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Formel E statt DTM

Ausstieg von Mercedes wirft viele Fragen auf

Mercedes verlässt nach 27 Jahren Ende 2018 die DTM, steigt dafür ein Jahr später in die Formel E ein. Der ein oder andere Hintergrund ist klar, es gibt aber auch noch offene Fragen.

DTM auf dem Lausitzring

Der eine Teil der Entscheidung kam selbst für Insider sehr überraschend, der andere eher nicht: Dass Mercedes in der Saison 2019/20 offiziell in die Formel E einsteigt, war beinahe vorauszusehen, seitdem sich die Stuttgarter schon vor einiger Zeit diese Option gesichert hatten. Aber der Ausstieg aus der DTM zum Saisonende 2018 ist schon ein gewaltiger Paukenschlag für die Motorsportwelt.

Womit sich natürlich die Frage nach den Hintergründen stellt: Sicher, die Attraktivität der DTM litt in den letzten Jahren doch unter einigen Krankheiten. Zuletzt waren es die Streitereien um die Zusatzgewichte, mit Alleingängen der Sporthoheit DMSB, aber auch der Blockade-Taktik zumindest eines Herstellers, die verhinderte, das leidige Thema komplett vom Tisch zu bekommen, die viele Fans nur noch den Kopf schütteln ließ. In den Jahren zuvor ärgerten sich die Zuschauer oft über allzu offensichtliche „Teamorder“ innerhalb der einzelnen Hersteller, wo der jeweilige Meisterschaftskandidat schon mal an zwei, drei oder auch vier Markenkollegen vorbei gelotst wurde oder im Titelkampf chancenlose Piloten als reine taktische Blockade eingesetzt wurden. Auch wenn hier zumindest bis jetzt in dieser Saison durch das neue Funkverbot zumindest ein wenig Besserung einkehrte.

Kartell-Vorwürfe einer der Gründe?

Das allein dürfte aber nicht der Grund für die doch sehr plötzliche Entscheidung gewesen sein: Vermutungen, dass auch die neuen Kartell-Vorwürfe mit ihren drohenden Milliardenstrafen eine Rolle gespielt haben könnten, werden in der Szene durchaus diskutiert. Parallelen zum Audi-Rückzug aus der WEC kurz nach Aufkommens des Diesel-Abgas-Skandals werden da gezogen.

Die große Frage ist freilich, wie es mit der DTM weitergeht. Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger, seit diesem Jahr als Chef der Dachorganisation ITR verantwortlich für die Serie, gibt sich zwar zuversichtlich: „Mercedes hat den Ausstieg mit weitem Vorlauf für Ende 2018 angekündigt. Damit bleibt der ITR Zeit, die Situation zu analysieren und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft aufzusetzen.“ Doch auch bei Audi hört man schon, dass man sich jetzt im Tourenwagen-Bereich eventuell andere Spielfelder suchen wolle. Was nicht für besonders gute Gesamt-Perspektiven spricht.

Formel E als wichtiges Marketing-Instrument

Die Motivation für den Einstieg von Mercedes in die Formel E ist klar: Im Moment scheint es für die meisten Automobilhersteller aus Marketinggründen geradezu Pflicht zu sein, ihre Modernität und Aufgeschlossenheit durch die Präsenz auf dieser Spielwiese der Elektromobilität unter Beweis zu stellen. Audi wird ab der nächsten Saison, 2017/18, BMW ab 2018/19 offiziell vertreten sein. Auch bei Porsche, wo Ende dieses Monats wichtige Entscheidungen über die eigene Motorsport-Zukunft fallen sollen, denkt man über einen Einstieg nach – eventuell auch parallel zu einem neuen Engagement als Motorenhersteller in der Formel 1.

In dieser Beziehung hat die Formel-E-Führung unter dem Spanier Alejandro Agag in den letzten Jahren wirklich starke Überzeugungsarbeit geleistet. Auch dank neuer Sponsoren steht die Serie inzwischen finanziell auf deutlich gesünderen Beinen als noch zu Beginn. Und auch immer mehr Städte interessieren sich dafür, ein solches Rennen ausrichten zu dürfen.

Die Probleme der Formel E

Die Akzeptanz beim großen Motorsport-Publikum scheint dagegen eher zu stagnieren: Zuschauerzahlen vor Ort und auch im TV steigen nicht unbedingt im vorher erwarteten Maß. Und der angedachten Verbreitung vor allem über soziale Medien und Streams steht dann in vielen Ländern – auch in Deutschland – doch wieder die klassischen TV-Recht im Weg, auch wenn die bei relativ kleinen Spartensendern liegen.

Und noch ein Problem könnte sich für die Formel E in Zukunft gerade aus dem Einstieg so vieler Premium-Hersteller ergeben: Die werden auf weitergehende Freigaben im Bereich Entwicklung drängen – um ihre technische Kompetenz unter Beweis stellen zu können. Damit droht aber ein bisheriger großer Vorteil der Formel E verloren zu gehen: die niedrigen Kosten. Bis jetzt lässt sich für einen Hersteller eine Saison mit 15 Millionen Euro gut finanzieren – einschließlich begleitender Marketing-Ausgaben. Kleinere Privatteams kommen sogar mit weniger als der Hälfte aus. In dem Moment, in dem der große Entwicklungswettlauf beginnt, dürfte das Geschichte sein – viele andere Rennserien, von Formel 1 über WEC bis DTM lassen grüßen.

Mercedes in der DTM bis heute:

  • 26 Saisons (DTM und ITC)
  • 10 Fahrer-Titel
  • 13 Team-Titel
  • 6 Marken-Titel
  • 183 Rennsiege
  • 128 Pole-Positions
  • 540 Podestplätze

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