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Systemausfall mit Folgewirkung

Nations League: DFB-Team nach dem 0:3 gegen Holland

Das Bewährungsspiel in Amsterdam gerät für Joachim Löw zum Reinfall. Nach dem 0:3 in den Niederlanden und dem drohenden Abstieg aus der Nations League steht der Bundestrainer im Auswärtsspiel bei Weltmeister Frankreich spürbar unter Druck.

Videolänge:
1 min
Datum:
14.10.2018
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2022, in Deutschland

Immerhin: Grußlos flüchtete der Verlierertrupp in den so merkwürdig schwarz-weiß gezackten Trikots nicht vom Ort der Demütigung. Strammen Schrittes ging Mats Hummels in der nach der niederländischen Fußball-Legende Johan Cruyff benannten Arena zur Ecke mit der deutschen Anhängerschaft.

Das war natürlich eine brutal enttäuschende Niederlage in der Höhe.
Joachim Löw

Der Abwehrchef hob die Hände, um Applaus zu klatschen, aber im Oberrang klafften schon riesige Lücken, nur wenige Unentwegte schwenkten noch die schwarz-rot-goldenen Fahnen. Dann erfolgte der kollektive Abmarsch in die Katakomben, während sich die Elftal derweil auf ihre verdiente Ehrenrunde machte. Ein 0:3 in der Nations League in den Niederlanden hat das Selbstverständnis der deutschen Nationalmannschaft empfindlich getroffen.

Déjà-vu in Amsterdam

Bundestrainier Löw (l-r), Assistenztrainer Marcus Sorg und Teammanager Oliver Bierhoff stehen vor dem spiel auf dem Platz
Bundestrainier Löw (v.l.), Assistenztrainer Marcus Sorg und Teammanager Oliver Bierhoff
Quelle: ZDF

Die DFB-Auswahl durchlitt keine drei Monate nach dem WM-Desaster ihr Déjà-vu-Erlebnis. Vieles erinnerte an das groteske 0:2 im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea: vorne erst die Tor-Phobie und hinten am Ende offen wie ein Scheunentor. Dazwischen fehlten Tempo und Esprit. Die zarten Zeichen der Besserung beim vermeintlichen Neustart gegen Frankreich (0:0) und Peru (2:1) sind nur einen Monat später schon wieder Makulatur.

"Das war natürlich eine brutal enttäuschende Niederlage in der Höhe", sagte der sichtlich getroffene Joachim Löw in der Pressekonferenz. "Nach dem 0:1 sind wir von unserer Linie abgekommen. Wir hatten dann zwei, drei gute Möglichkeiten, und im Training sind solche Bälle im Tor", meinte der Bundestrainer, der seine Mannschaft für den kollektiven Zusammenbruch in der Schlussphase rügte: "Was dann nicht passieren darf, dass wir so auseinanderfallen und keiner die Verantwortung übernimmt.“

Zuletzt vor elf Jahren so hoch verloren

Letztlich stand eine Niederlage, die in der 58-Jährige in dieser Höhe zuletzt 2007 erlebte - in einem unbedeutenden EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien. Diese Abreibung kommt für den Bundestrainer zur Unzeit, denn nicht nur Löws scharfzüngiger Kritiker Michael Ballack stellt infrage, ob der Südbadener wirklich der richtige Mann für die Neuausrichtung der A-Nationalmannschaft ist. Auch im DFB-Präsidium sitzen Skeptiker, Kritiker oder Zweifler, die sich allerdings öffentlich zurückhalten (sollen).

Spätestens aber bei der turnusgemäßen Sitzung am Freitag, auf der der für die Nationalmannschaft und die Fußballentwicklung zuständige Direktor Oliver Bierhoff ohnehin vom Aushängeschild berichten wollte, dürfte das Thema breiteren Raum einnehmen. Dass einige Mitglieder dafür plädieren, den Daumen in der Trainerfrage gänzlich zu senken, wenn beispielsweise im neuen Wettbewerbsformat Nations League ein Abstieg aus der A- in die B-Kategorie zu beklagen wäre (womit die Gegner dann Slowakei oder Nordirland statt Frankreich oder Holland heißen würden), gilt als sicher.

