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ZDFzoom: Geheimakte Finanzkrise - Droht der nächste Jahrhundert-Crash?

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Der Fall schien klar: Die US-Bank Lehman Brothers hat vor zehn Jahren die globale Finanzkrise ausgelöst. Schuld war eine entfesselte Wall Street. Doch ist das die ganze Geschichte?

Der Fall schien klar: Die US-Bank Lehman Brothers löste die Finanzkrise 2008 aus. ZDFzoom enthüllt nun, welche Verantwortung die Deutsche Bank trug und wie sie um ihr Überleben kämpfte.

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ZDFzoom enthüllt: Die Deutsche Bank hatte über Jahre wissentlich gefährliche Papier verkauft und anschließend ihre existenziellen Probleme vertuscht. Diese Strategie hat die einst größte Bank der Welt eingeholt. Die Deutsche Bank kämpft ums Überleben und der Welt droht eine neue, schlimmere Finanzkrise.

Kreditbündel mit vielen faulen Hypotheken

Der ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble ist überzeugt: „Das Niveau an Verschuldung weltweit (…) ist höher als am Ende des zweiten Weltkriegs. Und es legt natürlich die Gefahr und die Vermutung nahe, dass wir bei in der nächsten Krise weniger Spielraum haben, um zu reagieren.“ Über den einstigen Branchenprimus meint Schäuble: „Wenn Sie sich die aktuelle Situation der Deutschen Bank anschauen, ganz übern Berg, um es höflich zu sagen, sind sie immer noch nicht. Deswegen hätten sie früher mit ein bisschen mehr Demut vielleicht ein bisschen von den großen Schäden, die eingetreten sind, vermeiden können.“

Was war im Hintergrund passiert? Die Deutsche Bank hat Kreditbündel in aller Welt geschnürt – auch in Deutschland – obwohl man wusste, dass viele faule Hypotheken darunter waren. Bis in den Juli 2007 verkaufte man die Papiere auch an die deutsche IKB – bis die insolvent wurde. Als die IKB in jenem Sommer finanzielle Hilfe brauchte, strich die Deutsche Bank die Kreditlinie.

Welche Rolle spielte Josef Ackermann?

Ingrid Matthäus-Maier, damals die Chefin der Staatsbank KfW – Anteilseignern der IKB –spricht im Interview mit dem ZDF erstmals offen über diese Zeit und Deutsche Bank Chef Josef Ackermann: „Er hat diese Krise erst selber ausgelöst, um dann die anderen Beteiligten zu treiben, dass sie die Krise lösen, und zwar ohne dass die Privaten bluten. Wir fühlten uns erpresst als KfW-Vorstand insbesondere von Ackermann. Er war mit Sicherheit der Brandstifter, der war weder integer noch war er anständig. Er war skrupellos und hat sich das Problem vom Hals gehalten.“

Auch aus der DeutschenBank selber kommt scharfe Kritik. Erstmals gibt der aktuelle Chefökonom David Folkerts-Landau ein ausführliches Fernsehinterview. Die Strategie Ackermanns, um jeden Preis den Umsatz zu steigern, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu fordern, sei „töricht“ gewesen: „ Die Expansion der Deutschen Bank ab 2003, insbesondere in den Handelsbereichen, konnte die Bank mit ihrer Infrastruktur nicht bewältigen. So voraus zu stürmen, war also ein großes Risiko“.  

Staatsgelder zur Bankenrettung abgelehnt

Geheime Unterlagen der Bank belegen, wieviel Risiko die Bank auf sich geladen hatte und wie schlecht es ihr schon im Oktober 2008 ging. Doch Vorstandschef Josef Ackermann sagte damals: „Es wäre eine Schande, wenn wir einräumen müssten, dass wir Geld vom Steuerzahler brauchen.“ Eine Teilverstaatlichung war danach nicht mehr möglich.

'Der aktuelle Chefökonom der Deutschen Bank, Folkerts-Landau dazu: „Ich war bei dieser Telefonkonferenz dabei, als Joe [Ackermann] diesen Satz sagte. Es war eine der egozentrischsten politischen Entscheidungen, die ich je von einem leitenden Banker gesehen habe. Wenn wir das Geld genommen hätten, wäre Joe [Ackermann] sein Job wohl losgeworden. Aber das hatte er offenbar so nicht vorgesehen.“ So sei verhindert worden, dass die Bank rechtzeitig aufgeräumt wurde, ist Folkerts-Landau sicher: „Das war so ein schwerer politischer Fehler. Es ist einfach völlig unverständlich, wie ein hochrangiges Mitglied der Finanzindustrie diese Entscheidung treffen konnte.“

Banker übernehmen keine Verantwortung

Der Wettbewerbsvorteil der Bank, so Folkerts-Landau weiter,  sei hauptsächlich gewesen, dass der Markt wusste: Am Ende stehe der Staat für die Deutsche Bank ein. Und so kam es auch – in Europa und in den USA. Allein dort lieh sich die Bank in kurzer Zeit über 70 Milliarden Dollar. Außerdem profitierte sie von diversen direkten Finanzspritzen.

Dass die führenden Manager der Deutschen Bank alle wieder arbeiten, versteht Chefökonom Folkerts-Landau vor dem Hintergrund nicht: „Wenn jemand vom Mars hier her käme, wäre er erstaunt: Es gibt also Banker, nicht nur die von der Deutschen Bank, die gewaltige Verluste gemacht haben, die dabei offensichtlich Entscheidungen getroffen haben, die absolut falsch waren. Doch der Markt bestraft das nicht genug. Die Banker suchen sich einfach neue Jobs, und das Leben geht weiter. Das finde ich sehr enttäuschend.“

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