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Support-Ende für Windows 7 - Bloß keine Panik

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Microsoft stellt die Unterstützung für sein Betriebssystem Windows 7 am 14. Januar ein. Das sorgt für Panikmache und Untergangsszenarien. Doch die sind unangebracht.

Für Windows 7 wird es keine Sicherheits- und Softwareupdates mehr geben. Das Betriebssystem kann trotzdem weiterhin genutzt werden, allerdings raten Sicherheitsexperten davon ab.

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Unternehmensberater und IT-Dienstleister wittern das große Geschäft mit der Angst. Nachdem Microsoft am kommenden Dienstag zum letzten Mal Software-Updates und Sicherheitspatches für alle Windows-7-Rechner veröffentlichen wird, prognostizieren sie für die Folgezeit den Computer-GAU.

Goldene Zeiten für IT-Unternehmensberater

Für die Schwarzmalerei gibt es vor allen Dingen einen Grund: Damit lässt sich gutes Geld verdienen. In Werbeschreiben wird da zum Beispiel ein "Komplett-Umstellungsservice auf Windows" für pauschal 900 Euro angeboten, pro PC versteht sich. Diverse Computerhändler sagen voraus, die alte Hardware würde unter Windows 10 gar nicht mehr laufen. Neugeräte seien dringend erforderlich.

Wer nach dem Stichtag für das Support-Ende noch PCs mit Windows 7 einsetze, werde todsicher Opfer einer Ransomware-Attacke, war in einigen Medien zu lesen. Bei Ransomware-Attacken verschlüsselt eine Schadsoftware zum Beispiel die Daten auf den Festplatten des Computersystems. Dem PC-Besitzer wird ein Entschlüsselungscode nur gegen Zahlung eines Lösegeldes angeboten. Schäden auf alten Windows-7-Systemen in Milliardenhöhe werden derzeit gern prognostiziert.

Viele Unternehmen arbeiten noch mit Windows 7

Für weitere Unsicherheit wird ab der nächsten Woche das Upgrade-Pop-up von Microsoft sorgen. Regelmäßig werden dann auf den Bildschirmen der Windows-7-Systeme Fenster aufgemacht, die dazu auffordern, auf Windows 10 zu wechseln.

Das Support-Ende für Windows 7 wird also als dramatisches Ereignis inszeniert. In verschiedenen Studien wird darauf aufmerksam gemacht, dass mehr als ein Drittel der Privatnutzer und sogar fast die Hälfte der mittelständischen und großen Unternehmen noch Windows 7 verwenden.

Ist die Umstellung von Windows 7 auf Windows 10 wirklich sinnvoll?

Die erforderliche Umstellung auf ein neues aktuelles Betriebssystem muss also flächendeckend sein. Sie braucht deshalb Zeit. Und diese Zeit - so wird suggeriert - hätten wir nicht mehr. Oder?

Die IT-Welt wird nach dem 14. Januar nicht untergehen.
Peter Rennert, IT-Serviceleister

Das meint Peter Rennert, Mitinhaber eines Fachunternehmens für IT-Service im Großraum Stuttgart und mahnt zur Zurückhaltung. Er hält überhaupt nichts von den Schreckensszenarien, die jetzt an die Wand gemalt werden.

Mehr Zeit für eine Umstellung brauchen vor allen Dingen Behörden und Geschäftskunden. Denen bietet Microsoft immerhin für drei Jahre eine Support-Verlängerung an. In der Zeit wollen sogar die IT-Verantwortlichen des Berliner Senats die Umstellung auf Windows 10 geschafft haben.

Viele Sicherheitslücken wurden ohnehin nicht geschlossen

Privatanwender sollten den Umstieg auf ein aktuelles Betriebssystem ins Auge fassen. Allerdings wird die Sicherheitslage für Windows-7-Systeme nach dem 14. Januar nicht sofort eine wesentlich andere sein als vor dem 14. Januar. Bisher hat Microsoft einen Großteil der bekannt gewordenen Sicherheitslücken allmonatlich durch Updates und Patches geschlossen.

Viele Sicherheitslücken sind auch bisher nicht geschlossen worden, weil Militärs oder Sicherheitsbehörden damit arbeiten und deshalb einen entsprechenden Patch verhindert haben. Je mehr Sicherheitslücken bekannt, aber nicht geschlossen werden, desto eher lohnt es sich für Online-Kriminelle, die davon betroffenen Systeme anzugreifen und zum Beispiel Erpressungssoftware aufzuspielen.

Sicherheitslage verändert sich nicht schlagartig

Im Falle von Windows 7 wird es aber für Geschäftskunden weiterhin Sicherheitsupdates geben. Die jeweils bekanntgewordenen Sicherheitslücken werden also geschlossen, wenn nicht ein Geheimdienst oder eine andere Regierungsstelle das verhindert.

Attraktiv für Erpressungsversuche krimineller Hacker sind aber Geschäftskunden, weniger die privaten Nutzer von Windows-7-Systemen. Und deren Systeme werden für drei weitere Jahre geschützt.

Während dieser Zeit wird die Zahl der Windows-7-Systeme zurückgehen. "Kriminelle greifen Betriebssysteme mit hoher Verbreitungszahl lieber an, weil sich ihre Investitionen dann eher lohnen", darauf hat Udo Schneider vom japanischen Sicherheitsunternehmen Trend Micro schon beim Suppportende von Windows XP vor mehr als fünf Jahren aufmerksam gemacht.

Schon allein die abnehmende Zahl der Windows-7-Installationen verringert deutlich die Attraktivität für Angreifer. So bleibt also genügend Zeit für die jetzigen Windows-7-Anwender sich zu überlegen, wie sie mit dem Supportende umgehen.

Upgrade auf Windows 10 bleibt kostenlos

Das Upgrade auf Windows 10 gibt es übrigens entgegen der offiziellen Darstellung von Microsoft immer noch kostenlos. Allerdings empfiehlt es sich, vor einem Upgrade auf Windows 10 alle Daten mit einem Backup zu sichern. So mancher Upgrade-Versuch ist schon schief gegangen und hat die auf dem Computer gespeicherten Daten mit ins Upgrade-Nirwana genommen.

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