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Cybergefahr: Schutzlose Wasserwerke

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Digitale Schwachstellen - Cybergefahr: Schutzlose Wasserwerke

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Sicherheitsüberprüfungen bei Wasserwerken in Berlin, Ettlingen und im Ruhrgebiet haben digitale Schwachstellen aufgedeckt. Doch die Bundesregierung will die Probleme nicht sehen.

Wasserreservoir eines Wasserwerks
Unser Trinkwasser: Wie sicher ist es vor Cyberangriffen?
Quelle: dpa/Michele Danze

Es gehört einfach zum Alltag: Hahn aufdrehen, und schon sprudelt sauberes Trinkwasser heraus. Oder die Toilette spülen per Knopfdruck. Genau diese Selbstverständlichkeiten sind aber hochgradig gefährdet.

Pumpwerke sind oft nur minimal gesichert

Gegen digitale Angriffe sind viele Wasserwerke nur unzulänglich gerüstet. Über unzureichend gesicherte Industriesteuerungen können Angreifer Pumpen ausschalten. Die Folge: Aus den Wasserhähnen kommt nichts mehr. Über schlecht oder falsch konfigurierte Firewalls dringen Hacker in die Leitstelle eines Wasserwerks ein und können zum Beispiel den Druck in Rohrleitungen erhöhen, bis sie platzen.

Kriminelle können ohne große Anstrengung einfach ein Pumpwerk aufbrechen. Das ist oft ein kleiner grauer Kasten am Straßenrand. Darüber kann der Angreifer dann in größere Schaltsysteme eindringen und sie manipulieren. Die Folge: Abwässer kommen dann ungeklärt in Flüsse. Abwasserkanäle laufen voll, die Brühe kommt dann durch die Gullys hoch.

Für einen Großteil der Wasserwerke gelten nur geringe Sicherheitsstandards. "Die kommunalen kleinen Wasserwerke sind in der Regel nicht als kritische Infrastruktur eingestuft", berichtet Manual Atug, Gründer und Sprecher der AG Kritis, einer Arbeitsgemeinschaft, die sich um sogenannte kritische Infrastrukturen kümmert.

Bundestag thematisiert sichere Wasserversorgung

Wasserwerke, die nicht als kritische Infrastruktur eingestuft sind, müssen auch nicht den Anforderungen nach dem IT-Sicherheitsgesetz genügen. Dass es bisher zu keinen größeren Ausfällen in der Wasserversorgung aufgrund digitaler Attacken gekommen ist, bezeichnen viele Sicherheitsexperten als reines Glück.

Netzwerkkabel

Kritische Infrastruktur -
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von Peter Welchering

Deshalb wurde und wird das Thema auch im Deutschen Bundestag diskutiert. Unter anderem gab es eine Kleine Anfrage von Lukas Köhler und Kollegen von der FDP-Bundestagfraktion, die die Regierung jetzt beantwortet hat. Und diese Antwort hat für erhebliche Irritationen gesorgt.

Dringender Handlungsbedarf

"Es wird an vielen Stellen eigentlich transparent, dass die Bundesregierung keinen geordneten und strukturierten Überblick hat und Maßnahmen oder Ansätze irgendwie sehr diffus darstellt", fasst Sicherheitsexperte Manuel Atug seinen Eindruck der regierungsamtlichen Antwort zusammen.

Es wird an vielen Stellen transparent, dass die Bundesregierung keinen geordneten und strukturierten Überblick hat und Maßnahmen oder Ansätze irgendwie sehr diffus darstellt.
Manuel Atug, Sicherheitsexperte

Immerhin räumt die Bundesregierung ein: "Auch kommunale kleine und mittlere Unternehmen der Wasserversorgung sind grundsätzlich vergleichbaren Risiken im Bereich der Cybersicherheit ausgesetzt, haben jedoch nicht immer auch vergleichbare Ressourcen und Mittel wie größere Unternehmen zur Verfügung."

Bisher kein Lösungsvorschlag

Wie das geändert werden soll, dazu macht die Bundesregierung allerdings keine Angaben. Für den Bundestagsabgeordneten Lukas Köhler von der FDP-Fraktion ein Unding. "Die Bundesregierung hat aber noch keine wirkliche Vorstellung, in welche Richtung sie im IT-Sicherheitsgesetz in Richtung Wasser und Wasserversorgung gehen möchte", bemängelt der FDP-Abgeordnete.

"Die Bundesregierung könnte das Problem mit einer Verordnung lösen", meint Manuel Atug. Denn sie legt fest, ab wann Betriebe so wichtig sind, dass sie zur kritischen Infrastruktur gehören. Bei Wasserwerken ist das zum Beispiel der Fall, wenn sie jährlich so viel Wasser an ihre Kunden liefern, wie es durchschnittlich von 500.000 Menschen verbraucht wird.

"Hier sollte man tatsächlich mal eine Risikoanalyse machen, den Bedarf feststellen und auch einen Regel-Schwellenwert ansetzen, der dem Bedrohungsszenario angemessen ist", fordert Sicherheitsexperte Atug.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien macht das Stromnetz anfälliger für Hacker-Angriffe. Denn Wind-, Solar- und Wasserkraft produzieren nicht nur Strom, sondern auch jede Menge Daten.

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28 min
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