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Zehn Jahre nach Unabhängigkeit - Es ist noch viel zu tun in Kosovo

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Vor zehn Jahren hat sich das Kosovo unabhängig erklärt. Doch bis heute hat das Land seinen Konflikt mit Serbien nicht aufgearbeitet - obwohl das Auflage für einen EU-Beitritt ist.

Kinder laufen am 14.02.2018 in Pristina an dem Zeichen vorbei, welches den zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit des Kosovo kennzeichnet
Kinder laufen am 14.02.2018 in Pristina an dem Zeichen vorbei, welches den zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit des Kosovo kennzeichnet
Quelle: ap

Wer jung ist, hat eigentlich selten etwas übrig für Gedenktage. Aber der 21-jährige Kosovare Besnik Avdiaj ist da anders, und das gleich aus mehreren Gründen: Wenn sein Heimatland Kosovo am Samstag zum 10. Mal seiner Unabhängigkeit gedenkt, ist er mit Herz und Hand involviert. Als Assistent des Infrastrukturministers hat er die Feierlichkeiten mit organisiert, als muslimischer Kosovare geht ihm die Unabhängigkeit persönlich nah. Er ist in Jugoslawien geboren - in einem Land, das es heute nicht mehr gibt, auch weil Menschen wie er und seine Familie sich dort von Serben unterdrückt gefühlt haben.

So wurden seine Eltern, die Lehrer waren, mit ihren Schulkindern 1998 einmal von serbischen Milizen als Geiseln genommen. Sie, die Erwachsenen, konnten fliehen, die Kinder ließen die Milizen von selbst frei. Ein anderes Mal suchten seine Eltern mit Ihrer Schulklasse Schutz vor den Milizen in die katholischen Kirche von Gjakova – eine Moschee wäre wohl nicht sicher genug gewesen.

Vor einem EU-Beitritt muss sich das Verhältnis zu Serbien normalisieren

"Ich erinnere mich, wie ich vor Freude geweint habe, als wir vor 10 Jahren unsere Unabhängigkeit erklärt haben. Ich war nur 11, aber ich wusste: von jetzt an habe ich die Freiheit, mein Leben zu genießen und frei zu entscheiden, wie es aussehen soll." Ein unabhängiges Kosovo war für ihn und seine Familie auch eine persönliche Unabhängigkeitserklärung - trotz aller Schwierigkeiten, die das Land heute hat. Denn rund 50 Staaten der Welt - darunter auch EU-Länder - haben das Kosovo noch nicht als selbständigen Staat anerkannt. Allen voran Serbien, der alte Feind und Nachbar, der nun auch Schicksalspartner beim Gang in die EU ist: denn erst müssen diese beiden Länder ihre Beziehungen normalisieren, bevor die EU sie aufnimmt. Ein schwieriger Prozess.

"Beide Seiten müssen ihre Kriegsverbrechen anerkennen"

Besnik Avdiaj
Besnik Avdiaj
Quelle: Besnik Avdiaj / Privat

Besnik versucht, seinen Teil dazu beizutragen: Er organisiert auch eine sogenannte summer school an seiner Uni, es kommen Studenten aus aller Welt, auch aus Serbien. Natürlich diskutieren da junge Kosovaren und Serben über Politik, über den Krieg und die angespannten Beziehungen heute, erzählt er, aber in einem seien sie sich immer einig: "Krieg bringt keiner Seite etwas Gutes, auf beiden Seiten wurden Menschen umgebracht. "Und beide Seiten", so betont er, "müssen ihre Kriegsverbrechen anerkennen."

Von der kosovarischen Regierung wird da konkret erwartet, dass der von der EU finanzierte Spezialgerichtshof für die Kriegsverbrechen der kosovarischen Rebellenmilizen UCK nun endlich seine ersten Anklagen erheben kann. Doch der Gerichtshof ist in Kosovo unpopulär und die Regierung unterstützt dieses Vorhaben nicht vorbehaltlos - vielleicht auch, weil viele ehemalige UCK-Kämpfer, nicht zuletzt Premier Thaci selbst, nun in der Regierung sind.

Auch Besnik meint, es sei ungerecht, wenn der Spezialgerichtshof nur gegen Kosovo-Albaner Anklage erhebe. "Das Gericht sollte Anklage erheben können gegen jeden Kriegsverbrecher, egal welcher Nationalität." Das Argument, dass das die Aufgabe des internationalen Gerichthofs in den Haag war, und dass man Kosovo mit diesem Gerichtshof auch eine juristische Eigenständigkeit zutraut, reicht ihm nicht.

10 Jahre nach der Unabhängigkeit ist in Kosovo noch viel zu tun

"Wer was werden will, der kann das!" meint Besnik, der sicher fleißig war, aber, so gibt er zu, auch ein bisschen Glück gehabt hat. Viele seiner Altersgenossen müssen entweder ganz oder teilweise im Ausland einen Job suchen. Aber am Samstag, da ist er sicher, werden alle feiern.  Wenn er seinen Job im Protokoll erledigt hat, dann geht er aus. "Pristina ist berühmt für sein Nachtleben!", schwärmt er und empfiehlt das Duplex oder den Zone Club bei unserem nächsten Besuch. Na, dann: Bëfsh qeif!

Das Kosovo

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