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1. FC Köln: Aufsteiger mit Ruhebedürfnis

Den eifrigen Fahrstuhlfahrern vom 1. FC Köln gelingt mit dem 4:0 in Fürth der mittlerweile sechste Aufstieg in die Bundesliga - und bis es dort Mitte August in die neue Saison geht, wartet auf die Verantwortlichen des Geißbock-Klubs viel Arbeit.

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Der Redebedarf bei Armin Veh war nach dem endlich vollzogenen Aufstieg stark gedrosselt. Das sei der Abend der Spieler, ließ Kölns Sport-Geschäftsführer nach dem glatten 4:0 in Fürth ausrichten. Dazu gab’s einen erleichterten Blick ins Gesicht von Interimscoach André Pawlak, eine flüchtige Umarmung mit dem erfolgreichen Geburtshelfer der Rheinländer. Und dann setzte sich Veh erst mal auf die verwaiste Ersatzbank - zum SMS lesen.

Party in der Nürnberger Altstadt

Zum sechsten Mal (nach 1999/2000, 2002/03, 2004/05, 2007/08, 2013/14) haben die Kölner, durch den Sieg in Franken zugleich Zweitligameister, gerade erfolgreich den Fahrstuhl in die oberste Fußball-Etage genommen. Eine durch und durch harmonische Angelegenheit war das allerdings nicht. „Wir haben die Zweite Liga zum Teil auch unterschätzt. Wir hätten es sehr viel früher schaffen können, das ist schade“, meinte Innenverteidiger Rafael Czichos, ehe es zur Aufstiegsparty in eine Bar in der Nürnberger Altstadt ging.

Die letzte Bundesligarückkehr vor fünf Jahren erklärte der damalige Cheftrainer Peter Stöger noch primär damit, dass man eine sehr gut funktionierende sportliche Einheit gefunden habe. Diesmal musste Ober-Coach Markus Anfang drei Spieltage vor Schluss seine Sachen packen – auch, weil es intern offensichtlich nicht so rund lief, wie man das bei einem Tabellenführer erwarten könnte.

Dritte Krise war eine zu viel

Als Mittelfeldakteur Dominick Drexler nach dem blamablen 0:3 am Ostersonntag in Dresden um ein Statement gebeten wurde, blaffte er die Journalisten an: „Das machen die Stars.“ Sieben Tage und eine Niederlage (1:2 gegen Darmstadt) später kam für Anfang, dem prominente Angreifer wie Anthony Modeste und Simon Terodde angeblich etwas skeptisch gegenüberstanden, das Ende als FC-Trainer.

„Außerhalb von Köln versteht das keiner“, ahnte da selbst Sportchef Veh. Doch die dritte sportliche Krise in der laufenden Saison war dem Stuttgarter Meistertrainer von 2007 einfach eine zu viel. Das Vertrauen, mit einem Bank-Vorsteher Markus Anfang könne der Verein zu einer stabilen Größe in der höchsten Spielklasse werden, war dahin. Deshalb durfte U21-Coach Pawlak die FC-Kicker gleich in seinem ersten Spiel als Trainer der Profis zum letzten Trippelschrittchen in die Bundesliga führen. Während auf Veh nun einige Arbeit wartet.

Pawlaks zarte Hoffnungen

Von zentraler Bedeutung ist dabei naturgemäß die Besetzung des Cheftrainerpostens. Trotz des Aufstiegs bringt der dreimalige deutsche Meister gerade ein unruhiges Zweitligajahr zu Ende, nach dem es vor allem darum gehen wird, die löchrige Abwehr auf ein bundesligataugliches Niveau zu bringen.

Die letzte Rückkehr in die nationale Beletage im Mai 2014 glückte den Kölnern mit 20 Gegentoren, jetzt sind es zwei Runden vor Schluss bereits 41. Defensiven Stammkräften wie Czichos, Marco Höger oder Johannes Geis fehlt es an Tempo. Die Konteranfälligkeit der Domstädter in dieser Saison hat der 48-jährige Pawlak, der sich zumindest zarte Hoffnungen auf den Job in der Bundesliga machen darf, vor der Partie in Fürth bereits ausdrücklich bemängelt.

Seitenblick nach Mönchengladbach

Beim rheinischen Rivalen Mönchengladbach wird Übungsleiter Dieter Hecking in Kürze zwar durch Marco Rose ersetzt – gleichzeitig aber loben die Borussen das große Verdienst des 54-Jährigen, Team und Verein in den vergangenen zweieinhalb Jahren aus großen Turbulenzen in ruhiges Fahrwasser manövriert zu haben. Heckings Erfahrung, Unaufgeregtheit und gute Menschenführung könnten den einstigen Weggefährten von Armin Veh – die beiden spielten Mitte der 1980er ein Jahr lang gemeinsam in Gladbach – zum passenden Mann für den FC machen.

„Je weniger ich zu tun habe, desto besser ist es doch“, findet Veh – der durch seinen offensiv betriebenen Machtkampf mit Präsident Werner Spinner Anfang März auch mit dafür sorgte, dass die Kölner gerade auf der Suche nach einem neuen Klubchef sind.

Mit Rekordetat ins Oberhaus

Er habe eine Allergie auf Intrigen, erklärte Veh in dem Zusammenhang damals, kurz nach Spinners Rücktritt. Fehlende Meinungs- und Entschlussfreudigkeit jedenfalls kann man dem Sport-Boss des Geißbock-Klubs, der zumindest finanziell schon mal stabil ist und mit einem Rekordetat von 50 Millionen Euro in die Bundesliga gehen dürfte, nicht vorwerfen.

Zweitliga-Meister der letzten zehn Jahre

  • 2010: 1. FC Kaiserslautern
  • 2011: Hertha BSC Berlin
  • 2012: SpVgg Greuther Fürth
  • 2013: Hertha BSC
  • 2014: 1. FC Köln
  • 2015: FC Ingolstadt
  • 2016: SC Freiburg
  • 2017: VfB Stuttgart
  • 2018: Fortuna Düsseldorf
  • 2019: 1. FC Köln
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