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Telegrams Deutschland-Expansion - Zwischen Extremismus und Geschäftsinteresse

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Der Messengerdienst Telegram wächst und verändert sich rasant. Erstmals schaltet er Werbung, bald soll die Plattform Geld abwerfen. Extremistische Inhalte werden weiter toleriert.

Messenger Telegram
Telegram: Für Millionen Deutsche die Messenger-App ihrer Wahl (Archivbild)
Quelle: imago

Der Streit um neue Nutzungsbedingungen und Datenschutz beim Messenger-Dienst Whatsapp wirbelt den App-Markt in Deutschland und weltweit durcheinander.

Prominente rufen zum Whatsapp-Boykott auf. Konkurrenzdienste wie Telegram und Signal haben dieser Tage solche Zuwachsraten, dass die Betreiber nach eigenen Angaben gar nicht mehr hinterherkommen, neue Server hinzu zu schalten.

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"In den letzten 72 Stunden sind mehr als 25 Millionen neue Nutzer überall auf der Welt Telegram beigetreten", schrieb das Unternehmen am Donnerstag in einer Nachricht an alle mehr als 500 Millionen Nutzer.

Telegram ist bekannt für laxen Umgang mit Extremismus

Diese Millionen neue Nutzer treten historisch gewachsenen Plattformen bei - mit Eigenarten und teils eigenen Kontroversen. Bei Telegram ist das vor allem der Umgang mit extremistischen Inhalten.

Ursprünglich programmiert, damit Dissidenten in autokratischen Regimen sicher kommunizieren können, hat sich Telegram zu einem Rückzugsort für Extremisten entwickelt: Pandemieleugner, Rechtsextremisten und sogar kriminelle Organisationen können dort weitgehend ungestört kommunizieren.

Anders als bei Plattformen wie Facebook oder Youtube greift bei Telegram auch das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) nicht, auf dessen Basis Hass aus dem Netz entfernt werden kann.

Icon von whatsapp

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von Oliver Klein

BKA: "Telegram nicht kooperativ"

Zwar berichteten Medien, dass in Folge der Stürmung des Kapitols vereinzelt englischsprachige Kanäle von QAnon und anderen Gruppen gelöscht wurden, für Deutschland trifft das aber bislang nicht zu.

Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten zahlreiche Telegram-Kanäle mit extremistischen Inhalten. Das Bundeskriminalamt erklärte auf ZDFheute-Anfrage am Freitag:

Erfahrungsgemäß ist Telegram nicht kooperativ, Inhalte werden nicht gelöscht.
Bundeskriminalamt

Auch ZDFheute konnte keine Reduzierung der Aktivität deutschsprachiger extremistischer Kanäle in Folge der Kapitol-Stürmung feststellen.

Rasantes Wachstum extremistischer Kanäle während Pandemie

Der Extremismus-Forscher Josef Holnburger erfasst seit dem Frühjahr 2020 die Abonnentenzahlen großer deutscher Telegram-Kanäle. Seine Zahlen belegen ein rasantes Wachstum und dass die erfolgreichsten Kanäle im deutschsprachigen Telegram nahezu alle Extremismus und Verschwörungserzählungen verbreiten.

Ergänzung 16.01.2021: Der Kanal mit den meisten Abonnenten ist aktuell der "Corona-Infokanal des Bundesministeriums für Gesundheit" mit mehr als 475.000 Abonnenten. Jedoch ist diese Nutzerzahl nicht wie die restlichen Kanäle natürlich gewachsen - der Kanal wird allen aus Deutschland stammenden Nutzern automatisch vorgeschlagen.

Deutschland gehört zu den wichtigsten Märkten für Telegram. Die jüngsten Zahlen sind vom Juli 2019, damals, vor dem großen Ansturm, nutzten laut Statista bereits 7,8 Millionen Deutsche Telegram.

Erstmals schaltet Telegram Werbung – zumindest indirekt

Bislang setzte Telegram vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda, wie Empfehlungen von Aktivisten oder AfD-Abgeordneten, ihnen von Facebook und Co. zu Telegram zu folgen. Seit Kurzem ändert sich das.

Zusammen mit dem chinesischen Handy-Giganten Huawei schaltet Telegram seit Herbst 2020 Werbeclips auf Youtube und Facebook. In diversen Sprachen – von Deutsch bis Arabisch – wird "eure Lieblingsapp" Telegram dort mit Sätzen wie "deine Kommunikation ist Privatsache und geht niemanden etwas an", beworben.

"Eine wachsende Beliebtheit bei Nutzern in Deutschland, darum wurde Telegram ausgewählt", begründet ein Huawei-Sprecher die Kooperation gegenüber ZDFheute. Geld sei für die Werbemaßnahmen nicht geflossen, Telegram hätte der Verwendung seiner Marke lediglich zugestimmt.

"Alle Fragen bezüglich Informationssicherheit müssen Sie an Telegram stellen", blockt der Sprecher kritische Nachfragen zu extremistischen Inhalten bei Telegram ab. Telegram selbst reagierte - wie in der Vergangenheit - bereits mehrfach nicht auf Anfragen von ZDFheute.

Rechtsextremismusforscher Matthias Quent erklärt, wie sich die Bewegung "Querdenker" radikalisiert und welche Verbindungen sie zur rechten Szene hat.

Beitragslänge:
22 min
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Telegram möchte künftig Geld verdienen

Bislang verdient das verschwiegene, aktuell in Dubai ansässige, Unternehmen kein Geld mit seiner Plattform. Auch das soll sich ändern.

Am 23. Dezember kündigte Gründer Pavel Durov an, Telegram künftig monetarisieren zu wollen. "Ein Projekt unserer Größe benötigt mindestens ein paar hundert Millionen Dollar pro Jahr, um bestehen zu können", schrieb Durov auf Telegram.

Durov nannte mehrere Optionen, wie das ablaufen könnte: Anzeigen-Server, die automatisiert Werbung auf populären Kanälen schalten, oder von Nutzern gekaufte Bezahlinhalte wie Sticker und Emojis.

Dabei ist jedoch fraglich, welche Anzeigenkunden im Umfeld von großen extremistischen Telegram-Kanälen Werbung schalten würden.

Fazit: Telegram hat eine große Verantwortung

Das Unternehmen Telegram ist mitten in einem Wandlungsprozess: Für welche Inhalte, für welche Nutzer möchte man bekannt sein?

Sorgen die Millionen neuen Nutzer dafür, dass extremistische Inhalte auf Telegram künftig eine geringere Rolle spielen werden? Oder nimmt Telegram in Kauf, dass Extremismus und Verschwörungsglaube neue Anhänger finden?

Rasanter Anstieg durch Corona -
Warum Telegram und Co. durch Corona boomen
 

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Videolänge
2 min
von Peter Welchering
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