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WM 2006: Anklage gegen die zweite Reihe

Vorwurf: Betrug in Mittäterschaft und Beihilfe

von Julius Hilfenhaus

Was auch immer um die Vergabe der WM 2006 geschah, die Schlüsselfiguren sind nicht unbedingt die vier Funktionäre, denen nun in der Schweiz der Prozess droht. Drahtzieher waren wohl Ex-FIFA-Funktionär bin Hammam und Ex-adidas-Chef Dreyfus.

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06.08.2019
06.08.2019

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) wirft den ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger, dem früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie dem früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi vor, "arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro getäuscht zu haben."

Niersbach und Zwanziger weisen Vorwürfe zurück

Zwanziger, Schmidt und Linsi wird Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen. Niersbach wird die Gehilfenschaft zu Betrug angelastet, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Nach jahrelangen Ermittlungen müssen sich die Organisatoren der Fußball-WM 2006 sich nun vor der Justiz verantworten und ihre Hoffnungen auf Verjährung wohl begraben. Spätestens im April 2020 soll ein erstes Urteil fallen, den Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Niersbach und Zwanziger wiesen die Anschuldigungen umgehend energisch zurück und griffen die Ermittler verbal an. "Ich mache mir um diesen Vorgang gar keine Gedanken, weil er mit rechtsstaatlichem Vorgehen nichts zu tun hat", sagte der 74 Jahre alte Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur.

"Auch Unsinn hat seinen Marktwert. Die Schweizer Ermittler sind Getriebene, die Millionen für Ermittlungen in den Sand gesetzt haben", fügte Zwanziger an.

Verfahren gegen Beckenbauer separat weitergeführt

Niersbach teilte schriftlich mit: "Es ist bezeichnend für dieses unsägliche Verfahren, dass man als Betroffener nach über drei Jahren erfahren muss, dass Anklage erhoben wird. Materiell kann ich nur wiederholen, dass die erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind." Von Schmidt und Linsi lagen vorerst keine Äußerungen zur Anklage vor.

Gleichzeitig teilte die BA mit, dass das Verfahren gegen den damaligen OK-Boss Franz Beckenbauer separat weitergeführt wird. Grund ist der gesundheitliche Zustand Beckenbauers, der "eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor dem Bundesstrafgericht nicht zulässt." Dadurch könnte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden.

Verjährfrist rückt näher

Die BA hatte das Verfahren gegen die Beschuldigten am 6. November 2015 eröffnet. Bis Ende April 2020 muss ein erstinstanzliches Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona vorliegen, um die Verjährung zu vermeiden.

Konkret geht es um die 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee über den Weltverband FIFA mutmaßlich an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind.

Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer, der zentralen Figur im ganzen Skandal, und Louis-Dreyfus an den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam nach Katar geflossen. Für die Überweisung an die FIFA täuschten die WM-Macher 2005 vorsätzlich einen Anlass - ein WM-Kulturprogramm - vor. Weil sich die Zahlung durch die Verschleierung für den DFB allerdings später auch steuermindernd auswirkte, ermittelt auch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Quelle: dpa | SID

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