Bezeichnend, dass Löw in der Nacht zu Sonntag die vom Dolmetscher aus dem Englischen übersetzte Frage, ob dies eines seiner letzten Länderspiele gewesen sei, nicht verstand. "Für mich, oder was?" fragte er fast entgeistert. Sodann regte er einen Platztausch an, denn dafür sei er der falsche Ansprechpartner. Und noch einmal: "Haben wir die Frage richtig verstanden, oder falsch?" Ist es nicht ihre Entscheidung, aufzuhören? "Not at the moment." Im Moment nicht.

Depay düpiert die Deutschen

Vieles hängt nun für den vertraglich bis 2022 an den Verband gebundenen Fußballlehrer - beide Seiten sollten für 2020 ein Ausstiegsrecht haben - vom Verlauf des Auswärtsspiels beim Weltmeister Frankreich ab. "Ein Abstieg ist nicht wünschenswert", gab Löw zu Protokoll, das wolle man verhindern, indem man am Dienstag in Paris im Stade de France punkte, aber wichtiger ist ihm: "Wir müssen alles, was auf uns einprasselt, ausblenden. Wir müssen Charakter zeigen." Aber braucht es nicht mehr als nur Leidenschaft, Kampf und Einsatz? Es wäre gut, wenn diese Mannschaft mal wieder 90 Minuten mit Netz und doppeltem Boden agiert, was schon im merkwürdig schöngefärbten Freundschaftsspiel gegen Peru nicht gelungen war.

Nun hatten tollkühne Draufgänger wie der Niederländer Memphis Depay die behäbigen Deutschen am Nasenring durch die stimmungsvolle Arena von Amsterdam geführt. Es schien die Antwort darauf, dass einige Gäste es am Nachmittag beim traditionellen Grachtenrennen am zweiten Oktober-Samstag nicht lassen konnten, von den vorbeifahrenden Touristenbooten das längst nicht mehr lustige "Ohne Holland fahren wir zur WM" zu schmettern. Womöglich muss bald Deutschland nach niederländischem Vorbild um die Zulassung zu großen Turnieren zittern. Die Verfassung des Ensembles wirkt genauso bedenklich wie die fehlende Einsicht der Protagonisten.

Nur Draxler redet nichts schön

"Dass das heute anders hätte laufen können, hat jeder gesehen", meinte der vor dem 0:1 patzende Torwart Manuel Neuer. "Es war eine Frage der fehlenden Chancenverwertung. Wir verlieren 0:3 in einem Spiel, was wir eigentlich gewinnen müssen", erklärte Vordermann Mats Hummels. "Wir bekommen jetzt wieder auf die Fresse, aber so viel können wir uns nicht vorwerfen." Auch Taktgeber Toni Kroos beklagte die fehlende Belohnung: "Wir gehen ohne Tor aus diesem Spiel, was bitter ist. Es gibt so Phasen in die eine oder andere Richtung."

Nur Julian Draxler, an den finalen Gegentreffern nicht unbeteiligt, erlaubte sich einen kritischeren Ansatz: "Es ist die große Frage, warum wir es mit dem Spielermaterial nicht schaffen, wieder attraktiven Fußball zu spielen. Mir persönlich geht das zu langsam, und es ist zu berechenbar. Das Selbstvertrauen fehlt nach so einem Sommer, aber nur daran kann man es nicht festmachen. Es fehlen die Überraschungsmomente, die Ideen, die Risikobereitschaft. So können wir nicht weitermachen." Zur unweigerlichen Frage, ob der PSG-Legionär damit nicht die Trainerdiskussion eröffnet habe, antwortete der 25-Jährige nur: "Dazu äußere ich mich nicht."

Nations League

21.03.2023
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3DeutschlandDeutschlandDeutschlandGER614111:927
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Sa, 04.06.2022
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