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Nach dem 0:1: Kritik ja - Sorge nein

Niederlage gegen Brasilien zeigt, was besser werden muss

Nachrichten | heute - Nach dem 0:1: Kritik ja - Sorge nein

Joachim Löw gibt zu, dass beim Weltmeister Deutschland im Klassiker gegen Brasilien wenig rund lief. Aber die 0:1-Niederlage versetzt den Bundestrainer nicht in Panik. Im Gegenteil: "Sie können sicher sein, dass wir uns zur WM steigern", so Löw.

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Nein, auf diesen Klamauk hatte Sandro Wagner gar keine Lust mehr. Gerade hatte sich der Stadionsprecher für eine fantastische Stimmung bedankt, was das im Aufbruch begriffene Berliner Publikum mit einigem Kopfschütteln oder letzten Pfiffen quittierte. Dann sammelten sich die Protagonisten in den grünen Jerseys zusammen mit ihrem Maskottchen „Paule“ zumindest für eine halbe Ehrenrunde. Die Nummer neun der Nationalmannschaft war da längst die Steinstufen hinunter in die Kabine. Wagners Botschaft aus dem Olympiastadion: Wer mit Deutschland gegen Brasilien verdient 0:1 verliert und nach 22 Länderspielen wieder eine Niederlage kassiert, muss sich nicht feiern lassen.

Eine durchaus nachvollziehbare Haltung: Der letzte Test vor der Nominierung des vorläufigen WM-Aufgebots am 15. Mai im Dortmunder Fußballmuseum fiel wenig weltmeisterlich aus. „Es war irgendwie nicht unser Tag, wir sind nicht ins Spiel reingekommen. Unser Spiel ist nicht so rund gelaufen wie normalerweise“, konstatierte Joachim Löw. „Wir haben den Gegner mit einer Reihe von Ballverlusten stark gemacht.“ Körpersprache, Dominanz und Sicherheit? „Waren nicht gut.“

Der positiven Energie Brasiliens ist Deutschland nicht gewachsen

Leroy Sané und Willian.
In der DFB-Elf weiterhin kein Faktor: Leroy Sané (r.: Willian). Quelle: ap

Überdies hätte der Bundestrainer das Verantwortungsgefühl vermisst. Einer für alle, alle für einen: Das führte der leidenschaftlichere Gegner vor, der den aus dem traumatischen 1:7-Erlebnis bei der WM 2014 resultierenden Überbau in eine positive Energie umwandelte. der die DFB-Auswahl nicht gewachsen war. Mit einer besseren B-Elf ließen sich diese Brasilianer nicht auf die Bretter zwingen.

Erstaunlich, dass gerade die eigentlich in der Premier League gestählten Nachrücker wie Ilkay Gündogan und Leroy Sané so wenig klare Aktionen hatten. Für den „Weltklassespieler“ Gündogan  brachte Löw zwar Entschuldigungen vor („war lange nicht bei der Nationalmannschaft“), aber die Causa Sané zeige doch: „In der Nationalmannschaft ist noch eine andere Situation, da ist noch ein anderer Druck.“ Manch Jungstar schieße halt „nicht so schnell in die Höhe, wie man denkt.“

Sitzt der zweite Anzug doch nicht so gut?

Die Lobeshymnen auf den zweiten Anzug,  vergangenen Sommer nach dem Triumph beim Confed-Cup und Titel bei der U21-EM angestimmt, sind mit Vorsicht zu bewerten, wenn ein Gegner dieser Qualität auftaucht. Unter Anleitung von Nationaltrainer Tite scheint die Seleção reif für höhere Weihen. Und ohne Neymar stabiler, aber nicht weniger kreativ aufgestellt.

Deutschland wiederum muss erkennen, dass nicht jeder Weltmeister einfach so zu ersetzen ist, wenn auch noch Taktgeber Toni Kroos vom Gegner schachmatt gesetzt wird. Vielleicht wählte der ob seiner Wirkungslosigkeit frustrierte Wahl-Madrilene deshalb so scharfe Worte im ZDF-Interview: „Da haben wir mal gesehen, dass wir doch nicht so gut sind, wie uns immer eingeredet wird oder wie vielleicht auch einige denken von uns. Das war deutlich zu wenig von vielen. Besonders die mit Ball haben mir gar nicht gefallen, muss ich sagen. Wir haben kaum einen Ball gehalten vorne, haben uns viel zu einfach abkochen lassen, die Zweikämpfe nicht so angenommen."

Torwart Trapp wirkte am Ball rat- und hilflos

Auf die taktischen Kniffe seines Gegenübers ging Löw indes nicht ein, sondern nur auf seine bewussten Wechsel. „Wir wussten, dass es nicht leicht sein würde, dass die Automatismen greifen.“ Im Spielaufbau zeigte sich permanente Unruhe, weil in Bedrängnis der Rückpass auf Kevin Trapp gesucht wurde, der die Bälle oft direkt ins Seitenaus oder zum Gegner passte.

Ein Umstand, der dem Ästheten Löw ja nicht verborgen geblieben war, ihn jedoch nicht auf die fehlende Spielpraxis des Ersatzkeepers von Paris St. Germain zurückführte. „Man hat ihn manchmal hinten allein gelassen. Normalerweise haben wir mehr Mumm, uns den Ball zu holen und hinten rauszuspielen.“ Wer nicht die richtigen Anspielstationen hat, findet halt den falschen Adressaten. Gleichwohl: Ohne weiteres Zutun hat Marc-André ter Stegen seinen Status als Nummer eins – sollte Manuel Neuer es mit der Gesundung nicht schaffen – nunmehr sicher.

Panikmache fehl am Platze

Aber auch auf anderen Positionen hat sich der Konkurrenzkampf mit vermeintlich beliebigen Rochademöglichkeiten wieder auf Normalmaß reduziert. Protagonisten wie Mats Hummels, Sami Khedira, Mesut Özil oder Thomas Müller – diesmal geschont oder nach hause geschickt, aber von Löw im Nachgang namentlich erwähnt – sind nicht so einfach zu ersetzen. Eine Problem bleibt der Posten des linken Außenverteidigers: Der Berliner Marvin Plattenhardt konnte in vertrauter Umgebung nicht den Nachweis erbringen, auf allerhöchstem Niveau eine Hilfe zu sein.

„Dass Sand im Getriebe war, kam nicht ganz unerwartet“, räumte Löw ein. „Man hat gemerkt, dass wir nicht so harmonisch waren.“ Nur: „Bei einem Turnier wechselt man nicht auf fünf, sechs Positionen.“ Bei seiner Bestandsaufnahme wirkte der 58-Jährige weder überrascht noch beunruhigt. Zu Panikmache besteht ohnehin kein Anlass. „Mir bereitet kaum etwas große Sorgen. Weil ich weiß, dass die Mannschaft zu etwas ganz anderem fähig ist. Jede Mannschaft hat mal so einen Tag, an dem es nicht läuft. Ich weiß, was wir können und welche Mentalität wir haben.“

Und dann hinterließ der Bundestrainer aus dem Bauch der Berliner Betonschüssel noch diese beruhigende Botschaft fürs deutsche Fußball-Volk: „Sie können sicher ein, dass wir uns steigern.“ Vielleicht schon in den finalen Testläufen in Klagenfurt gegen Österreich (2. Juni) und gegen Saudi-Arabien in Leverkusen (8. Juni), sicher aber bis zum ersten WM-Spiel gegen Mexiko in Moskau (17. Juni).

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