unterschiedlicher Medien.

Offenheit schützt vor Fake News

Zwei Charakterzüge spielen dabei eine besondere Rolle. Zum Einen: "Offenheit für Erfahrung steht positiv in Zusammenhang mit der Anzahl an Nachrichtenmedien, mit denen man sich über das Tagesgeschehen informiert", so der Psychologieprofessor.

Wer offener ist, läuft also seltener Gefahr, sich in Filterblasen abzuschotten und dort auf Fake News hereinzufallen. Die Studie zeigt zudem: Probleme in den Persönlichkeitsstrukturen, die man auch im Alltag hat, werden online verstärkt.

Das Netz bringt unsere Schwächen ans Licht

Zum Anderen: "Wir wissen, dass neurotische Personen anfälliger für Sucht-Tendenzen im Online-Bereich sind. Sie neigen also eher zu exzessiver Internetnutzung", sagt Montag. So ergibt seine Studie auch, dass Menschen, die sich nur über den News-Feed sozialer Medien informieren, neurotischer sind als regelmäßige Zeitungsleser.

Er erklärt: "Neurotische Personen sind eher emotional instabil, ängstlich und neigen zu depressiven Verstimmungen". Weil sie mehr Zeit im Netz verbringen, halten sie sich also eher in Filterblasen auf.

Twitter ist auf einem Smartphone zu sehen. Archivbild

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Anfälligkeit steigt in Krisenzeiten

Filterblasen sind deshalb so gefährlich, weil sich immer mehr Leute nur in den sozialen Medien informieren. Dort selektieren Algorithmen Meinungen und Informationen, die mit dem bisherigen Weltbild der Nutzer übereinstimmen. Der Blick für andere Sichtweisen geht dadurch verloren. Der User bleibt also in seiner Blase und glaubt leichter Falschnachrichten. Das ist gerade während einer Pandemie besonders kritisch.

Viele Social-Media-Nutzer haben noch etwas gemeinsam: Sie sind aufgeschlossener und kontaktfreudiger als Nicht-Nutzer. Vermutlich ist das auch der Grund, warum Menschen derzeit viele Informationen über das Coronavirus in Messenger-Apps weiterleiten, auch fragwürdige.

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Verändern Medien die Persönlichkeit?

Dass Falschnachrichten und Filterblasen in den sozialen Medien einen schlechten Einfluss auf uns haben und den gesellschaftlichen Umgangston verrohen lassen, wird schon lange diskutiert. Die Ulmer Studie hat sich auch mit dieser Thematik beschäftigt:

"Es ist wahrscheinlicher, dass die Persönlichkeit eines Menschen Einfluss darauf nimmt, welches News-Medium man nutzt, als dass das Konsumieren eines News-Mediums auf Dauer die Persönlichkeit verändert“, lautet das Fazit des Psychologen Montag.

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