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"Riesenbedarf" an Fachkräften - Handwerk beklagt Personalmangel

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Dem Handwerk fehlen immer mehr Fachkräfte. Das bekommen nicht nur Verbraucher zu spüren. Das trifft auch wichtige öffentliche Projekte.

Arbeiter mit Schweissbrenner
Das Handwerk beklagt Fachkräftemangel in fast allen Gewerken.
Quelle: dpa

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sieht einen "Riesenbedarf" an Fachkräften in der Branche, der zurzeit nicht gedeckt werden kann. "Mittlerweile fehlen in fast allen Gewerken Fachkräfte - Hochbau und Tiefbau, Straßenbau und Gebäudetechnik, Sanitär, Heizung, Nahrungsmittel", sagte Wollseifer.

Dadurch komme es auch zu Verzögerungen etwa bei Brückensanierungen oder dem Breitbandausbau. "Wir brauchen eine gezielte Fachkräfteeinwanderung, da sind sich alle einig", sagte Wollseifer.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll Abhilfe schaffen

Anfang März 2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Es soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern. Wirtschaftsverbände, Bundesregierung und Gewerkschaften hatten vor kurzem bei einem Spitzentreffen eine Absichtserklärung unterzeichnet, damit das Gesetz schnell wirken kann.

So sollen Visaverfahren beschleunigt und die Möglichkeiten verbessert werden, dass Fachkräfte Deutsch lernen. Daneben geht es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen.

"Potenziale in Deutschland fördern"

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.
Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.
Quelle: Christoph Soeder/dpa/Bild vom 17.12.2019

"Wir sind uns im Klaren darüber, dass nicht sofort 30.000 Fachkräfte vor der Tür stehen werden, wenn das Gesetz am 1. März kommt", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

"Wir werden vermutlich erst einmal mit kleinen Zahlen anfangen, die dann kontinuierlich steigen. Wenn wir einige Tausend Fachkräfte pro Jahr aus Drittländern bekommen, wäre das ein Erfolg. Wie viele es genau sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren, das kann bei 5.000, aber vielleicht auch bei 50.000 liegen."

Es sei nun eine gemeinsame Aufgabe, in Drittstaaten Fachkräfte zu gewinnen, Berufsabschlüsse anzuerkennen, Fachkräfte bei Bedarf zu qualifizieren und zu vermitteln. "Das wollen wir alle zusammen machen. Das Gesetz muss unbürokratisch und unkompliziert angewendet werden."

Wollseifer will Frauen weiter fördern

Die Zuwanderung von Fachkräften könne eine wirkliche Entlastung bringen, sagte Wollseifer. "Aber die bestehende Fachkräftelücke werden wir auch so nicht vollständig füllen können." Man müsse deshalb weiter auch alle Potenziale in Deutschland fördern.

"Wir müssen Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltig weiter bekämpfen und dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt kommen. Wir müssen Frauen - gerade auch in technischen Berufen - fördern." Damit noch mehr Frauen überhaupt im Beruf tätig werden können, müssten die Bedingungen etwa durch mehr Kitas und Ganztagsbetreuung in den Schulen verbessert werden.

Branche rechnet weiter mit Umsatzplus

Mehr Fachkräfte sollen helfen, damit die Geschäfte im Handwerk auch mittel- und langfristig gut laufen. Für das Jahr 2019 rechnet Wollseifer mit einem Umsatzplus in der Branche von vier Prozent. "Für das nächste Jahr zeichnet sich zwar in einzelnen Gewerken eine weniger dynamische Konjunktur ab, doch für das Gesamthandwerk erwarten wir immer noch eine Drei vor dem Komma."

Einige andere Wirtschaftsbereiche schwächelten aber, etwa die exportstarke Industrie. "Das betrifft Handwerker, die als Zulieferer arbeiten, also etwa im Maschinenbau oder in der Kfz-Branche", so Wollseifer. "Hoch- und Tiefbau sowie der Straßenbau laufen weiter gut. Wir bekommen die Kabel gar nicht unter die Erde und die Brücken nicht saniert, weil Planungs- und Genehmigungsverfahren viel zu lange dauern und Fachkräfte fehlen."

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