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"Kein anderer Weg" - Tschechien will Atomenergie ausbauen

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Tschechien will zwei neue AKW-Blöcke bauen. Die Regierung sieht "keinen anderen Weg", den Bedarf mit Ökostrom decken zu wollen sei "Unsinn". Deutschland und Österreich sind empört.

Das Atomkraftwerk Temelin in Tschechien. Archivbild
Das Atomkraftwerk Temelin in Tschechien (Archivbild).
Quelle: Armin Weigel/dpa

Tschechien hält am Atomenergie-Ausbau fest. "Es gibt keinen anderen Weg als die Kernenergie", sagte Industrieminister Karel Havlicek im tschechischen Fernsehen. Den Bedarf mit erneuerbaren Energien decken zu wollen, sei aus wirtschaftlicher, geografischer und technischer Sicht "Unsinn", erklärte der Unternehmer und Politiker. Der Energiewende-Vorreiter Deutschland sei "ein sehr reiches Land, das sich solche Investitionen erlauben kann".

Unterdessen wurde bekannt, dass der teilstaatliche Stromkonzern CEZ bereits zwei Tochterfirmen für den Bau neuer AKW-Blöcke gegründet hat. Das sei ein Signal, dass der Investitionsprozess beginne, so Havlicek.

Umweltschützer: Bestehende Meiler pannenanfällig

Die AKW-Blöcke sollen an den Standorten Temelin und Dukovany entstehen. Über die genauen Konditionen wird noch verhandelt. Es geht um die Frage, in welchem Umfang der Staat Garantien für Kredite zur Finanzierung der Bauprojekte übernimmt.

Als wichtigste Interessenten an dem Auftrag, zunächst in Dukovany einen neuen Reaktor für umgerechnet rund zehn Milliarden Euro zu bauen, gelten das koreanische Unternehmen KHNP und der russische Staatskonzern Rosatom. Umweltschützer kritisieren die bestehenden Atomkraftwerke in Tschechien seit Jahren als veraltet und pannenanfällig. Temelin ist nur rund 60 Kilometer von den Grenzen zu Deutschland und Österreich entfernt.

Auf scharfe Kritik stießen die Äußerungen des tschechischen Industrieministers bei der Vorsitzenden des Umweltausschusses im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. "Die Sackgasse Atomkraft als einziger Weg? Erneuerbare sind längst viel billiger als AKW-Neubauten", sagte die Grünen-Politikerin. Kotting-Uhl forderte die Bundesregierung auf, in Europa mehr für die Vorteile der erneuerbaren Energiequellen zu werben.

Österreich: Endlager nahe Grenze "inakzeptabel"

Empörung gab es auch in Österreich. Es sei der gänzlich falsche Weg, unter dem Deckmantel des Klimawandels die Atomkraft wieder auszubauen, sagte die ehemalige österreichische Umweltministerin Elisabeth Köstinger. Die Kosten der Atomkraft einschließlich der Folgekosten seien exorbitant, warnte die ÖVP-Politikerin. Zudem gebe es Sicherheitsbedenken.

Die Frage der Endlagerung des Atommülls sei in den mittelosteuropäischen Staaten nicht geklärt. "Speziell Tschechien sucht ein Endmülllager nahe der österreichischen Grenze - das ist für uns absolut inakzeptabel", sagte die Nationalratsabgeordnete. Köstinger war bis Mai dieses Jahres Ministerin in der Regierung von Sebastian Kurz.

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