heute-Sendung mit Fußball-WM-Qualifikation

Herzschlagfinale in Südamerika: Argentinien vor dem Aus

Heute-Sendung mit WM-Qualifikation Argentinien

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Trotz guter Chancen reicht es für Vize-Weltmeister Argentinien auch gegen Peru in der WM-Qualifikation nicht zum Sieg. Was lange undenkbar schien, wird immer realistischer: Superstar Lionel Messi und seine Teamkollegen könnten die WM in Russland vom …

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Lionel Messi faltete die Hände und betete zum Himmel. Aber der Fußballgott hatte kein Erbarmen, der Ball wollte einfach nicht rein. Einmal scheiterte der fünffache Weltfußballer am Pfosten (46.), dann vereitelte Perus Torwart Pedro Gallese mit einer Reihe von Glanzparaden das erhoffte Tor der Argentinier. Nach dem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten in Buenos Aires droht dem zweifachen Weltmeister Argentinien bei der WM in Russland die Zuschauerrolle.


Aktuell nur auf Rang sechs

Denn die "Albiceleste" wäre als Sechster - Stand jetzt - nicht dabei. Peru, das mit jungen, talentierten Spielern das Überraschungsteam in der WM-Qualifikation ist, hat das bessere Torverhältnis. Die "Inkas" können sich erstmals seit 35 Jahren wieder für eine WM qualifizieren. Zu allem Ärger zog auch noch Dauerrivale Chile durch ein 2:1 gegen Ecuador vorbei. "Die Mannschaft ist wütend, aber wenn wir in Ecuador gewinnen, fahren wir zur Weltmeisterschaft", sagte Nationaltrainer Jorge Sampaoli trotzig. "Wir haben heute einen kämpferischen Messi gesehen, mit einem Gesicht, das Argentinien braucht", so Sampaoli.

Ein ganzes Land hatte dem Spiel entgegengefiebert. Auf Wunsch des neuen Nationaltrainers Sampaoli, im Mai für rund 1,5 Millionen Euro vom FC Sevilla losgeeist, war das Spiel in die berüchtigte "Bombonera" verlegt worden. Das Stadion der Boca Juniors erzeugt durch seine Enge und die steilen Ränge eine besondere Atmosphäre. Eigentlich sollte das Spiel wie üblich im weitläufigen River-Plate-Stadion, Spielort des WM-Finales 1978, stattfinden. Genutzt hat der Umzug nichts.

Immerhin haben die Argentinier ihr Schicksal noch in der eigenen Hand. Mit einem Sieg in Ecuador wären Messi und Co. mindestens Fünfter, da Peru und Kolumbien gegeneinander spielen. Zudem hat Chile mit Arturo Vidal vom FC Bayern München in Brasilien eine sehr schwere Aufgabe vor der Brust. Allerdings müssen die "Gauchos" dazu endlich wieder Tore schießen. Ganze 16 waren es in den bisherigen 17 Spielen. Die Bilanz von sechs Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen ist mäßig. Bei aller Qualität von Einzelspielern wie Messi, Angel di Maria oder Paulo Dybala erscheint die Mannschaft nicht richtig ausbalanciert. Es fehlt ein Stratege mit Durchschlagskraft im Mittelfeld, auf einigen Positionen aber auch schlicht die Weltklasse.

Wiederholt sich die Geschichte?

An der Atmosphäre vor rund 50.000 Zuschauern lag es jedenfalls nicht. Die heißblütigen Fans rollten eine riesige Fahne aus, um Messi zu huldigen, darauf stand: "Homenaje al mejor jugador del siglo" - eine "Hommage an den besten Spieler des Jahrhunderts". Peru hatte vergeblich gegen die Verlegung in die "Bombonera" protestiert - die Mannschaft brachte sogar eigenes Wasser mit nach Buenos Aires, weil man den Argentiniern nicht traute. Als Glücksbringer dabei war auch Oswaldo "Cachito" Ramírez, der 1969 in der "Bombonera" beim 2:2 in der damaligen WM-Qualifikation beide Treffer für Peru geschossen hatte.

Damals verpasste Argentinien erstmals eine Weltmeisterschaft. Nun könnte sich die Geschichte knapp 50 Jahre später wiederholen. Für den inzwischen schon 30-Jährigen ist es womöglich die letzte Chance auf einen großen Titel. Rauf und runter wird im Land am Rio de la Plata seit Tagen diskutiert, ob es nicht schlicht zu wenig sei, sich immer nur auf Messi zu verlassen, die letzten drei Spiele mit ihm brachten drei Unentschieden - darunter ebenfalls zu Hause ein peinliches 1:1 gegen den Tabellenletzten Venezuela. Der Psychologe Marcelo Roffé meint: "Wir verlangen Dinge von Messi, die er nicht ist. Er redet mit dem Ball, aber nicht mit dem Mund oder mit Gesten auf dem Platz." Man dürfe ihn nicht ständig zum "Retter Argentiniens" stilisieren. "Wir liegen falsch, wenn wir ihn als einen neuen Diego Maradona sehen", betont der Psychologe. Trotzdem setzt das Land darauf, dass er Argentinien jetzt noch einmal rettet.

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