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drehscheibe vom 18. November 2020

48 min
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18.11.2020
18.11.2020
Video verfügbar bis 18.11.2021

Der Wald ist in Gefahr. Drei trockene Sommer in Folge und Scharen von Borkenkäfern haben ihn geschwächt, und ein Besucheransturm im Corona-Jahr 2020 belastet ihn noch zusätzlich.

Wie reagieren Waldbesitzer, Forscher und Naturschützer auf die Bedrohung der grünen Lunge unseres Landes? Wirtschaftliche Interessen, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Bedürfnisse der Bevölkerung müssen dabei unter einen Hut gebracht werden.

Peter Wohlleben sorgt sich um das Ökosystem Wald angesichts des rasanten Verschwindens von unberührten Naturwäldern, des deutlichen Rückgangs von Wildtieren, achtlos weggeworfenem Müll und illegaler Grillplätze. Der populärste Förster Deutschlands, der durch seinen Buch-Erfolg "Das geheime Leben der Bäume" international bekannt geworden ist, hat deshalb seine Waldakademie gegründet. Mit Seminaren, Erlebnistagen im Wald und weiteren Events möchte er interessierte Bürger für die Bedürfnisse des bedrohten Ökosystems sensibilisieren und über nachhaltige Forstökonomie informieren.

Auch Uta Krispin ist Försterin, sogar Försterin des Jahres 2020. Doch anders als Peter Wohlleben ist sie nicht in großen TV-Talkshows zu finden, sondern hauptsächlich in ihrem Revier in Erfurt. "Wir Förster müssen täglich den Spagat zwischen wirtschaftlicher und ökologischer Verantwortung schaffen", sagt die 52-Jährige. Uta Krispin setzt sich besonders für eine bodenschonende Technik ein und nutzt – wo es geht – auch Pferde. "Die absolute Stadtnähe ist schon das Besondere in meinem täglichen Tun. Gerade jetzt, in Corona-Zeiten, merke ich einen enormen Besucherandrang im Wald", erklärt die Försterin. Wenn sie mit ihren Rückepferden Holz aus dem Wald holt, bleiben Waldbesucher oft stehen und staunen. Geduldig beantwortet die Försterin dann alle Fragen, denn Verständnis erzeugen und Wissen zu vermitteln ist ihr ein besonderes Anliegen.

Bei aller Freude über die wiederentdeckte Liebe der Deutschen zu ihrem Wald – die Verantwortlichen vor Ort sehen auch Probleme durch den hohen Besucherandrang. Ralf Hilgers ist Ranger im Nationalpark Eifel. In diesem Corona-Sommer registrierten er und seine Kollegen viele illegale Zeltplätze inklusive Feuerstellen und Müllberge, achtlos niedergetrampelte Pflanzen abseits der Wege, Party-Getöse mitten in der Nacht. "Ein Nationalpark hat seine eigene Dynamik. Wenn wir uns raushalten, kann hier wieder ein Stückchen Urwald entstehen", sagt Hilgers. Zu viele Besucher sind diesem Ziel nicht förderlich. Deshalb werden Ralf Hilgers und seine Kollegen auch in den kommenden Monaten ständig im Nationalpark Eifel unterwegs sein, um für Ordnung zu sorgen.

Doch das größte Problem für den Wald ist die anhaltende Dürre. Sie fördert die Gefahr von Schädlingsbefall und unkontrollierbaren Bränden. Nils Redde, Forstunternehmer aus Ruppichteroth, holte im Sommer 2020 ungewöhnlich viel Schadholz aus den Wäldern in Nordrhein-Westfalen. "Das tote Holz muss weg, denn sonst könnte darin der Borkenkäfer gemütlich überwintern. Außerdem brennt es wie Zunder", weiß der erfahrene Forstwissenschaftler. Die örtlichen Feuerwehren sind ständig in Alarmbereitschaft, denn jede achtlos weggeworfene Kippe kann einen verheerenden Großbrand entfachen.

"Ein bisschen Herbstregen mindert die Gefahrenlage nicht wirklich", warnt Yvonne Hengst-Ehrhart von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Zusammen mit den Feuerwehren des Landes entwickeln sie und ihre Kollegen Strategien gegen Waldbrände, damit wir in Deutschland nicht ähnliche Feuersbrünste bewältigen müssen wie in Kalifornien.

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