Die Rettung am Super-Samstag

Leichtathletik-WM in London: Eine Bilanz

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Fünf Medaillen haben die deutschen Leichtathleten bei der WM in London gewonnen – drei weniger als vor zwei Jahren in Peking. Mit Blick auf die EM im nächsten Jahr in Berlin und Olympia in Tokio 2020 scheint das Team aber gut aufgestellt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.08.2018, 22:27

Gäbe es in der Leichtathletik Medaillen für besonders schöne Satzkonstruktionen, der Speerwerfer Thomas Röhler aus Jena wäre ein erster Anwärter auf Gold. Dicht gefolgt vom deutschen Sportdirektor Idriss Gonschinska. Olympiasieger Röhler verpasste bei der WM in London am Samstag beim Sieg seines Offenburger Kollegen Johannes Vetter eine Medaille um magere sechs Zentimeter. „Es kommt auf wenige Grad in den Winkeln der Körperposition an“, sagte Röhler anschließend. „Und auf dem Körper steckt dann auch noch ein Kopf.“ Körper und Kopf, beide in Topform zu haben bei so einer WM, das ist die hohe Kunst des Spitzensports.

Alles muss passen

Bei Johannes Vetter passte alles zusammen. Am vorletzten Tag der WM gewann der 24-jährige Sportsoldat die erste und einzige Goldmedaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Das Team war zunehmend unter Druck geraten, da auf die erste Silbermedaille von Siebenkämpferin Carolin Schäfer (Frankfurt) am dritten Tag einfach kein weiteres Edelmetall folgen wollte. Gonschinska ärgerte das. Er hätte sich mehr Vertrauen von Fans und Medien gewünscht. „Viel mehr konnten die Athleten vorher nicht leisten“, sagte er. Und, hier einer dieser Sätze: „Saisonverläufe, Prognoseleistungen und Wettbewerbsanalyse sind eine Grundlage, um realistische Erwartungen zu treffen.“

Zu Vetters Triumph waren am rettenden deutschen Super-Samstag noch Platz zwei und drei durch die Zehnkämpfer Rico Freimuth (Halle) und Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) hinzugekommen sowie der überraschende dritte Platz von Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz (Wattenscheid). „Vier Medaillen, das ist natürlich geil, das wünscht man sich eigentlich jeden Tag“, sagte Vetter. „Aber wir sind auch nur Menschen.“

DLV mit Ergebnis zufrieden

Gonschinska sagte: „Das war im Rahmen dessen, was wir uns gewünscht haben.“ Schließlich hatte es namhafte Ausfälle im deutschen Team gegeben: Kugelstoßerin Christina Schwanitz (Babypause), Hürdensprinterin Cindy Roleder (verletzt), die Diskuswerfer Christoph Harting und Daniel Jasinski (Norm nicht geschafft). Dazu hatten mit den Speerwerferinnen Christina Obergföll und Linda Stahl zwei verlässliche Medaillenlieferantinnen ihre Karrieren beendet.

Und Altstars wie Christoph Harting (Diskus), David Storl (Kugel) und Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung) sind nicht mehr auf der Höhe ihrer Kunst. „Ich kenne keine europäische Nation, die solche Athleten gleichzeitig ersetzen kann“, betonte Gonschinska. Ein ähnliches Ergebnis wie 2015 in Peking, als das deutsche Team so gut wie in den elf Jahren zuvor nicht mehr abgeschnitten hatte, sei daher absolut unrealistisch gewesen.

Unsichtbarer Gegner namens Norovirus

Und dann war die DLV-Mannschaft bei dieser WM ja auch noch von einem unsichtbaren Gegner attackiert worden, einem hoch ansteckenden Magen-Darm-Virus. 13 Teammitglieder waren betroffen, sechs Athleten und sieben Betreuer, teilweise war der Norovirus als Auslöser identifiziert worden. Für neu ankommende Athleten wurden andere Hotels gesucht, Händeschütteln und Umarmungen waren verboten, Physiotherapie und Training gestrichen.

Am Ende waren die deutschen Athleten auf fünf Hotels verteilt, das Teamgefühl ging verloren. „Wir unterschätzen, was es bedeutet, wenn Athleten Durchfall und Brechreiz haben kurz vor einer Weltmeisterschaft“, sagte Gonschinska. „Das ist nicht nur physisch sehr belastend, sondern vor allem auch mental. Immer drüber nachzudenken, kann ich jetzt die Tasse anfassen oder habe ich im Fahrstuhl den Knopf gedrückt, das macht kein tolles Feeling.“

Neuaufbau macht Hoffnung

Deshalb war der Teamchef am Ende stolz auf seine junge Mannschaft, die sich schließlich erst im Jahr eins des Neuaufbaus für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio befinde. Er hatte „ein sympathisches Auftreten“ vieler Athleten gesehen, die Hoffnungen machten auf ein gutes Abschneiden bei der Heim-EM im kommenden Jahr in Berlin. „Wir haben bis zum Schluss gekämpft, obwohl viele uns totgesagt haben“, sagte Gonschinska. „Das war Werbung für die deutsche Leichtathletik.“

Ergebnisse der Leichtathletik-WM

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