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Ernstfall für Manuel Neuer

Fußball: Torwart muss sich gegen Österreich beweisen

Nachrichten | heute 19:00 Uhr - Ernstfall für Manuel Neuer

Manuel Neuer wird im Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich (Samstag/ab 17:25 Uhr live im ZDF) sein Comeback geben. Ein gewisses Risiko spielt mit. Aber Fehler von Torhütern gehören auch zu Deutschlands WM-Geschichte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.05.2019, 21:21

Es sind gemischte Erinnerungen, die die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit dem Wörtherseestadion von Klagenfurt verbindet. In dem 30.000 Zuschauer fassenden Stadion findet am Samstag (18 Uhr/ab 17:25 Uhr live im ZDF) der letzte Härtetest des Weltmeisters gegen Österreich statt.

Wettlauf mit der Zeit

In dieser eigens zur EM 2008 erbauten Spielstätte leistete sich die DFB-Auswahl  nach einem 2:0-Sieg gegen Polen gleich darauf im zweiten Gruppenspiel eine 1:2-Pleite gegen Kroatien, was Bundestrainer Joachim Löw bei seinem ersten Turnier anfangs in die Bredouille brachte. Immerhin ging es dann noch bis ins Endspiel nach Wien. Das Tor hütete bei dem Turnier durchgehend Jens Lehmann, der am Ende einen jahrelangen Zweikampf gegen Oliver Kahn zur Heim-WM 2006 gewonnen hatte. Die T-Frage spaltete zeitweise die Fußball-Nation.

Heutzutage ist das anders und Manuel Neuer die klare Nummer eins. Sofern er denn fit ist. Kein Thema bewegt im Vorlauf der Mission Titelverteidigung in Russland dermaßen: Kommt der 32-Jährige noch in WM-Form? Drei Brüche des Mittelfußes, acht Monate Zwangspause ließen Zweifel von der Höhe eines Alpenbergs wachsen. Selbst aus dem engeren Umfeld vom FC Bayern.

Optimismus pur

Manuel Neuer im Trainingslager zur Vorbereitung auf die Fußball-WM
Manuel Neuer im Trainingslager zur Vorbereitung auf die Fußball-WM
Quelle: dpa

Doch neuerdings herrscht in der Causa Neuer wieder Optimismus pur. Es ist auch zweitrangig, ob das bedingungslose Vertrauen des Bundestrainers, das gute Wetter in Südtirol, die gepflegten Rasenplätze der Sportzone Rungg den Heilungsprozess beschleunigten. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hat dem Kapitän eine Einsatzgarantie für den ersten Test gegeben. Zwei geheime Trainingsspiele gegen die eigene U20-Nationalmannschaft hat Neuer bestritten.

Weil er beim ersten (7:1) am Montag kaum gefordert wurde, hat er beim zweiten (2:0) am Mittwoch das Gehäuse der Nachwuchsleute gehütet. „Er hat auch einiges aufs Tor bekommen und ein paar sehr gute Paraden gehabt“, berichtete Löws Assistenztrainer Thomas Schneider. Nachzuprüfen war das ja nicht: Große Sichtplanen verdeckten den Trainingsplatz. Aber das Versteckspiel ist nun zu Ende: Unweit vom Wörthersee muss der blonde Hüne seinen Mann stehen – und auch dem öffentlichen Druck standhalten, denn unweigerlich wird jede Szene, ja jede Regung seziert.

Keine Schonhaltung mit dem Fuß

Was fehlt, sind schließlich Spielpraxis und Timing – und gerade letzteres ist im Trainingsbetrieb nur bedingt nachzuahmen. Hätte Neuer vor vier Jahren im WM-Achtelfinale in Porto Alegre gegen Algerien bei seinen waghalsigen Ausflügen auch nur eine Sekunde gezögert: Der vierte Stern würde kaum auf dem deutschen Trikot prangen. Und so bleibt ein doppeltes Restrisiko: dass einerseits der Stressknochen doch noch mal eine Reaktion zeigt; dass sich WM-Niveau nicht auf Knopfdruck erreichen lässt.

Anfang des Monats hatte der langjährige Fitmacher der Mannschaft, Oliver Schmidtlein, Skepsis angemeldet. Er halte eine bedenkenlose Eingliederung in den Wettkampf nicht so ohne weiteres für möglich, so Schmidtlein. Köpke beteuert nun: Sprungkraft, Beweglichkeit, alles sei wieder zu sehen. Und: „Er nimmt mit dem Fuß keine Schonhaltung ein.“ Aber Neuer benötigt nicht nur stabile Knochen, wenn er wirklich beim Auftakt gegen Mexiko (17. Juni) zwischen den Pfosten steht, sondern auch einen starken Kopf. Selbstzweifel dürfen sich nicht einnisten.

Kahn und der verletzte Finger

Die deutsche WM-Historie ist voll von Torwart-Geschichten. Mit vielen Triumphen, aber auch reichlich Tragik. ZDF-Experte Oliver Kahn kann ein Lied davon singen. 2002 beim Turnier in Japan und Südkorea agierte der Schlussmann des FC Bayern in der Form seines Lebens, schon im Training gab der „Titan“ fast eine übermenschliche Figur ab.

Seine Prachtparaden ebneten den Weg ins Endspiel, im Viertelfinale gegen die USA (1:0) bekam der deutsche Keeper seine Hände an eigentlich unhaltbare Bälle. Doch dann ließ dieser Garant im Finale einen Schuss von Ronaldo abprallen. Der Genickbruch bei der 0:2-Niederlage gegen Brasilien. Später hockte ein trauriger Tormann auf einem Schemel -  den zuvor verletzten Finger hatte er mit einem Verband umwickelt – und konnte die persönliche Tragik kaum fassen.

Schumacher packte der Übereifer

Toni Schumacher im WM-Finale 1986.
Toni Schumacher im WM-Finale 1986.
Quelle: dpa

Selbiges hatte auch Toni Schumacher 1986 in Mexiko erlebt. Seinen tollkühnen Taten und seinem guten Instinkt im Elfmeterschießen war es erst zu verdanken, dass es das Team von Franz Beckenbauer mit eher biederem Fußball bis in Finale brachte. Doch dann geschah das Malheur: Der Keeper des 1. FC Köln klagte über Beschäftigungslosigkeit und segelte vor dem 0:1 unter dem Ball hindurch.

„Als der Freistoß in den Strafraum flog, sagte ich mir: ‚Toni, den schnappst du dir jetzt.‘ Leider verschätzte mich.“ Ein folgenschwer Irrtum, der sich beim 2:3 gegen Argentinien letztlich nicht mehr reparieren ließ. „Auch die beiden anderen Tore hätte ich verhindert, wenn ich an diesem Tag gut drauf gewesen wäre“, sagte Schumacher einmal. Nichts hatte darauf hingedeutet. Was zeigt: Zwischen Held und Versager ist nirgendwo der Grat so schmal wie beim Torhüter. Den letzten Beleg lieferte dafür ja erst wieder das Champions-League-Finale mit der beinahe weltweit bemitleideten Figur Loris Karius.

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