Experimentierfeld England

Das Prestige-Duell als Testlauf

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Ein Klassiker der deutschen Länderspiel-Geschichte wird zum Testlauf: Joachim Löw hat sich damit arrangiert, dass die Partie gegen England (Anstoß: 20:45 Uhr) in Dortmund nicht mehr die ganz große Bedeutung wie früher besitzt.

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Joachim Löw
Hat kaum Zeit mit der Mannschaft verbracht: Joachim Löw Quelle: ap

Mit der Plakatierung für ein Fußball-Länderspiel ist das so eine Sache. Die Macher müssen sich früh für ein oder mehrere Konterfeis entscheiden, und oft können sie damit nur falsch liegen. Wie beim prestigeträchtigen Vergleich Deutschland gegen England (Anstoß: 20:45 Uhr) in Dortmund. "Der Klassiker“ heißt es schlicht - und abgelichtet sind Sami Khedira, Mesut Özil und Mario Götze. Gut, der eine (Khedira) könnte heute wirklich auflaufen, der andere (Özil) ist vom Bundestrainer am Vortag wegen muskulären Problemen entschuldigt worden, und der letzte (Götze) ist wegen einer Stoffwechselstörung für den Rest der Saison außer Gefecht. Dumm gelaufen.

Im Magazin des Deutschen Fußballmuseums wird unter dem irreführenden Dreigestirn herausgestellt, dass noch genug Tickets geordert werden können. 56.000 Karten sind nach DFB-Angaben abgesetzt. Es ist also reichlich Kapazität in einem Stadion, das zuletzt an einem Freitagabend die Dortmunder Borussia gegen den Vorletzten FC Ingolstadt mal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt war. Den Trend gibt es bei Freundschaftsspielen der deutschen Nationalmannschaft immer häufiger: So kräftig die Werbetrommel auch gerührt wird, fällt es doch zunehmend schwerer, die Arenen zu füllen. Selbst für einen Klassiker des Weltmeisters.

Bloß keine falschen Versprechungen

Löw wollte sich denn auch am Dienstag im Deutschen Fußballmuseum gleich gegenüber vom Dortmunder Hauptbahnhof nicht verbiegen, um mit falschen Versprechungen zu locken. Eigentlich sei Deutschland gegen England ein Duell, "von denen Dinge hängenbleiben“. Etwa das Wembley-Tor, das von Museumsbesuchern im zweiten Stock aus unterschiedlichen Perspektiven und in endlosen Zeitlupenansichten betrachtet werden kann, ehe man darüber abstimmt, ob der Ball beim WM-Finale 1966 wirklich hinter der Linie war.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später muss die 35. Auflage des Evergreens in ein Abschiedsspiel für Lukas Podolski umfunktioniert werden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die mittlerweile von Gareth Southgate betreuten Three Lions, zuletzt bei der EM vom Nobody Island dem Gespött preisgegeben, sieht Löw übrigens im Wandel: "Sie versuchen einen moderneren Fußball. Sie wollen mehr Ballbesitz.“ Nicht mehr nominiert wurden Wayne Rooney und Theo Walcott. Damit ist die Tendenz für beide Seiten klar: Selbst Prestigeduelle wie diese dienen in erster Linie als Experimentierfeld, auch wenn der März-Termin die einzige Testmöglichkeit vor der Bekanntgabe des Kaders für den Confederations Cup im Sommer darstellt.

Timo Werner darf sich zeigen

Nationaltrainern scheint es indes gar nicht mehr möglich, in dieser von den Vereinswettbewerben geprägten Phase die Besten zu präsentieren. Viele Stars sind angeschlagen oder drängen (über ihre Vereine) auf Schonung. "Wir hatten vier Monate kein Spiel und jetzt ein Training vor dem Spiel. Da ist in der Vorbereitung nicht viel rauszuholen“, seufzte Löw. Der 57-Jährige ist sich mit der Aufstellung daher noch unschlüssig.

Vielleicht stehen Niklas Süle von der TSG Hoffenheim oder Emre Can vom FC Liverpool in der Startelf. Sicher schon, dass Stürmer Timo Werner von RB Leipzig sich erstmals beim A-Team zeigen darf. "Er ist dynamisch, schnell und geht in die Tiefe. Wenn er sich so weiterentwickelt, hat er eine gute Karriere in der Nationalmannschaft vor sich“, lobte Löw den designierten Debütanten. Etablierte Kräfte wie Toni Kroos kommen wohl erst am Sonntag beim WM-Qualifikationsspiel in Baku gegen Aserbaidschan (Anstoß: 18 Uhr) zum Zuge.

Monatelang mehr Beobachter als Gestalter

"Wir haben da eine weiße Weste und wollen das gnadenlos durchziehen“, beteuerte Löw, der aber nicht glaubt, "extrem hochfahren“ zu müssen, um die Sinne zu schärfen. Seit die FIFA den April-Termin aus dem Spielkalender gestrichen kann, weil in dieser Phase der Fokus der Topvereine auf den Vereinswettbewerben wie der Champions League, ist die zweite Saisonhälfte für Nationalteams schwierig geworden. "Die Situation ist alles andere als wünschenswert“, sagte Löw.

Dass er im Grunde monatelang nur den Beobachter statt den Gestalter gibt, damit muss sich der Badener arrangieren. Die nächsten Termine sind dann erst wieder das Freundschaftsspiel in Dänemark (6. Juni) und die Pflichtaufgabe in der WM-Qualifikation gegen San Marino (10. Juni). "Ich weiß, dass es ein halbes Jahr ist, in dem ich nicht viel herausholen kann. Ich bin dann mehr unterwegs, um Spiele und Spieler zu sehen.“

Alle Erfahrungen und Erkenntnisse wird der Bundestrainer in den großen Masterplan für die WM-Titelverteidigung 2018 in Russland einzupflanzen. Und nebenbei gilt es in den nächsten Wochen noch mit den Stars (und deren Beratern) endgültig auszuloten, wer wirklich in diesem Sommer den Confederations Cup in Russland spielt. Das Gute: Dafür muss der DFB keine Plakate entwerfen.

DFB-Fahrplan

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